Regestendatenbank - 176.134 Regesten im Volltext

RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,1

Sie sehen den Datensatz 258 von insgesamt 673.

Lothar gibt auf Bitten seiner Gemahlin Richenza und seines getreuen Erzbischofs Norbert dem Erzbistum Magdeburg die innerlich und äußerlich sehr verfallene Abtei Alsleben an der Saale (abbaciam quandam Alsleue nuncupatam, plurimum tam in interioribus quam in exterioribus dilapsam, in ripa fluminis Sala nominati sitam) im Tausch gegen die Burg Scharzfeld im Harz mit allem Zubehör, die er zum Nutzen des Reiches durch den Magdeburger Burggraf Heinrich empfängt (per manum Heinrici eiusdem urbis prefecti in concambium ad usum regni suscepimus castrum quoddam Scartuelt nominatum, in montanis que Harz dicuntur situm cum omnibus suis pertinenciis). Z.: Erzbischof Norbert von Magdeburg, die Bischöfe Udo von Zeitz, Anselm von Havelberg, Bernhard von Hildesheim, Otbert von Cremona, Kardinal(priester) Gerhard (von S. Croce in Gerusalemme), Kardinal(priester) Anselm (von S. Lorenzo), Abt Adalbero (Albero) von Nienburg, Abt Arnold von Berge (Arnolphus abbas de Monte), Dompropst Friedrich, Scholaster Bodo, Lambertus prepositus de Holla, Vuigerus presbiter, Anthonius presbiter; von Laien (ex laicis) die Fürsten (principes) Burggraf Heinrich von Magdeburg (prefectus ... urbis), Pfalzgraf Friedrich (von Sommerschenburg), Markgraf Konrad von Wettin (Vuithin), Konrad von Plötzkau, Graf Ludwig von Thüringen (Ludewicus comes Turingie), Graf Siegfried (von Boyneburg), Floris von Holland, Ludolf von Wöltingerode, Vicedominus Bernhard von Hildesheim, Widukind von Schwalenberg, Hademar, Konrad. - Ego Tidmarus vicem Adalberti archicancellarii recongnovi; unter wesentlicher Beteiligung von Thietmar A = Thietmar verfaßt. Quoniam divina clemencia.

Originaldatierung:
(non. febr., Goslarie)

Überlieferung/Literatur

Kop.: Staatsarchiv Magdeburg, Cop. Nr. 6, Copiarium archiepiscopatus Magdeburgensis (Fahles Copial), 15. Jh., f. 33r (D). Ebenda, Cop. Nr. 16, Copiale archiepiscopatus Magdeburgensis, Abschrift des Cop. Nr. 6 durch J.-G. Olearius von 1678-84, f. 1r-2v (O). Drucke: Caspar Sagittarius, Historia Nortberti archiepiscopi Magdeburgensis Praemonstratensis ordinis conditoris ..., Jenae 1683 S. 10. Origines Guelficae tom. 2, Hanoverae 1751 S. 503 Nr. 57. Johann Christoph v. Dreyhaupt, Pagus Neletici et Nudzici oder ausführliche diplomatische-historische Beschreibung des zum ... gehörigen Saal-Creyses und aller darinnen befindlichen Städte ... Dörffer ... Theil 2, Halle 1750 S. 844 Nr. 550. Israël/Möllenberg, UB Magdeburg 1 S. 280 Nr. 224. DLo.III. 31. Reg.: Marcus Wagner, Thüringen Königreichs, das es für und nach Christi geburth in Pagos getheilet gewesen, ... kurtzer Auszug aus antiquitatibus, ... sonderlich von Gottha, Gottinga, Salza, Ordruff, Arnstad, und andern, sampt vielen mancherleihen codicibus, authoribus, etc. ..., Jhena 1593 D 3v. Heinemann, Cod. dipl. Anhaltinus 1 S. 161 Nr. 206. Mülverstedt, Regesta archiepiscopatus Magdeburgensis 1 S. 402 Nr. 1039. Posse/Ermisch, Cod. dipl. Saxoniae Regiae 1, 2 S. 67 Nr. 85. Janicke, UB Hildesheim 1 S. 172 Nr. 191. Dobenecker 1 Nr. 1251. Koch, OB van Holland en Zeeland 1 S. 224 Nr. 113. Stumpf 3255.

