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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,1

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Lothar feiert das Osterfest (April 10) und hält einen Hoftag. Auf ihm erscheint auch der von Papst Innozenz II. bereits geweihte Erzbischof Albero von Trier. Lothar weigert sich zunächst, diesem die Investitur zu erteilen, da er die Bischofsweihe vor dem Ersuchen um die Regalienleihe empfangen hat. Dann aber gibt der König angeblich deshalb nach, weil er weiß, daß Albero ein Mann sei, der leicht das ganze Reich gegen ihn aufbringen könne. Auf gemeinsamen Rat der Fürsten wird dem Herrscher von Albero ein Eid des Inhalts angeboten, daß der Empfang der Weihe vor der Investitur nicht geschehen sei,um dem Recht des Königs Abbruch zu tun, sondern unter Zwang seitens des Papstes. Lothar verzichtet auf die Eidesleistung und erteilt ihm mit dem Reichsszepter die Investitur. Im Verlaufe des Hoftages verkündet Albero die Exkommunikation von des Königs Halbbruder Herzog Simon von Oberlothringen. Am Ostersonntag während der Lesung des Evangeliums weist der Erzbischof den Herzog aus der Kirche.

Überlieferung/Literatur

Ann. S. Disib. zu 1132, MGH SS 17 S. 24: Rex natale Domini Coloniae celebravit, ubi constituti sunt archiepiscopi Brun Coloniensis et Adelbero Trevirensis, qui mox consecrati sunt a Wilhelmo Praenestino, apostolici legato. Ann. Magd. zu 1132, MGH SS 16 S. 184. Ann. Saxo zu 1132, MGH SS 6 S. 767: Rex Aquis pascha ... celebravit. Anselm. Gembl. cont. zu 1132, MGH SS 6 S. 384: Aquas veniens in pascha, nihil de statu regni ordinare valuit, immo omnium rerum querelas in respectu distulit. Balderich, Gesta Alberonis c. 13, MGH SS 8 S. 250f.: Pretereundum non est, quod, cum dominus Albero archiepiscopus venisset Aquisgrani ad curiam imperatoris, Lotharius rex noluit eum investire regalibus, eo quod ante recepisset consecrationem episcopalem, quam suam requisivisset investituram; et omnino, ut credebatur, rex se ei opposuisset, nisi quod ipsum talem virum esse sciebat, qui facile totum orbem sui imperii contra ipsum commoveret; unde et levem satisfactionem ab ipso recepit. Cum enim ex communi consilio principum iuramentum regi obtulisset, quod non ad diminutionem sui honoris hoc factum esset, sed a domino papa coactus ad consecrationem accessisset, dominus rex iuramentum ei remisit, et regalia sceptro regni ei concessit. In eadem quoque curia Lotharingiae ducem Symonem, fratrem regis, excommunicatum pronunciavit, et in die sancto paschae, dum legeretur euangelium, eum exire aecclesiam compulit. Reg.: Goerz, Regesten Erzbischöfe Trier S. 17. Goerz, Mittelrheinische Regesten 1 Nr. 1846. Boshof, Germ. Pont. X, 1 S. 94 Nr. *198.

Kommentar

Albero von Montreuil, von den Trierer Klerikern im Jahre 1131 gewählt (vgl. Reg. 275, 279), hatte zwischen dem 27. Februar und dem 7. März 1132 in Vienne von Papst Innozenz II. die Bischofsweihe empfangen, vgl. Balderich, a.a.O. c. 12 S. 250, vgl. JL 1 S. 855, BOSHOF, Germ. Pont. X, 1 S. 93 Nr. *195. Die Nachricht der Ann. S. Disib. hinsichtlich der Weihe Alberos ist unzutreffend. Lothar hat zunächst die Investitur abgelehnt, weil der Empfang der Weihe vor Erteilung der Regalienleihe das Wormser Konkordat verletzte, vgl. R. MARTINI, Die Trierer Bischofswahlen vom Beginn des zehnten bis zum Ausgang des zwölften Jahrhunderts (HistStudEbering 72) 1909 S. 59f., R.L. BENSON, The Bishop-Elect, Princeton 1968 S. 271, M.-L. CRONE, Untersuchungen zur Reichskirchenpolitik Lothars III., 1982 S. 93, 277, PETKE, Lothar S. 255. - Die Verweisung des wegen seiner Übergriffe auf Besitzungen des Stifts Saint-Dié exkommunizierten Herzogs Simon war legal und doch eine Machtprobe mit dem König und dessen Verwandtschaft, welche Albero für sich entschieden hat. Noch im Laufe des Jahres 1132 hat Albero den Herzog absolviert, vgl. PETKE, a.a.O. S. 253 mit Anm. 561. Eine Lösung von der Exkommunikation erst im Jahre 1133 und durch Innozenz II. nimmt an BOSHOF, Germ. Pont. X, 1 S. 95 Nr. *199. - Über die Herzöge von Oberlothringen vgl. M. PARISSE, Les ducs et le duché de Lorraine au XIIe siècle, in: BllDtLdG 111 (1975) S. 86-102. - Anselms Nachricht ist unglaubwürdig. Wie dessen Äußerungen zu den Jahren 1127, 1128, 1131 und 1132 (vgl. Reg. 136, 173, 290, 294) zeigen, stand Lothar bei ihm in keinem hohen Ansehen. Damit ist gegen BERNHARDI, Lothar S. 424 Anm. 6, also keineswegs bewiesen, daß Lothar in Niederlothringen ganz allgemein geringgeschätzt wurde und daß er dort die Dinge treiben ließ.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,1 n. 296, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1132-04-10_1_0_4_1_1_296_296
(Abgerufen am 24.04.2017).