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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,1

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Lothar feiert das Pfingstfest, setzt den niederlothringischen Herzog Gottfried von Löwen förmlich ab und erhebt an dessen Stelle Graf Walram-Paganus von Limburg zum Herzog in Niederlothringen.

Überlieferung/Literatur

Ann. Aquenses zu 1128, MGH SS 24 S. 37: Godefridus dux Lovaniensis deponitur, cui Walerannus, decus terre, superponitur. Ann. Magd. zu 1128, MGH SS 16 S. 183. Ann. Pegav. zu 1129, MGH SS 16 S. 255. Ann. Saxo zu 1128, MGH SS 6 S. 765: Rex ... celebravit ... pentecosten Aquisgrani. Ann. Rodenses zu 1128, MGH SS 16 S. 707; ed. Boeren/Panhuysen S. 70: Godefridus dux Lovaniensis deponitur. Walramus de Leimburch substituitur. Gesta abb. Trudonensium XII, 8, MGH SS 10 S. 308: Contulit ergo se (sc. Giselbert von Duras) ad exducem Lovaniensem Godefridum, regni et imperatoris inimicum propter ducatum, qui abiudicatus fuerat illi et datus Gualeramno Lemburgensi comiti. Gesta abb. Trudonensium cont. tertii auctarium zu (1129), MGH SS 10 S. 387. S. Petri Erphesf. cont. Ekkehardi zu 1129, in: Mon. Erphesf., MGH SSrerGerm 42 S. 36: Dux Gothefridus de Brabantia a rege deponitur et Pagínus pro eo dux constituitur ... Pagínus vero ducatum a Reno usque ad fluvium Getum victor obtinuit.

Kommentar

Das Verfahren gegen Gottfried von Löwen und die Einsetzung Walrams von Limburg haben wegen der Erwähnung des letzteren als dux in Reg. 163 während des Aachener Hoftages stattgefunden, vgl. BERNHARDI, Lothar S. 186. Die Gründe für die Entfremdung Gottfrieds von Löwen von Lothar, die sich schon in dessen Nichterscheinen auf dem Aachener Tag vom 6. Januar 1127 äußerte (vgl. Reg. 136), sind in den Quellen nicht ausdrücklich genannt. Eine Parteinahme für die Staufer ist gegen P. BONENFANT/ A.-M. BONENFANT-FEYTMANS, Du duché de Basse-Lotharingie au duché de Brabant, in: RevBelgPhilolHist 46 (1968) S. 1141f., nirgends bezeugt, vgl. BERNHARDI, Lothar S. 191, DIETER BERG, England und der Kontinent, 1987 S. 329. Möglicherweise spielten Gottfrieds Interessen an Flandern eine Rolle, vgl. Reg. 161, BERNHARDI, S. 191, WALTER MOHR, Geschichte des Herzogtums Lothringen 2. Niederlothringen bis zu seinem Aufgehen im Herzogtum Brabant (11.-13. Jahrhundert), 1976 S. 81f. Jedenfalls befand sich Gottfried am 12. Juni im Kampf mit Anhängern Dietrichs von Flandern und war, als er am 12. Juli 1128 Aalst belagerte, mit Graf Wilhelm Clito von Flandern verbündet, vgl. De multro, traditione et occisione gloriosi Karoli comitis Flandriarum c. 113, 118, 120, hg. H. PIRENNE, Histoire du meurtre de Charles le Bon (Collection de Textes [10]) Paris 1891 S. 161, 169, 174. Über Gottfried von Löwen, seit 1106 an Stelle Heinrichs von Limburg Herzog von Niederlothringen und am 7. August 1129 von Herzog Walram in der Schlacht bei Wilderen besiegt, vgl. weiter P. BONENFANT/ A.-M. BONENFANT-FEYT-MANS, a.a.O. S. 1131ff., 1141ff., MOHR, a.a.O. S. 76, 81-86. - Gestützt auf die Erfurter Annalen, nach denen sich Walrams Herzogtum vom Rhein bis zur Gette erstreckte, schließt E. EWIG, Zum lothringischen Dukat der Kölner Erzbischöfe, in: Aus Geschichte und Landeskunde. Festschr. FRANZ STEINBACH, 1960 S. 213f., 218, daß es nicht die Schelde erreicht und damit nicht die Mark Antwerpen eingeschlossen hätte. Tatsächlich markierte die Gette den Herrschaftsbereich Walrams nur gegen Westen mit Brabant und der Grafschaft Löwen und nicht gegen Nordwesten zur Schelde, vgl. PETKE, Lothar S. 93. Auch wurde Walram 1135 und 1136 als dux et marchio bezeichnet (Reg. 422, und die Urkunde Bischof Stephans von Metz, A. MIRAEUS/ J.F. FOPPENS, Opera diplomatica et historica tom. 1, Bruxellis 1723 S. 102; Actes des princes lorrains. 2ème série. Princes ecclésiastiques. 1 Les évêques de Metz. B Étienne de Bar 1120-1162, hg. M. PARISSE, Nancy 1979 S. 84f. Nr. 38: Walerammus dux et marchio Lotharingię), wobei der Titel marchio auf die Mark Antwerpen zu beziehen ist, vgl. W. KIENAST, Der Herzogstitel in Frankreich und Deutschland (9. bis 12. Jh.), 1968 S. 393, 425ff. Die Annahme von M. WERNER, Der Herzog von Lothringen in salischer Zeit, in: ST. WEINFURTER (Hg.), Die Salier und das Reich 1, 1991 S. 424, daß die Mark Antwerpen Gottfried von Löwen belassen worden sei, hat keine Stütze in den Quellen. - Über die Grafen und Herzöge von Limburg vgl. P.C. BOEREN, De Oorsprong van Limburg en Gelre en enkele naburige heerschappijen, Maastricht 1938 S. 9-23, W. SCHOPPMANN, La formation et le développement territorial du duché de Limbourg du XIe siècle jusqu'en 1288, in: Bulletin de la Société Verviétoise d'Archéologie et d'Histoire 51 (1964) S. 19-67, F.-R. ERKENS, Zur verfassungsrechtlichen Stellung der Herzöge von Limburg im 12. und 13. Jahrhundert, in: RheinVjbll 43 (1979) S. 169-195.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,1 n. 162, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1128-06-10_1_0_4_1_1_162_162
(Abgerufen am 23.04.2017).