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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,1

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Der päpstliche Legat und Kardinalpriester Gregor (richtig: Gerhard)schreibt Lothar von einem während seiner Reise durch Deutschland (per Alemanniam ... prosperum habentes transitum) erfolgten Zusammentreffen mit dem Abt von Rheinau, erinnert an die von Lothar im Vorjahr (preterito anno) der Abtei bestätigte Freiheit der Vogtwahl (vgl. Reg. 99) und verwundert sich, daß der König, nachdem er zuvor (prius) Graf (Rudolf) von Lenzburg befohlen habe, von der Anfeindung Rheinaus abzulassen (vgl. Reg. 100), ohne Anhörung des Abtes (abbate ad audientiam non vocato) später gegenteilige Weisung erteilt und dem Abt erklärt habe, seine Sache verhalte sich anders als von ihm dargestellt (postea abbati contra hęc precipiendo dixistis, quod aliter, quam res se habeat, causam suam vobis notificaverat) (vgl. Reg. 107); der Legat ersucht Lothar, bei seiner ersten Weisung zu bleiben, die zu Recht ergangen sei.

Überlieferung/Literatur

Drucke: Quellen zur Schweizer Geschichte 3, 2 S. 54 Nr. 38. Escher/Schweizer, UB der Stadt und Landschaft Zürich 1 S. 159 Nr. 273. Reg.: Brackmann, Germ. Pont. II, 2 S. 24 Nr. 4. JL - .

Kommentar

Die Legation eines Kardinalpriesters Gregor in Deutschland im Jahre 1126 ist sonst nicht bezeugt; vielmehr ist Ende Juni 1126 in Speyer der Kardinalpriester Gerhard von S. Croce in Gerusalemme mit dem Kardinaldiakon Petrus von S. Maria in Via Lata und am 4. November in Straßburg abermals Gerhard nachgewiesen, Reg. 126, 130, vgl. BACHMANN, Legaten S. 10f. Er dürfte sich ununterbrochen in Deutschland aufgehalten haben, vgl. HÜLS, Kardinäle S. 164. Wahrscheinlich ist daher im Rheinauer Kartular des 12. Jh., welches dieses und ein weiteres Schreiben desselben Legaten überliefert (BRACKMANN, Germ. Pont. II, 2 S. 24 Nr. 5), die für die Originale anzunehmende Namensinitiale G. statt zu Gerhard falsch zu Gregor aufgelöst worden. - Der zuletzt am 6. Februar 1126 und erneut am 23. März 1127 im Lateran bezeugte Kardinal sieht sich in seinem Schreiben nicht veranlaßt, seinen Aufenthalt - zweifellos eine Legation - dem König bekanntzumachen. Das dürfte bereits zu einem früheren Zeitpunkt geschehen sein. Als solcher kommt der Speyerer Hoftag in Betracht, auf dem sich beide getroffen haben. Wir reihen das Schreiben Gerhards zwischen Ende Juni und dem 4. November 1126 als den festen Daten des Itinerars des Legaten ein. Freilich ist nicht auszuschließen, daß es bereits aus der Zeit von März bis Anfang Juni - nach einer vorherigen Kontaktaufnahme mit dem König - stammt. Eine Datierung in die Zeit der Rückreise nach Italien, also auf nach den 4. November 1126, ist hingegen wenig wahrscheinlich, weil die Formulierung per Alemanniam ... prosperum habentes transitum eher auf einen erfolgreichen Fortgang der Reise als auf deren Ende deutet. - Gerhard war auch mit dem Würzburger Streit befaßt (JAFFÉ, Cod. Udal. S. 399f. Nr. 228; BRACKMANN, Germ. Pont. III S. 186 Nr. 2 [zu 1126 März-Juni?], vgl. JAKOBS, Germ. Pont. IV S. 138 Nr. 273, *274, *275, und Reg. 131) und ist wahrscheinlich mit jenem ungenannten Legaten identisch, der Mitte Oktober 1126 in Fulda mit Lothar den dortigen Abt Udalrich absetzte, vgl. Reg. 128. - Wohl gleichzeitig mit dem Schreiben an Lothar forderte der Legat den Lenzburger auf, Rheinau nicht weiter zu schädigen, BRACKMANN, Germ. Pont. II, 2 S. 24 Nr. 5. In der Sache ging es darum, den Lenzburger von der Errichtung einer Burg auf Rheinauer Klostergrund abzubringen, s. die Briefe von Honorius II. (BRACKMANN, Germ. Pont. II, 2 S. 23f. Nr. 2,3), vgl. H. MAURER, Das Land zwischen Schwarzwald und Randen im frühen und hohen Mittelalter, 1965 S. 101; zu einer Datierung der Papstbriefe erst auf 1127-1129 April 7 beziehungsweise auf 1127-1129 s. HERBERT WEIS, Die Grafen von Lenzburg in ihren Beziehungen zum Reich und zur adligen Umwelt. Diss. phil. Freiburg/Br. 1959 (Masch.) S. 141f.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,1 n. 127, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1126-06-04_1_0_4_1_1_127_127
(Abgerufen am 26.05.2017).