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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,1

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Lothar verhandelt mit den Päpsten Anaklet II. und Innozenz II. und teilt persönlich den Anhängern des Innozenz das durch Anaklets Unterhändler, Kardinalbischof Petrus von Porto, im Lager auf dem Aventin unterbreitete Angebot mit, zur Gewährleistung eines Gerichtsverfahrens Geiseln zu stellen und Befestigungen zu übergeben. Als darauf die Kardinäle des Papstes Innozenz sich selbst und die Burgen von Leo (Frangipane) und seinen Söhnen, von Cencius, von Petrus Frangipane und von Petrus Latro in Lothars Hand geben, sucht die Partei Anaklets Ausflüchte, wodurch sich Lothar von seinem Vorhaben abgehalten sieht. Unterdessen kommen die Pisaner und Genuesen, letztere mit acht Galeeren, dem König und Papst Innozenz über See nach Rom zu Hilfe und unterwerfen Civitavecchia, den Turm von Pulvereio und die ganze Marmorata.

Überlieferung/Literatur

Rundschreiben Lothars, MGH Const. 1 S. 167 Nr. 114 (= Reg. 341). Ernald, Vita Bernardi II, 8, Migne PL 185 S. 273. Vgl. aber Falco zu 1133, hg. Del Re S. 21 = Kehr, It. Pont. 8 S. 39 Nr. *143. Ordericus Vitalis XIII, 14, hg. M. Chibnall, The Ecclesiastical History of Orderic Vitalis Vol. VI Books XI, XII and XIII (Oxford Medieval Texts) 1978 S. 426-428. - Caffaro, Annales Ianuenses zu 1133, hg. L.T. Belgrano (Fonti per la storia d'Italia 11) 1890 S. 27. Boso, Vita Innocentii, in: L. Duchesne, Le liber pontificalis tom. 2, 1892 S. 382: ... Tunc Pisani et Ianuenses in auxilium pape Innocentii cum navali exercitu Romam venientes Civitatem Veterem, turrim de Pulvereio et totam Marmoratam eidem pontifici subiugarunt.

Kommentar

Das Regest folgt für die Verhandlungen Lothars dessen Rundschreben. Nach Falco weigerte sich Anaklet, der Aufforderung Lothars zur Unterwerfung unter ein Verfahren zu folgen. Nach Ordericus Vitalis wäre Anaklet dazu bereit gewesen, Innozenz dagegen hätte sich nur stellen wollen nach vorheriger Bestätigung aller seiner Rechte. - Seinem eigenen Bekunden nach strebte Lothar offenbar ein Rechtsverfahren über beide Päpste an. Vgl. E. MÜHLBACHER, Die streitige Papstwahl des Jahres 1130, 1876 S. 139, GIESEBRECHT, Geschichte der deutschen Kaiserzeit 4 S. 82f., BERNHARDI, Lothar S. 472f., A. HAUCK, Kirchengeschichte Deutschlands 4, 3-4 1913 S. 153f. - Zu den römischen Adligen vgl. Reg. 235; unsicher ist nach M. THUMSER, Die Frangipane, in: QFIAB 71 (1991) S. 128, 139, die genealogische Einordnung des Petrus Frangipane. Leo Frangipane und seine Söhne sind hier wieder auf die Seite Innozenz' II. gewechselt. - Sofern Marmorata nicht eine Verschreibung für Maritima ist, wie F. GREGOROVIUS, Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter Bd. 4, 2. Aufl. 1870, S. 408 Anm. 2, annimmt, handelt es sich mit DUCHESNE, a.a.O. S. 382 Anm. 4, um das Stadtquartier am Fuß von Aventin und Testaccio auf dem Gebiet des antiken Tiberhafens, vgl. R. VALENTINI/ R. ZUCCHETTI, Codice topografico della città di Roma vol 3 (Fonti per la storia d'Italia 90) Roma 1946 S. 291: (Catalogo di Torino von um 1313): ... Undecima regio Ripae et Marmoratae, sowie GREGOROVIUS, a.a.O. Bd. 5, 2. Aufl. 1871 S. 644, É. HUBERT, Espace urbain et habitat à Rome du Xe siècle à la fin du XIIIe siècle (Collection de I'École Française de Rome 135 = Istituto storico italiano per il medio evo: Nuovi studi storici 7) Roma 1990 S. 368 und Faltkarte 1: Les quartiers de Rome au XIIIe siècle, Nr. 29, R. KRAUTHEIMER, Rom. Schicksal einer Stadt 312-1308, 1987 S. 265. - Pulvereio ist nicht identifiziert.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,1 n. 340, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1133-05-04_1_0_4_1_1_340_340
(Abgerufen am 30.03.2017).