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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,1

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Lothar beginnt mit der abermaligen Belagerung der Bewohner, die ihre im Vorjahr geschworenen Eide (vgl. Reg. 173) gebrochen haben, erhält Unterstützung von Heinrich dem Stolzen (vgl. Reg. 208) und zieht Anfang Januar 1130 in die Stadt ein (vgl. Reg. 211 und 212). Wenn nicht schon während der ersten Belagerung im Jahre 1128 wird spätestens während dieser zweiten der Leichnam des Rabbiners Kalonymos ben Isaak des Alten aus Mainz in der Mikwe geborgen, weil er wegen der Balagerung nicht bestattet werden kann. Ebenfalls spätestens während der zweiten Belagerung kommt der Reichsministeriale Gerung von Grone ums Leben, und wird die Abtei Lorsch durch das Servitium regis stark balastet. - Wohl hier bestätigt Graf Gottfried (angeblich: von Fleckenstein) die Schenkung seines Hofes Schönau und weiterer Besitzungen an das Kloster Sankt Walburg vor Lothar und den Fürsten des Reichs.

Überlieferung/Literatur

Ann. S. Disib. zu 1129, MGH SS 17 S. 24: Spira secundo obsessa ab idibus iulii usque kalendas ianuarias. Ann. Foss. zu 1130, MGH SS 4 S. 30. Ann. Hild. zu 1129, MGH SSrerGerm 8 S. 67. Ann. Magd. zu 1129, MGH SS 16 S. 183. Ann. Mellic. zu 1130, MGH SS 9 S. 502. Ann. Mellic. cont. Claustroneoburgensis prima zu 1130, MGH SS 9 S. 613. Ann. Palid. (zu 1129), MGH SS 16 S. 78. Ann. Patherb. zu 1129, hg. Scheffer-Boichorst S. 153: Post festum pentecosten rex Liutgerus urbem Spirae iterum obsidione circumdat, quia fidem, quam superiori anno spoponderant, et iuramentum, quod iuraverant, infregerunt. Ann. Pegav. zu 1129, MGH SS 16 S. 255. Ann. Rosenv. zu 1129, MGH SS 16 S. 104. Ann. Zwifalt. zu 1129, MGH SS 10 S. 55. Ann. Saxo zu 1129, MGH SS 6 S. 766. Anselm. Gembl. cont. zu 1130, MGH SS 6 S. 383: Lotharius rex urbem Spiram alternis annis vicissim obsessam, tandem... Chron. Regia Coloniens. Rez. I zu 1129, MGH SSrerGerm 18 S. 66. S. Petri Erphesf. cont. Ekkehardi zu 1129, in: Mon. Erphesf., MGH SSrerGerm 42 S. 36: Spira civitas a rege Lothario per novem menses continuos obpugnata capitur. Honorius Augustodunensis, Summa, MGH SS 10 S. 131. Kaiserchronik v. 17066f., hg. E. Schröder, MGH Dt. Chron. 1, 1892 S. 389: der chunich Liuther si nie verliez, / unze si im die burch ergâben. - Eliëser ben Nathan, Ewen ha-Eser, hg. Schalom Albeck, Warschau 1904 f. 44r Nr. 108 (Für die Übermittlung einer Kopie aus dieser auf der Universitätsbibliothek Jerusalem vorhandenen Edition danke ich Alexander Patschovsky, Konstanz, und Israel Yuval, Jerusalem). - Zum Tod Gerungs von Grone: Reg. 405. - Zu Lorsch: Chron. Laureshamense, MGH SS 21 S. 435; hg. K. Glöckner, Codex Laureshamensis 1, 1929 c. 143 b S. 424: Sub hoc (sc. Abt Diemo) eadem ęcclesia plurimum sudauit, tum uariis in seruicio regali occupationibus, tum ad sollemnes curias crebris euocationibus, tum in Spirensi obsidione, tum contra ducem Fridericum sumptuosa expeditione. - Bestätigung der Schenkung Graf Gottfrieds (von Fleckenstein). Drucke: Philippe André Grandidier, Histoire ecclésiastique, militaire, civile et littéraire de la province d'Alsace tom. 2 (preuves), Strasbourg 1787 S. 275 Nr. 615: Anno M.CXXIX, indictione VII ... so hatt der vorgenannte Herr Gottfriedt von Fleckenstein sie bestattiget zu Spire vor dem Konig Lothario, und vor viel andre Furste des Reichs. Peter Müller, Die Herren von Fleckenstein im späten Mittelalter (Geschichtliche Landeskunde 34) 1990 S. 697f.: Und darumb, daß diße vorgenant giefft ewiglich stett und unverbrochen bliebe, so hatt der vorgenant grave (sc. Gottfried von Fleckenstein) sie bestettiget zu Speier vor dem konig vogtpriegale [!] unnd vor viel andern fursten deß reichs. Reg.: Stumpf 3247 a. Wentzcke, Regesten Straßburg 1, 2 Nr. 442.

Kommentar

Da Lothar noch im Juni in Sachsen war, kann er keinesfalls persönlich gleich nach Pfingsten, wie die Ann. Patherb. nahelegen, mit der Belagerung Speyers begonnen haben. Vgl. BERNHARDI, Lothar S. 244 Anm. 29. - Über den Talmudisten Eliëser ben Nathan vgl. JÜDISCHES, 1927 (ND 1928) S. 362f., ENCYCLOPAEDIA vol. 6, Jerusalem 1972 S. 626ff.; über Kalonymos ben Isaak und seine Familie vgl. GERMANIA, 1934 (ND 1963) S. 337, JÜDISCHES, 1927 (ND 1982) S. 570, ENCYCLOPAEDIA vol. 10, Jerusalem 1972 S. 718ff. Vgl. auch G. STEIN, Zur Datierung des Speyerer Judenbades, in: Pfälzer Heimat 15 (1964) S. 87ff., 92f., G. STEIN, Die Juden und ihre Kultbauten am Oberrhein bis 1349, in: ZGORh 117 (1969) S. 352f. - Über Lorschs Reichsdienst vgl. H.-P. WEHLT, Reichsabtei und König, 1970 S. 71. - Die auch unabhängig von Grandidier überlieferte Schenkung Gottfrieds (von Fleckenstein) - vgl. bereits JOHANNES SCHILTER, Thesaurus Antiquitatum Teutonicarum tom. 3, Ulmae 1728 S. 35, und den von Müller entdeckten, aus dem 16. Jh. stammenden Text - an das Kloster Sankt Walburg am Rande des Heiligen Forst dürfte kaum von einem Angehörigen des Reichsministerialengeschlechts von Fleckenstein, sondern vielleicht von Graf Gottfried I. von Blieskastel vorgenommen und tatsächlich 1129 in Speyer vor Lothar bestätigt worden sein; die Überlieferung wurde wahrscheinlich 1551 im Auftrag der Herren von Fleckenstein zumindest verfälscht, vgl. MÜLLER, a.a.O. S. 29ff., 46f., 53-61. Die Ausführungen von WADLE, Reichsgut S. 185, 188, über die angebliche Stellung der Fleckensteiner zu Lothar entbehren einer gesicherten Quellengrundlage. Gottfrieds I. von Blieskastel Söhne Folmar I. von Blieskastel und Dietrich I. von Hüneburg sind in Reg. 179 bei Lothar bezeugt, vgl. PETKE, Lothar S. 131.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,1 n. 202, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1129-07-15_2_0_4_1_1_202_202
(Abgerufen am 21.08.2017).