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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,1

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Lothar hält eine zahlreich besuchte Fürstenversammlung. Diese beschließt den Feldzug gegen Herzog Friedrich für die Zeit nach Pfingsten. Möglicherweise hier gibt der König dem Welfen Heinrich dem Stolzen das Herzogtum Sachsen sowie Nürnberg und Greding und alle Lehen, welche Lothar bislang von Bischöfen und Äbten innegehabt hat.

Überlieferung/Literatur

Ann. Patherb. zu 1126, hg. Scheffer-Boichorst S. 148. Chron. Regia Coloniens. Rez. I zu 1126, MGH SSrerGerm 18 S. 63. Ann. Saxo zu 1126, MGH SS 6 S. 763: Frequens principum conventus Goslarie presente rege fit, et expedicio post pentecosten contra ducem Fridericum ab omnibus collaudatur. - Ann. S. Disib. zu 1126, MGH SS 17 S. 23: Filius ducis Baioariae ducatu Saxoniae a rege donatur. Ann. Saxo zu 1139, MGH SS 6 S. 776: Ita crescente odio propinquorum Heinrici et Adalberti, quorum unus dux in Bawaria pro desponsatione filie Lotharii imperatoris etiam Saxonie ab eo ducatum acceperat, alter eum avito beneficii iure vendicans aput Conradum regem optinuerat. Ebenda zu 1138: ... Conradus regalia, que Heinricus dux Bawarie, qui et dux Saxonum, gener Lotharii imperatoris, sub se habuit, callide adquisivit. Hist. Welf. c. 16 (zu 1127), hg. König, S. 30: Ipse vero (sc. Heinrich der Stolze nach der Hochzeit mit Gertrud) ad imperatorem reversus ducatum Saxoniae, Norimberch, Gredingen et omnia beneficia, quae imperator ab episcopis et abbatibus habuit, suscepit. Ebenda c. 24 (zu 1138) S. 46: Rex enim (sc. Konrad III.) non aliter compositionem fieri voluit, nisi dux quaedam de his, quae a Lothario imperatore susceperat ac possederat, resignaret. Helmold, Cron. Slav. I, 54, MGH SSrerGerm 32 S. 105: His ita peractis (sc. die Maßnahmen in Nordalbingien Anfang Mai 1134, vgl. Reg. 399) imperator ordinatis rebus tam Slavorum quam Saxonum dedit ducatum Saxoniae Heinrico, genero suo, duci Bawariae; danach Ann. Stadenses zu 1136, MGH SS 16 S. 323, und Chron. princ. Saxoniae c. 7, MGH SS 25 S. 474: ... ducatum Saxonie dedit socero suo domino Henrico duci Bawarie, ut duos ducatus pariter possideret. Chronik von Montecassino IV, 126, MGH SS 34 S. 603 (zum Tod Lothars, 1137): [Lothar] Henricum ducem Baioarie generum suum de ducatu Saxonie sibi heredem instituens. Chron. princ. Brunsvic. fragm. c. 4, MGH SS 30, 1 S. 23: Gerthrudem filiam suam ex Rikza Henrico duci Bowarie dedit, cui et concessit ducatum Saxoniae tunc vacantem. Sächs. Weltchronik Rez. A, B c. 270, hg. L. Weiland, MGH Dt. Chron. 2, 1877 S. 209: De (sc. Gertrud) gaf de koning deme hertoghen van Beieren ... unde let eme darto dat hertochdom to Sassen. Dat ghescha to eneme groten hove to Mersborch.

