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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,1

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Auf der zum 18. Oktober (St. Lukastag) über den Streit zwischen dem Bistum Halberstadt und dem Kloster Hersfeld über den Besitz der Zehnten im Hassegau und Friesenfeld auf Mandat Papst Innozenz' II. anberaumten und unter Vorsitz Erzbischof Adalberts von Mainz als ständigen apostolischen Legaten und Kardinalpriester Gerhards von S. Croce in Gerusalemme zusammengetretenen Synode weist Abt Heinrich von Hersfeld auf Grund päpstlicher und kaiserlicher Privilegien das Recht des Klosters an den besagten Zehnten und deren dreihundert Jahre währenden Besitz in Anwesenheit Erzbischof Norberts von Magdeburg, dessen Suffraganbischofs Anselm von Havelberg, der Bischöfe Otto von Bamberg, Gebhard von Eichstätt, Burchard von Worms, Siegfried von Speyer, Meinhard von Prag und von zahlreichen Äbten, Archidiakonen, Pröpsten und Klerikern nach, worauf Bischof Siegfried von Speyer, weil Bischof Otto von Halberstadt nicht erschienen ist, auch nicht durch Bevollmächtigte kanonische Hinderungsgründe geltend gemacht hat und beiden Parteien die gegenwärtige Synode zwecks Beendigung des Streits rechtmäßig mit beiderseitigem Einverständnis angesagt worden ist, unter Zustimmung der Synode den Besitz der vorgenannten Zehnten dem Kloster Hersfeld zuspricht, was Erzbischof Adalbert von Mainz kraft seiner und der Autorität der römischen Kirche bestätigt und am 21. Oktober in Anwesenheit folgender Zeugen beurkundet: der Archidiakone der Mainzer Kirche (archydiaconi sanctę Moguntinę ęcclesię) Dompropst Heinrich, Propst Adalbert von St. Peter, Propst Gottschalk von St. Maria (im Felde), (Dom)dekan Kuno, (Dom)kantor Hartmann, Propst Heinrich von Bingen, der Äbte Werner von St. Alban, Werinbold von St. Jakob, Folkard von Disibodenberg, Bernhelm von Sponheim, Gerhard von St. Maximin in Trier, Herzog Konrads von Zähringen, der Grafen Burggraf Arnold (von Loon), Emicho von Schmidtburg, Gerlach von Veldenz, Berthold von Nürings und dessen Bruder Siegfried, Gerhard de Berebach und dessen Bruder Heinrich, Embricho von Diez, Gozmar von Reichenbach, der Mainzer Ministerialen Vicedominus Embricho, Embricho von Bingen, Walpert, Dudo, Meingoz, Ernst, Otpracht, Ruthard; der fuldischen Ministerialen Regenhard von Salzungen, Berengot von Spahl, Bernhard von Erthal, Warmunt de Drouenbech, der Hersfelder Ministerialen Widelo von Henschleben, Ludeger von Dorndorf, Dietrich von Allmenrod, Gerlach von Lauterbach, Bern, Willo, Walcon; geschehen, als Landgraf Ludwig Hersfelder Klostervogt war (facta ... Loduicho regionario comite advocatiam tenente Heresfeldensis ęcclesię). - Bischof Meinhard von Prag reinigt sich vor Adalbert von Mainz und den Bischöfen von allen gegen ihn von seinen Widersachern und einem päpstlichen Legaten erhobenen Vorwürfen.

Überlieferung/Literatur

Urkunde Adalberts von Mainz vom 21. Oktober 1133. Druck: Stimming, Mainzer UB 1 S. 505 Nr. 588. Reg.: Mülverstedt, Regesta archiepiscopatus Magdeburgensis 3 S. 515 Nr. 126. Böhmer-Will, Regesten Mainz 1 S. 298 Nr. 263. Posse/Ermisch, Cod. dipl. Saxoniae Regiae l, 2 S. 72 Nr. 93. Dobenecker 1 Nr. 1284. G. Friedrich, Codex diplomaticus et epistolaris regni Bohemiae 1, Prag 1904-1907 S. 127 Nr. 119. Heidingsfelder, Regesten Eichstätt Nr. 341. Jakobs, Germ. Pont. IV S. 141 Nr. 283, S. 283 Nr. 17. - Can. Wissegrad. cont. Cosmae zu 1133, MGH SS 9 S.139.

