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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,1

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Lothar hält einen Hoftag und nimmt an einer Synode teil, zu der unter dem Vorsitz des päpstlichen Legaten Kardinalbischof Matthäus von Albano und Erzbischof Adalberts von Mainz die Bischöfe (Hermann) von Augsburg, (Gebhard) von Eichstätt, (Otto) von Bamberg, (Embricho) von Würzburg, (Siegfried) von Speyer und (Burchard) von Worms zusammentreten. Bischof Bruno von Straßburg, der von Klerus und Volk wegen Gewalttat, Intrusio und ungehöriger Weihe angeklagt ist, resigniert sein Bistum in die Hände von Erzbischof und Kardinal. - Von den in Trier hierher geladenen Wählern, deren nicht zu einem Ergebnis gelangte Wahl Lothar nach dem Urteil von Bischöfen behandeln zu wollen erklärt hat (vgl. Reg. 275), erscheinen jene elf Dignitäre, welche nach des Königs Abreise aus Trier inzwischen den Metzer Primicerius Albero von Montreuil ohne Beteiligung der Laien gewählt haben. Der König hört sie darüber unwillig an, macht sich ihre Sache nicht zu eigen und eröffnet ihnen, vom Kardinal an sein Versprechen erinnert, vor versammelten Bischöfen und Fürsten, daß er dem Kardinalbischof Matthäus von Albano und dem Bischof Stephan von Metz keineswegs versichert habe, dieser Wahl geneigt zu sein, es sei denn, daß diese einmütig sowohl durch die Laien als auch den Klerus möglich sei. Die sich getäuscht fühlenden elf Dignitäre reisen nach Trier zurück.

Überlieferung/Literatur

Ann. S. Disib. zu 1131, MGH SS 17 S. 24: Concilium Moguntiae habitum praesente Lothario rege, praesidente Matheo Albanensi cum Moguntino archiepiscopo, ubi Bruno Argentinensis episcopus praesentibus Augustense, Eihstedense, Babinbergense, Wirzeburgense, Spirense, Wormatiense episcopis a clero et populo super violentia, intrusione et consecratione impetitus in manus archiepiscopi et cardinalis Argentinensem reconsignavit episcopatum. Ann. Magd. zu 1131, MGH SS 16 S. 184: Rex ... celebrat ... pentecosten in civitate Argentina, et Bruno eiusdem loci episcopus pastoralem curam amisit, Gevehardo sibi succedente. Ann. Saxo zu 1131, MGH SS 6 S. 767. Ann. Marbacens. zu 1131, MGH SSrerGerm 9 S. 44: Argentinensis episcopus Bruno a sede pontificali pellitur. - Balderich, Gesta Alberonis c. 10 (Brief der Trierer Dignitäre an Papst Innozenz II.), MGH SS 8 S. 249: Postea vero, ubi Moguntiam die statuto venimus et electionem factam domino regi representavimus, ille gratia laicorum immutatus non sperata benignitate nos audivit, nec causam nostram manu tenuit, et tandem a domino Albanensi promissionis supradictae commonitus coram omnibus episcopis et principibus, qui presentes erant, numquam se domino Albanensi vel Metensi promisisse testatus est, quod aliquam de eligenda illa persona bonam voluntatem habuisset, nisi per assensum et concordiam omnium tam laicorum quam clericorum fieri potuisset. Sic confusi et frustrati ab eo recedentes ubi domum venimus... Reg.: Goerz, Mittelrheinische Regesten 1 Nr. 1836. Böhmer-Will, Regesten Mainz 1 S. 293 Nr. 238 (zu nach Juni 24). Wentzcke, Regesten Straßburg 1, 2 Nr. 443 (zu Mai-Juni 8). Heidingsfelder. Regesten Eichstätt Nr. 339 (zu Anfang Juni). Volkert, Regesten Augsburg Nr. 473 (zu Juli). Brackmann, Germ. Pont. III S. 14 Nr. *36, Jakobs, Germ. Pont. IV S. 140 Nr. *281 (zu Mai-Juni). Boshof, Germ. Pont. X, 1 S. 92 Nr. *190 (zu Juni).

Kommentar

Da Lothar noch in Trier den dortigen Wählern den Tag in Mainz angesagt hat, kann der Mainzer Hoftag nicht zu weit in den Sommer gerückt werden. Weil Embricho am 23. Mai 1131 in Würzburg bezeugt ist (Monumenta Boica 37 S. 41 Nr. 79), kommt wegen des Herrscheritinerars die Mitte des Mai als der wahrscheinlichste Termin der Synode in Betracht, vgl. PETKE, Lothar S. 444 Nr. 25. - Über die Schwierigkeiten Bischof Brunos in Straßburg vgl. Reg. 247, und WENTZCKE, a.a.O. Nr. 443, vgl. PETKE, a.a.O. S. 291. Über das weitere Schicksal des am 10. Juli 1162 gestorbenen Bischofs, der während des zweiten Italienzuges am Hof Richenzas erscheint (s. Reg. 533, 544), vgl. WENTZCKE, a.a.O., PETKE, a.a.O. S. 73f. - Nach Balderich c. 10-11 S. 249, waren Alberos Wähler der Dompropst Gottfried, der Domdekan Folmar, zwei Archidiakone, der Propst (Rudolf) vom Stift St. Paulin, der Domscholaster und der Domkustos sowie vier weitere Domkanoniker; diese hatten die Wahl im Chor des Domes in der Hoffnung vollzogen, daß der König Albero investieren werde (dono sui iuris investire vellet). Der Wahl widersetzten sich der Trierer Hochvogt Pfalzgraf Wilhelm und der Trierer Burggraf, der Ministeriale Ludwig. Über deren Haltung zu Albero wollte sich Lothar hier offenbar nicht hinwegsetzen. Über den Trierer Burggrafen Ludwig de Ponte und dessen Verwicklung in die Auseinandersetzungen um die Herrschaft über Stadt und Erzbistum Trier vgl. KNUT SCHULZ, Ministerialität und Bürgertum in Trier (Rheinisches Archiv 66) 1968 S. 29-32. Über die Albero im April 1132 endlich erteilte Investitur s. Reg. 296.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,1 n. 279, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1131-05-00_1_0_4_1_1_279_279
(Abgerufen am 24.07.2017).