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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,1

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Lothar zerstört durch Feuer die Burg der Lutizen samt ihrem Heiligtum.

Überlieferung/Literatur

Ebo, Vita Ottonis III, 5, hg. Jaffé S. 657; hg. Wikarjak/Liman S. 102: (Otto von Bamberg) ... Igitur veniens ad urbem Timinam, magnum illic belli apparatum hostilemque Luoticensium incursionem reperit. Nam Luoticenses, quorum civitas cum fano suo a gloriosissimo rege Lothario zelo iusticie nuper igni erat tradita, urbem Timinam vastare civesque eius captivare nitebantur. Chronik von Montecassino IV, 87, MGH SS 34 S. 548: ... qui (sc. Lothar) per plura annorum curricula Leuticos expugnans sub Romano imperio redegerat, utilem atque idoneum ad imperiale fastigium accipiendum iudicavit (sc. Adalbert von Mainz), sicque huius (sc. Adalberts) calliditate Romanum imperium a Teutonicis ad Saxones translatum est. Ebo erwähnt die Verbrennung der Burg durch Lothar, als er von der zweiten Missionsreise des Bischofs Otto von Bamberg erzählt, zu der dieser im April 1128 aufbrach und dabei auch nach Demmin gelangte, vgl. Reg. 157. Sämtliche Datierungsvorschläge für die Unternehmung des Süpplingenburgers sind Mutmaßungen auf der Grundlage von Ebos Adverb nuper, der Bezeichnung Lothars als König und seines für 1126 bis 1128 allerdings recht lückenhaften Itinerars: R. KÖPKE, MGH SS 12 S. 862 Anm. 42 (zu 1126 April-Mai), L. GIESEBRECHT, Wendische Geschichten aus den Jahren 780 bis 1182 Bd. 2, Berlin 1843 S. 299 mit Anm. 5 (zu 1127 Januar 1 - Pfingsten), BERNHARDI, Lothar S. 158 Anm. 19 (zu 1128). - Die Nachricht des Petrus Diaconus läßt sich nicht auf einen bestimmten Feldzug beziehen. - Wegen des vorhergehenden Regests, das Lothar im vorpommerschen Raum bezeugt, und wegen des nuper, das auch "einst" bedeuten kann, reihen wir die Unternehmung vermutungsweise hier ein; dabei schließt die Benennung Lothars als rex die Datierung in die Herzogszeit nicht aus, da sie in der Rückschau auf Lothars Königsherrschaft gewählt worden sein kann. Zudem waren nach Helmold, Cron. Slav. I, 36, MGH SSrerGerm 32 S. 72, auch die Lutizen und Ranen dem Abodritenfürsten Heinrich tributpflichtig geworden. Diese Nachricht läßt eine Verknüpfung von Lothars Lutizenzug mit seiner Teilnahme am Feldzug Heinrichs von Alt-Lübeck als möglich erscheinen. Ein Lutizenzug im Jahre 1126 nach der verlustreichen Niederlage von Kulm (vgl. Reg. 118) ist hingegen wenig wahrscheinlich. Nach dem Itinerar käme auch noch 1127 Februar-März in Betracht (vgl. Reg. 136), während das Jahr 1128 wegen des Gegenkönigtums Konrads von Staufen ausscheiden dürfte. - Zur Datierung sowie zur Frage, ob das von Lothar zerstörte Heiligtum mit dem zuletzt zu 1068 erwähnten lutizischen Haupttempel Riedegost/Rethre identisch sein könnte, sowie zu dessen mutmaßlicher Lage vgl. W. BRÜSKE, Untersuchungen zur Geschichte des Lutizenbundes, 1955 S. 83f., 96-99, W.H. FRITZE, Beobachtungen zu Entstehung und Wesen des Lutizenbundes, in: JbGMittelOstdtld 7 (1958) S. 26; Wiederabdruck in: W.H. FRITZE, Frühzeit zwischen Ostsee und Donau. Ausgewählte Beiträge (Germania Slavica III) 1982 S. 154f., RODERICH SCHMIDT, Rethra. Das Heiligtum der Lutizen als Heiden-Metropole, in: Festschr. für WALTER SCHLESINGER Bd. 2. Hg. H. BEUMANN (Mitteldeutsche Forschungen 74/II) 1974 S. 366-394, bes. S. 369, J. PETERSOHN, Der südliche Ostseeraum, 1979 S. 219f. mit Anm. 33, EVAMARIA ENGEL, Die feudale deutsche Ostexpansion im 12. und 13. Jahrhundert und die Herausbildung der vollentwickelten Feudalgesellschaft zwischen Elbe und Oder, in: JOACHIM HERRMANN (Hg.), Die Slawen in Deutschland. Ein Handbuch, 1985 S. 386 mit Anm. 21, und - nicht überzeugend - L. DRALLE, Rethra. Zur Bedeutung und Lage des redarischen Kultortes, in: JbGMittelOstdtld 33 (1984) S. 37-61. - Daß die seit um 1125 erfolgende Expansion Herzog Wartislaws I. von Pommern in das Peenegebiet kaum ohne Lothars Zustimmung erfolgt sein dürfte, vermutet PETERSOHN, a.a.O. S. 220 Anm. 32.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,1 n. 87, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1125-00-00_2_0_4_1_1_87_87
(Abgerufen am 28.04.2017).