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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,1

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Graf Dietrich von Flandern bemüht sich, vor dem Kaiser (!) Klage gegen Herzog Gottfried von Niederlothringen um das Witwengut der Gräfin Clementia von Flandern zu erheben, welches diese in ihre zweite, mit dem Herzog geschlossene Ehe eingebracht hat.

Überlieferung/Literatur

De multro, traditione et occisione gloriosi Karoli comitis Flandriarum c. 120, hg. H. Pirenne, Histoire du meurtre de Charles le Bon (Collection de Textes [10]) Paris 1891 S. 174: Alii dicunt ducem (sc. Herzog Gottfried) impetisse Theodoricum comitem, quia presciebat, si ipse Theodoricus forte regnaret et persisteret in consulatu Flandrensi, multa mala posset in posterum inferre sibi, et fortassis a ducatu expelleret, aut saltem dotem illam, pro qua comes Theodoricus satagebat ducem coram imperatore appellare, violenter auferret.

Kommentar

Das von Clementia († um 1133) ihrem zweiten Mann zugebrachte Witwengut aus ihrer Ehe mit Graf Robert II. von Flandern († 1111) war beträchtlich und hat zwölf Orte beziehungsweise ein Drittel Flanderns umfaßt, Walther von Thérouanne, Vita Caroli comitis Flandriae c. 8, MGH SS 12 S. 542, Simon von Saint-Bertin, Gesta abb. S. Bertini II, 125, MGH SS 13 S. 659. Der Zeitgenosse Walther, a.a.O., bewertet Clementias zweite Eheschließung als eine Allianz, die das Ziel gehabt habe, den seit 1119 herrschenden Karl den Guten aus Flandern zu vertreiben, vgl. H. SPROEMBERG, Clementia, Gräfin von Flandern, in: H. SPROEMBERG, Mittelalter und demokratische Geschichtsschreibung (Forschungen zur mittelalterlichen Geschichte 18) 1971 S. 193f., 211f., WALTER MOHR, Geschichte des Herzogtums Lothringen 2. Niederlothringen bis zu seinem Aufgehen im Herzogtum Brabant (11.-13. Jahrhundert), 1976 S. 81f. Über Clementia vgl. auch L. VANDERKINDERE, La formation territoriale des principautés belges au Moyen Age 1, 2. Aufl. Bruxelles 1902 (ND Bruxelles 1981) S. 302f. - Dietrich von Flandern († 1168) entstammte der Ehe Herzog Dietrichs II. von Oberlothringen mit Gertrud von Flandern, De multro, traditione et occisione gloriosi Karoli comitis Flandriarum c. 68 S. 109; dieser war in erster Ehe mit Lothars Mutter Hedwig - für diese deren zweite Ehe - verheiratet, vgl. BERNHARDI, Lothar S. 188 Anm. 6, G. POULL, La Maison Ducale de Lorraine (Les cahiers d'histoire, de biographie et de généalogie 3) Rupt sur Moselle 1968 S. 11. Gegen Wilhelm Clito verfolgte Dietrich seit dem 11. März 1128 seine Ansprüche auf die Herrschaft in Flandern und wurde dabei von seiner Halbschwester Gräfin Gertrud-Petronilla von Holland unterstützt, De multro, traditione et occisione gloriosi Karoli comitis Flandriarum c. 96, 99 S. 141, 144, vgl. BERNHARDI, a.a.O. S. 190f., F.-L. GANSHOF, Le roi de France en Flandre en 1127 et 1128, in: Revue Historique de Droit Français et Étranger 4, 27 (1949) S. 208, 223. Da Gertrud von Holland über ihre Mutter Hedwig von Formbach auch Halbschwester Lothars war, könnte sich Dietrich auch von Lothar selber Hilfe erhofft haben; tatsächlich hat Lothar ihm 1129 eine Belehnung erteilt, Reg. 204. Die Feststellung von DIETER BERG, England und der Kontinent, 1987 S. 329, daß "sich Lothar nicht unmittelbar in die flämischen Geschehnisse einmischen wollte oder konnte", trifft also nicht zu. Der Versuch des Grafen, das Witwengut der Gräfin Clementia mit Hilfe einer Klage vor dem König zu erlangen, gehört vermutlich in das Jahr 1128, nachdem Dietrich seine Ziele in Flandern durch sein persönliches Eingreifen verfolgte. Über die Bezeichnung des deutschen Königs als Kaiser vgl. Reg. 148.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,1 n. 161, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1128-00-00_1_0_4_1_1_161_161
(Abgerufen am 25.05.2017).