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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,1

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Nach dem Tod des Abodritenfürsten Heinrich von Alt-Lübeck († 22. März 1127) und nach dem Untergang von dessen um das Erbe streitenden Söhnen Knut und Sventopolk sowie des Enkels Svineke erhebt Lothar den ihn aufsuchenden dänischen Grenzjarl Knut Lavard, Sohn des Erich Ejegod, zum König der Abodriten, setzt ihm eine Krone auf das Haupt, nimmt ihn als seinen Lehnsmann an und verleiht ihm gegen eine große Geldzahlung das Abodritenreich.

Überlieferung/Literatur

Helmold, Cron. Slav. I, 49, MGH SSrerGerm 32 S. 97: Interea subiit animum eius (sc. Knut), quod principatus regni Slavorum vacaret, mortuo scilicet Heinrico et filiis eius adnullatis. Adiit igitur Lotharium imperatorem emitque multa pecunia regnum Obotritorum, omnem scilicet potestatem, qua preditus fuerat Heinricus. Et posuit imperator coronam in caput eius, ut esset rex Obotritorum, recepitque eum in hominem. Alberich von Troisfontaines, Chronica, MGH SS 23 S. 829: Lotharius, qui Kanutum exaltaverat. Saxonis Gesta Danorum XIII c. 3 § 7, c. 5 §§ 7-14, hg. Olrik/Raeder, S. 347, 350-353. Historia S. Kanvti ducis et martyris Lect. V a, hg. M.C. Gertz, Vitae Sanctorum Danorum, Kopenhagen 1908-1910 S. 194: Regis usurpati nominis reus non teneor (sc. Knut); Sclauia enim nec regem habuit nec michi commissa me regem uocauit. Usuali quidem locucione causa dignitatis uel reuerencie knese quemlibet uocare consueuit, hoc est: dominus; et hoc Dani abusiue interpretantes regem esse affirmant. - Todestag Heinrichs: Chron. S. Michaelis Luneburgensis, MGH SS 23 S. 396.

Kommentar

Über den Abodritenfürsten Heinrich vgl. W.H. FRITZE, Probleme der abodritischen Stammes- und Reichsverfassung und ihrer Entwicklung vom Stammesstaat zum Herrschaftsstaat, in: H. LUDAT (Hg.), Siedlung und Verfassung der Slawen zwischen Elbe, Saale und Oder, 1960 S. 170-172, 199f. Ob er ermordet wurde, ist nicht sicher. Heinrichs Sohn Knut wurde nach 1127 bei Lütjenburg wohl in Auseinandersetzungen mit Sventopolk erschlagen; Sventopolk wurde durch den Holsten Daso getötet, Sventopolks Sohn Svineke kam bei der Artlenburg ums Leben, vgl. Helmold, Cron. Slav. I, 48, S. 95. - FRITZE, a.a.O. S. 200, und E. ENGEL, in: JOACHIM HERRMANN (Hg.), Die Slawen in Deutschland. Ein Handbuch, 1985 S. 382, vermuten hinter dem raschen Erlöschen des Hauses der Nakoniden Aktivitäten Lothars und Knut Lavards, vgl. aber E. HOFFMANN, Sachsen, Abodriten und Dänen im westlichen Ostseeraum, in: H. BEI DER WIEDEN (Hg.), Schiffe und Seefahrt in der südlichen Ostsee, 1986 S. 32f., wonach der Einfluß Lothars auf das Abodritenreich durch das Ende der Nakoniden zunächst eher geschwächt worden sein dürfte. - Die Todesfälle der Nachkommen Heinrichs und der Zeitpunkt der Belehnung sind nicht absolut datierbar. - Über Knuts Rang im dänischen Königshaus, seine Stellung in Schleswig seit um 1115/22 und sein Auftreten als König vgl. ERICH HOFFMANN, Königserhebung und Thronfolgeordnung in Dänemark, 1976 S. 74-77, ERICH HOFFMANN, Beiträge zur Geschichte der Stadt Schleswig und des westlichen Ostseeraums im 12. und 13. Jahrhundert, in: ZGesSchleswHolstG 105 (1980) S. 32-40, A.E. CHRISTENSEN, in: Danmarks historie 1. Tiden indtil 1340, hg. v. A.E. CHRISTENSEN, u. a., Kopenhagen 2. Aufl. 1978 S. 276f., W. LAMMERS, Das Hochmittelalter bis zur Schlacht von Bornhöved, in: O. KLOSE (Hg.), Geschichte Schleswig-Holsteins 4, 1, 1981 S. 237-243, TH. RIIS, Knut Laward, in: LMA 5 (1991) S. 1240. Vgl. auch oben Reg. 37. - Mit der Belehnung Knuts schuf Lothar ein von ihm als König abhängiges Klientelkönigtum, wobei das Abodritenreich als solches noch bestehen bleiben sollte, vgl. KAHL, Slawen und Deutsche S. 74, 432. Über die Analogie der Lehensbindung des Dänen, die von Helmold I, 50 S. 99, als amicicia bezeichnet wird (vgl. Reg. 285), zu jener Pribyslav-Heinrichs von Brandenburg vgl. KAHL, S. 37ff., 41ff. Über die apologetische Tendenz des Officium S. Kanuti, daß Knut den Königstitel nicht getragen habe, vgl. FRITZE, a.a.O. S. 199 Anm. 490. Zu Knuts Königstitel vgl. auch Reg. 284.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,1 n. 196, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1129-00-00_2_0_4_1_1_196_196
(Abgerufen am 23.03.2017).