Kommentar

Über die Einreihung des Diploms, dessen Inkarnationsjahr und Indiktion auf 1130 weisen, dessen Königsjahr aber auf 1130/31 führt, und über die weitgehende Autorschaft Thietmars vgl. HIRSCH/ OTTENTHAL, DLo.III. 31, Vorbemerkung. Pertinenzformel, Korroboration und die Einführung der Zeugen sind unzweifelhaft dessen Diktat, vgl. PETKE, Lothar S. 30f. - Über das Benediktinerinnenkloster Alsleben (Diözese Halberstadt), das seit ottonischer Zeit Reichsabtei war (DO.II. 190, DH.II. 44. Vgl. auch H. ZIMMERMANN, Papsturkunden 896-1046. Erster Band 896-996 [Österr. Akad. d. Wiss., Phil.-hist. Kl., Denkschriften 174] Wien 1984 S. 503 Nr. †256), und über seine Stifterfamilie vgl. HUCKE, Stade S. 150-152, K.J. LEYSER, Herrschaft und Konflikt. König und Adel im ottonischen Sachsen, 1984 S. 77, 116f., 159f. - Norbert erwarb nicht nur das Kloster, sondern etwa zu gleicher Zeit auch die damals stadische Burg Alsleben, vgl. Gesta archiep. Magd. c. 26, MGH SS 14 S. 413f.: De thesauro etiam ecclesie Alsleue urbem cum omnibus pertinentiis suis ab Irmingarde marchionissa comparavit, abbatiam quoque in illa sitam ab imperatore Lothario precibus et prediorum commutationibus sibi donari impetravit. Weitere Stader Rechte in Alsleben erwarb 1142 Erzbischof Konrad (ISRAËL/ MÖLLENBERG, UB Magdeburg 1 S. 314 Nr. 249). - Der Tausch zwischen Lothar und Norbert diente den Interessen beider Seiten, wobei die Initiative von Norbert ausgegangen zu sein scheint. Das Erzstift gewann an Stelle seines Außenbesitzes am Südharz einen Stützpunkt auf dem Weg von Magdeburg nach Halle, während Lothar mit dem Erwerb von Scharzfeld das Königsgut im südlichen Harzvorland vermehrte, vgl. WADLE, Reichsgut S. 129, 216, D. CLAUDE, Geschichte des Erzbistums Magdeburg 2,1975 S. 33, PETKE, Lothar S. 314. Nach 1130 wurde der Edelfreie Sigebodo, der Stammvater der Grafen von Scharzfeld-Lauterberg, von Lothar im Rahmen seiner Krongutpolitik am Südharz mit einem neuen Komitat belehnt, vgl. K. MASCHER, Reichsgut und Komitat am Südharz im Hochmittelalter, 1957 S. 44f., WADLE, Reichsgut S. 129, 216ff. Über die Burg Scharzfeld (Scharzfels) vgl. F. STOLBERG, Befestigungsanlagen im und am Harz von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit, 1968 S. 358 Nr. 398. - Zu den päpstlichen Legaten vgl. BACHMANN, Legaten S. 26, und Reg. 256. Über die Magdeburger Domherren vgl. G. WENTZ/ B. SCHWINEKÖPER, Das Erzbistum Magdeburg 1, 1. Das Domstift St. Moritz in Magdeburg (Germania Sacra. Die Bistümer der Kirchenprovinz Magdeburg. Das Erzbistum Magdeburg 1) 1972 S. 311, 383. Über Propst Lambert und das Augustiner-Chorherrenstift Neuwerk vor Halle vgl. CLAUDE, a.a.O. S. 402ff., 404, 414. Über Vuigerus - so nach dem Textzeugen (D) mit ISRAËL/ MÖLLENBERG gegenüber der Edition von HIRSCH/ OTTENTHAL zu lesen -, den Propst von Unser Lieben Frauen in Magdeburg (l129-1138) und späteren Bischof von Brandenburg (1138-ca. 1161), sowie über Anthonius, 1136 Prior von Unser Lieben Frauen in Magdeburg, vgl. KAHL, Slawen und Deutsche 2 S. 898 Anm. 25, S. 942-946. Mit KAHL, a.a.O. S. 945, ist denkbar, daß der Schreiber des Magdeburger Kopialbuches die Dignitäten prepositus für Wigger beziehungsweise prior für Anthonius jeweils zu presbiter verlesen hat. Über die Zeugen Heinrich von Groitzsch, Burggraf von Magdeburg, und Graf Siegfried von Boyneburg vgl. PETKE, Lothar S. 218, 367.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,1 n. 258, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1131-02-05_1_0_4_1_1_258_258
(Abgerufen am 24.03.2017).