Kommentar

Obwohl Lothar in der Urkunde nicht erwähnt wird, dürfte er bereits in Mainz gewesen sein, als die Synode zusammentrat. Die bischöflichen Teilnehmer der Synode sowie der Kardinal Gerhard erscheinen abermals in Reg. 369. Über Gerhards Legation ist, abgesehen von dem Mandat hinsichtlich des Streits zwischen Halberstadt und Hersfeld wegen der Zehnten und abgesehen von dem möglicherweise hierher gehörenden Reg. 368, nichts Näheres bekannt; jedoch wird der Kardinal den Hof unterrichtet haben, daß Innozenz II. Rom hatte verlassen müssen, vgl. BACHMANN, Legaten S. 37f., BERNHARDI, Lothar S. 494. - Innozenz II. befand sich am 2. September in Siena und seit dem 30. September in Pisa, vgl. JL 7635, W. HOLTZMANN, Papsturkunden in England 1 (AbhhGesWiss.Göttingen NF 25, 1) 1930/31 S. 241 Nr. 17. - Lothar hielt anläßlich der Synode wohl einen Hoftag ab. - Zum Hersfeld-Halberstädter Zehntstreit vgl. Reg. 416. Die Auffassung von BOGUMIL, Das Bistum Halberstadt, 1972 S. 226, daß Bischof Otto von Halberstadt in Mainz erschienen und erst einen auf den 21. Oktober festgelegten Termin versäumt habe, beruht auf einem Mißverständnis der Narratio vorliegender Urkunde. - Otto mochte in der Hoffnung auf die Unterstützung Lothars den alten Streit erneut entfacht haben. Durch sein Nichterscheinen in Mainz versuchte er offenbar, eine Entscheidung zu verschleppen. Ob er mit M. ERBE, Studien zur Entwicklung des Niederkirchenwesens in Ostsachsen vom 8. bis zum 12. Jh., 1969 S. 97, die Hersfelder Beweismittel kannte und ihnen nichts entgegenzusetzen wußte, muß offen bleiben. - Die Landgrafen von Thüringen sind mit vorliegender Urkunde erstmals als Hersfelder Vögte bezeugt, vgl. E. ZIEGLER, Das Territorium der Reichsabtei Hersfeld von seinen Anfängen bis 1821, 1939 S. 15f., H. PATZE, Landesherrschaft Thüringen, 1962 S. 393f. - Meinhard von Prag war von einem päpstlichen Legaten - vielleicht Kardinalbischof Johannes von Ostia oder Kardinalpriester Johannes von S. Crisogono (vgl. den auf 1133 zu datierenden Brief Ottos von Bamberg an Meinhard, JAFFÉ, Cod. Udal. S. 416 Nr. 239, mit der Erwähnung eines Iohannis cardinalis, vor dem zunächst statt vor der Kurie der Bischof sich zu rechtfertigen versuchen möge; zu den in Betracht kommenden Kardinälen dieses Namens vgl. B. ZENKER, Die Mitglieder des Kardinalkollegiums von 1130 bis 1159. Diss. phil. Würzburg 1964 S. 11ff., 59ff.) - aufgesucht und vor Innozenz II. geladen worden, begab sich jedoch wohl in bewußter Wendung gegen den päpstlichen Jurisdiktionsprimat statt an die Kurie nach Mainz, vgl. BERNHARDI, Lothar S. 419f., BACHMANN, Legaten S. 35, K. PIVEC, Studien und Forschungen zur Ausgabe des Codex Udalrici, in: MÖIG 48 (1934) S. 380, R. WENSKUS, Zu einigen päpstlichen Legationen nach Böhmen und Mähren, in: ZKG 70 (4. Folge 8) (1959) S. 143-146, P. HILSCH, Die Bischöfe von Prag in der frühen Stauferzeit, 1969 S. 25f. Über Meinhard und sein Verhältnis zu Herzog Sobeslav und den Prager Domkanonikern, die laut Ottos Brief Vorwürfe gegen die Form der Wahl des Bischofs erhoben, vgl. V. NOVOTNÝ, České dějiny [Böhmische Geschichte] 1,2, Prag 1913 S. 540ff., 607ff., 625ff., W. WOSTRY, in: E. GIERACH (Hg.), Sudetendeutsche Lebensbilder 2 (1930) S. 17-23, WENSKUS, a.a.O., H. STURM (Hg.), Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder 2,1984 S. 629.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,1 n. 367, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1133-10-18_1_0_4_1_1_367_367
(Abgerufen am 17.10.2017).