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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,1

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Papst Anaklet II. beklagt gegenüber (Lothar) das Ausbleiben einer Antwort auf seinen durch den Erzbischof (Adalbero) von Bremen überbrachten Brief mit seiner Wahlanzeige (vgl. Reg. 221), beruft die gegenseitige Liebe von königlicher Gewalt und heiliger römischer Autorität (et regalis potestas et sacra Romana authoritas), berichtet, daß Kardinäle, Bischöfe und Klerus ihm anhingen, daß Leo Frangipane, der römische Präfekt Hugo und dessen Bruder (frater eius), sowie der Sohn Leo Frangipanes und Leo Frangipanes Bruder Cencius (filius Leonis Frangipane et Centius frater eius), Stephanus de Petro, Stephan de Tebaldo, die Söhne Heinrichs von S. Eustachio, Adel und Volk von Rom ihm den Treueid geschworen hätten und er die Peterskirche, den Lateranpalast und die übrigen Befestigungen Roms im Besitz habe. Ferner habe er Konrad (von Staufen), den Eindringling in die königliche Herrschaft, am Gründonnerstag (27. März) in der Lateranbasilika exkommuniziert (Reg. 225) und am Karfreitag in S. Croce in Gerusalemme Lothars unter namentlicher Nennung in der Fürbitte (oratio publica) gedacht. Er bittet, Lothar möge ihm und der ganzen Kirche seine königliche Sorge zuwenden und warnt vor den schändlichen Gerüchten der Schmeichler (prava venenatorum vaniloquia).

Überlieferung/Literatur

Drucke: Christian Lupo, Ad Ephesinum concilium variorum Patrum epistolae, Lovanii 1682 S. 509 Nr. 16. C. Baronius, Annales ecclesiastici, hg. A. Theiner, vol. 18, Bar-le-Duc 1869 S. 421 § 19-21. Migne PL 179 S.706. Reg.: JL 8388. P.F. Palumbo, Lo scisma del MCXXX, Roma 1942 S. 657 Nr. 20.

