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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,1

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Lothar feiert Epiphanie. Während sich lothringische Fürsten angeblich nicht zeigen, erscheinen als Gesandte Graf Karls von Flandern der Kastellan von Gent und der Abt von St. Peter zu Gent mit dem Versprechen, daß ihr Herr dem Könige huldigen werde. Zwischen Lothar und Aachener Bewohnern kommt es zu Unstimmigkeiten, die jedoch durch das Einlenken Lothars beigelegt werden.

Überlieferung/Literatur

Ann. Patherb. zu 1127, hg. Scheffer-Boichorst S. 149: epiphaniam vero domini Aquisgrani. Ibi temerarius tumultus coram rege exoritur, set moderatione eius adnullatur. Ann. Saxo zu 1127, MGH SS 6 S. 765. Anselm. Gembl. cont. zu 1127, MGH SS 6 S. 380: Aquasgrani venit in theophania. Ibi legati Karoli comitis Morinorum, scilicet castellanus Gandae et abbas de Sancti Petri, ad eum venerunt nuntiantes dominum suum comitem debitam subiectionem se ei facturum. Verumtamen Lotharingi principes ab eius presentia abstinuerunt. Novae enim potestati semper res novae convertuntur; quod ilico et ibi patuit. Nam Aquenses oppidani et rex non bene assenserunt, sed satis iniuriose se tractaverunt. Chron. Regia Coloniens. Rez. I zu 1127, MGH SSrerGerm 18 S. 65.

Kommentar

Wahrscheinlich war in Aachen ein Hoftag angesagt worden, um dem niederlothringischen Adel noch ausstehende Huldigungen zu ermöglichen. Die von Anselm behauptete Abwesenheit der (Nieder-)lothringer dürfte im Kern auf Herzog Gottfried zu beziehen sein. Überhaupt stand Lothar bei Anselm in keinem hohen Ansehen, wie dessen Berichte zu Lothars Aufenthalten im März 1132 in Köln und zu Ostern 1132 in Aachen (vgl. Reg. 294, 296) und das Verschweigen der Absetzung Herzog Gottfrieds und der Einsetzung Herzog Walrams im Jahre 1128 (vgl. Reg. 162) belegen. Es ist daher gegen BERNHARDI, Lothar S. 119: "So war die Autorität Lothars im westlichen Theile des Reiches fast vollkommen nichtig", vgl. auch BERNHARDI, a.a.O. S. 424 Anm. 7, mit den Äußerungen Anselms keineswegs zu beweisen, daß Lothar in Niederlothringen ganz generell gering geachtet wurde. - Kastellan von Gent war Wennemar, s. F. VERCAUTEREN, Actes des comtes de Flandre 1071-1128 (Académie Royale de Belgique, Commission Royale d'histoire: Recueil des actes des princes belges [2]) Bruxelles 1938 S. 243 Nr. 106 (1122), S. 247 Nr. 107 (1122), S. 299 Nr. 127 (1127) mit Anm. a), W. BLOMAERT, Les châtelains de Flandre (Univ. de Gand. Recueil de travaux publ. par la Fac. de Philosophie et Lettres 46) Gand 1915 S. 46. Abt von St. Peter in Gent war Arnulf, s. Walteri Vita Karoli comitis Flandriae c. 29, hg. R. KÖPKE, MGH SS 12, 1856 S. 551. Zu den Beziehungen Flanderns zu Lothar vgl. auch die Lehensmutung von Karls übernächstem Nachfolger Dietrich I. im Jahre 1129, Reg. 204. - D. FLACH, Untersuchungen zur Verfassung und Verwaltung des Aachener Reichsgutes von der Karlingerzeit bis zur Mitte des 14. Jh., 1976 S. 353, beurteilt die Aachener Unruhen als erstes Anzeichen einer politischen Willensbildung am Ort. OPLL, Stadt und Reich S. 26, sieht den Tumult als eine Folge vielleicht des Widerstandes Aachener Reichsministerialen gegen den neuen Herrscher. M. GROTEN, Studien zur Frühgeschichte deutscher Stadtsiegel, in: AfD 31 (1985) S. 453f., vermutet als eines der Zugeständnisse Lothars die Gewährung des 1134 erstmals bezeugten Aachener Stadtsiegels.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,1 n. 136, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1127-01-06_1_0_4_1_1_136_136
(Abgerufen am 30.05.2017).