Kommentar

Die Nachrichten des Disibodenberger Annalisten, der Hist. Welf. und des Helmold von Bosau über die Vergabe des Herzogtums Sachsen hat PH. JAFFÉ, Geschichte des deutschen Reiches unter Lothar dem Sachsen, 1843 S. 230f., mit dem Argument verworfen, diese Autoren hätten Belehnungen des Welfen in Sachsen mit der Belehnung mit dem Herzogtum Sachsen verwechselt; JAFFÉ gibt ausgerechnet dem Petrus Diaconus den Vorzug, vermißt eine Erwähnung des Welfen als Sachsenherzog in den lotharischen Diplomen, verwirft die beiden urkundlichen Hinweise von 1126 und 1129 (vgl. Reg. 124 und 194) und setzt die Belehnung zum Jahre 1137 an. Darin folgen ihm, wenn auch unsicher, J. FICKER, Vom Heerschilde, Innsbruck 1862 S. 39, BERNHARDI, Lothar S. 116 Anm. 38, S. 126 Anm. 21, S. 568 Anm. 18, S. 786 mit Anm. 5, BERNHARDI, Konrad III. S. 3, W. KIENAST, Der Herzogstitel in Frankreich und Deutschland (9. bis 12. Jh.), 1968 S. 374 mit Anm. 92, S. 417 Nr. 2, Nachbemerkung (Belehnung nach Lothars Tod!), O.G. OEXLE, Die "sächsische Welfenquelle" als Zeugnis der welfischen Hausüberlieferung, in: DA 24 (1968) S. 488 mit Anm. 213, WADLE, Reichsgut S. 144 mit Anm. 15., dagegen entschieden E. BOSHOF, Staufer und Welfen in der Regierungszeit Konrads III.: Die ersten Welfenprozesse und die Opposition Welfs VI., in: ArchKulturg 70 (1988) S. 323f. - J.P. NIEDERKORN, Der "Prozess" Heinrichs des Stolzen, in: P.-J. HEINIG (Hg.), Diplomatische und chronologische Studien aus der Arbeit an den Regesta Imperii (Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters. Beihefte zu J.F. Böhmer, Regesta Imperii 8) 1991 S. 76 mit Anm. 36, vermutet, daß die Übertragung des Herzogtums Sachsen an Heinrich den Stolzen in rechtlich anfechtbarer Form vollzogen beziehungsweise von den Staufern nie anerkannt worden sei. - Es gibt jedoch keinen stichhaltigen Grund, dem über die Geschichte Lothars in der Regel gut unterrichteten Disibodenberger Annalisten gerade in diesem Punkt nicht zu folgen. Er verdient auch deshalb Vertrauen, weil er den Welfen zum Zeitpunkt der Belehnung nicht als Herzog der Bayern, sondern als Sohn des Bayernherzogs bezeichnet. Dessen Vater Heinrich der Schwarze († 13. 12. 1126) war demnach in der zutreffenden Sicht des Annalisten offenbar noch am Leben. Tatsächlich meldet er dessen Tod zu Beginn des Jahres 1127: Rex natale Domini Coloniae celebrat. Heinricus dux Bawariorum defungitur. Daß Heinrich der Stolze von der Mehrzahl der Autoren des 12. Jahrhunderts und der Diktatoren der Urkunden zu Lebzeiten Lothars vornehmlich als Bayernherzog und nicht als Herzog in Sachsen wahrgenommen wurde, ist aus dem Gewicht Bayerns für seine Stellung im Reich und wohl auch aus einer Aufgabenteilung zu erklären, die ihm vornehmlich den Süden als Betätigungsfeld zuwies. Vgl. auch die Klage Bertholds von Zwiefalten, Heinrich der Stolze habe seine Pflichten als Vogt gegenüber Zwiefalten vernachlässigt negotiis regni utpote gener Lotharii imperatoris nimis fuit occupatus, Die Zwiefalter Chroniken Ortliebs und Bertholds c. 29, hg. E. KÖNIG u. K.O. MÜLLER, 1941 S. 232; Berthold von Zwiefalten, Chronik c. 34, hg. L. WALLACH, in: Traditio 13 (1957) S. 217. Über seine Herrschaft in Sachsen ist kaum etwas bekannt, vgl. jedoch Reg. 194, 404, 447, 455. Daß der Ann. Saxo als Anlaß der Belehnung die Eheschließung Heinrichs mit Gertrud nennt und die Hist. Welf. die Belehnung auf die Eheschließung