Kommentar

Das Regest folgt dem Text bei LUPO. Vgl. auch P.F. PALUMBO, La cancelleria di Anacleto II, in: Studi Salentini 17(1964) S. 6f., 18, 44f., wonach Pandulf, der spätere Kardinaldiakon von SS. Cosma e Damiano, als Verfasser zu gelten hat. Wahrscheinlich ist der vorliegende Brief zufolge Reg. 235 Anaklets zweites Schreiben an Lothar und wurde durch einen namentlich unbekannten Straßburger Kleriker überbracht. Anaklets Brief vom. 1 Mai (JL 8379) ist gegen E. MÜHLBACHER, Die streitige Papstwahl des Jahres 1130, 1876 S. 121, und M. THUMSER, Die Frangipane, in: QFIAB 71 (1991) S. 127 Anm. 68, jedenfalls nicht an Lothar gerichtet, s. PALUMBO, Lo scisma S. 331f., 654 Nr. 11, wo Bischof Hugo von Grenoble als Empfänger in Betracht gezogen wird. - Leo Frangipane ist vorliegendem Brief zufolge, was in JL 8379 vom 1. Mai und in Reg. 234 ausdrücklich erwähnt wird, von Innozenz II. zur Partei Anaklets II. übergewechselt, vgl. PALUMBO, a.a.O. S. 299f. Zu Genealogie und Besitz der Frangipane in Rom s. F. EHRLE, Die Frangipani und der Untergang des Archivs und der Bibliothek der Päpste am Anfang des 13. Jahrhunderts, in: Mélanges ÉMILE CHATELAIN, Paris 1910 S. 448-483, insbes. S. 452ff., P. FEDELE, Sull' origine dei Frangipane (A proposito di un recente lavoro), in: Archivio della R. Società Romana di storia patria 33 (1910) S. 493-506, THUMSER, a.a.O. S. 106ff., vgl. KEHR, It. Pont. 1 S. 191ff. Der nicht namentlich genannte Sohn des Leo Frangipane soll nach THUMSER, a.a.O. S. 162, Oddo gewesen sein. - Der Stadtpräfekt Hugo wird auch am 18. Mai (Reg. 235) erwähnt, vgl. L. HALPHEN, Études sur l'administration de Rome au Moyen 00C2ge (751-1252), Paris 1907 (ND Roma 1972) S. 16ff., 152. Seine von F. GREGOROVIUS, Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter Bd. 4,2. Aufl. 1870 S. 404 Anm. 2, für wahrscheinlich gehaltene Identität mit Anaklets Bruder Ugo/Obicio wird von P. BREZZI, Roma e l'impero medioevale (774-1252), Bologna 1947 S. 312, rezipiert, jedoch von P. FEDELE, Le famiglie di Anacleto II e di Gelasio II, in: Archivio della R. Società Romana di storia patria 27 (1904) S. 428, abgelehnt, weil im Schreiben der Römer vom 18. Mai (Reg. 235) nicht Anaklets eigener Bruder an der Spitze stehen könnte und zudem dessen weitere Brüder dort unerwähnt blieben. Der Brief vom 18. Mai hat jedoch in der Edition von LUPO den von FEDELE vermißten Plural fratres eius. - Zu Stephan de Tebaldo und den von S. Eustachio vgl. KEHR, It. Pont. l S. 188f., 195. - Zu dem von den Römern bei regulären Erhebungen dem Papst nach der Inthronisation im Lateran zu leistenden Treueid s. R. ZOEPFFEL, Die Papstwahlen und die mit ihnen im nächsten Zusammenhange stehenden Ceremonien in ihrer Entwicklung vom 11. bis zum 14. Jahrhundert. Nebst einer Beilage: Die Doppelwahl des Jahres 1130,1871 S. 231 f., vgl. Reg. 235. - Zu den päpstlichen Stationsfeiem an Gründonnerstag und Karfreitag in der ersten Hälfte des 12. Jh. vgl. den Ordo Romanus im Liber politicus des Benedikt, hier c. 40-42, hg. P. FABRE/ DUCHESNE, Le Liber censuum de l'Église Romaine tom. 2, Paris 1910 S. 150f. - zu den Autoren dieses Ordo vgl. B. SCHIMMELPFENNIG, Die Bedeutung Roms im päpstlichen Zeremoniell, in: Rom im hohen Mittelalter. Festschr. REINHARD ELZE, hg. v. B. SCHIMMELPFENNIG u. L. SCHIMUGGE, 1992 S. 49-51 -, und Bernhardi cardinalis et Lateranensis ecclesiae Prioris Ordo officiorum ecclesiae Lateranensis, hg. LUDWIG FISCHER (Historische Forschungen und Quellen 2-3) 1916, hier c. 119, 127f. S. 47,50. Vgl. H. GRISAR, Das Missale Romanum im Lichte römischer Stadtgeschichte. Stationen, Perikopen, Gebräuche, 1925 S. 16, 52f., J.P. KIRSCH, Die Stationskirchen des Missale Romanum, 1926 S. 213f. Zum Karfreitagsgebet für den König s. L. BIEHL, Das liturgische Gebet für Kaiser und Reich (Görres-Gesellschaft. Veröffentlichungen der Sektion für Rechts- und Staatswissenschaft 75) 1937 S. 85-88. - Über die von Anaklet vertretene gelasianische Zweigewaltenlehre vgl. W. ULLMANN, The Growth of Papal Government in the Middle Ages: A study in the ideological relation of clerical to lay power, 1955,2. Aufl. 1965 S. 21-26. Vgl. E.-D. HEHL, Kirche und Krieg im 12. Jh., 1980 S. 32, M. STROLL, The Jewish Pope, 1987 S. 69.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,1 n. 232, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1130-05-15_1_0_4_1_1_232_232
(Abgerufen am 23.07.2017).