folgen läßt, was eher für eine Frühdatierung ins oder um das Jahr 1127 als für eine Spätdatierung ins Jahr 1137 spricht, wird von den genannten Autoren nicht berücksichtigt. Beachtenswert ist auch die Sicht der zwischen 1269 und 1277 entstandenen Braunschweiger Fürstenchronik - vgl. O. HOLDER-EGGER, Über die Braunschweigische und Sächsische Fürstenchronik und verwandte Quellen, in: NA 17 (1892) S. 161-169 - , daß das sächsische Herzogtum vakant gewesen sei. Möglicherweise hat sich darin das Wissen erhalten, daß Lothar nach seiner Erhebung zum König seine Lehen und auch das Herzogtum weitergegeben hat, vgl. unten. - Eine sichere absolute Datierung der Belehnung ist nicht möglich, weil der Disibodenberger Annalist in seinem Bericht zum Jahre 1126 nicht streng die Chronologie wahrt. Er beginnt den Jahresbericht mit Lothars Weihnachtsfeier (1125). Dann folgen der Tod Hartwigs von Regensburg (3. März) und die Wahl Bischof Kunos, die Verleihung Sachsens an Heinrich den Stolzen, anschließend Lothars Osterfeier in Magdeburg (11. April), der Tod Arnolds von Speyer (16. März) und die Wahl seines Nachfolgers Siegfried, die Wahl Norberts von Magdeburg in Worms (Ende Juni), der Tod Arnolds von Merseburg (12. Juni) und erst abschließend der Kriegszug gegen Böhmen. Da aber die Einweisung in das Herzogtum auf sächsischem Boden erfolgt sein dürfte, ist der Goslarer Hoftag als mögliches Datum in Betracht zu ziehen, zumal Lothar damals wahrscheinlich erstmals nach seiner Krönung wieder in Sachsen erschien. Daß er nach seiner Erhebung zum König seine Kirchenlehen in andere Hände gab, entsprach einem Herkommen, mit dem erst Friedrich I. gebrochen hat, vgl. FICKER, a.a.O. S. 37ff., CLASSEN, Wormser Konkordat (Vorträge und Forschungen 17) 1973 S. 436. Ihre Übergabe an Heinrich den Stolzen, von der Hist. Welf. mit der Verleihung Sachsens zur Hochzeit im Jahre 1127 gemeldet, kann zur gleichen Zeit wie die Belehnung mit Sachsen, aber auch später erfolgt sein. Die Eheabrede für Gertrud und Heinrich den Stolzen erfolgte demnach - wenn nicht bereits während der Mainzer Wahlversammlung - spätestens zu Ende Dezember 1125 oder im Jahre 1126, als der Konflikt mit den Staufern unausweichlich geworden war, vgl. bereits GIESEBRECHT, Geschichte der deutschen Kaiserzeit 4 S. 16. Dagegen setzen H. STOOB, Zur Königswahl Lothars von Sachsen im Jahre 1125, in: Historische Forschungen für WALTER SCHLESINGER, hg. v. H. BEUMANN, 1974 S. 455, und ULRICH SCHMIDT, Königswahl und Thronfolge im 12. Jahrhundert, 1987 S. 70f. Anm. 8, die Verlobung erst zu Pfingsten 1127 (vgl. Reg. 139) an. - Die Annahme von A. SCHMID, in: LMA 4 (1989) S. 2065 Nr. 38, daß Heinrich der Schwarze kurz vor seinem Tode in das Kloster Weingarten eingetreten sei (Hist. Welf., hg. KÖNIG, S. 116 Anm. 94), um ,,(sich) der Beteiligung an der Exekution gegen den der Reichsacht verfallenen Schwiegersohn (zu entziehen)", hat in den Quellen keine Stütze. - Nürnberg und Greding werden als Reichsgüter im Tafelgüterverzeichnis genannt, C. BRÜHL, Das Tafelgüterverzeichnis des Römischen Königs, 1979 S. 16f., Tf. IV. Ob Greding 1126/27 wie Nürnberg Reichsgut oder als ein Eichstätter Lehen des Süpplingenburgers Königsgut war, ist offen, vgl. WADLE, Reichsgut S. 258f.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,1 n. 115, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1126-01-00_2_0_4_1_1_115_115
(Abgerufen am 28.07.2017).