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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,1

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Lothar verhindert die Vereinigung des Heeres des Böhmenherzogs Vladislav und Ottos von Mähren, die von Heinrich V. gegen ihn aufgeboten worden sind und bei der Burg Gvozdec stehen, mit den Truppen Wiprechts von Groitzsch sowie Erzbischof Adalberts von Mainz, die zur Mulde vorgerückt sind, verhandelt mit den Böhmen und überzeugt sie, daß sie nach dem Willen des Kaisers und auf den Rat des listenreichen Adalbert von Mainz gegen die Sachsen ins Treffen geschickt und zerrieben werden sollen, damit danach um so leichter Böhmen deren Opfer werde. Die Böhmen werden zum Abzug bewogen, verwüsten die Umgebung von Meißen, erleiden angeblich hohe Verluste und kehren heim. Wiprecht wird vertrieben.

Überlieferung/Literatur

Ann. Patherb. zu 1123, hg. Scheffer-Boichorst S. 144: Wicbertus vero auxiliantibus ei archiepiscopo Magontino et duce Boemiae duci Liutgero congressurus venit, set quasi fugiens rediit. Dux vero Boemiae multis amissis in terram suam abiit. Ann. Saxo zu 1123, MGH SS 6 S. 760: Hisdem diebus Wladizlaus dux Boemie et Otto iussu inperatoris tam Boemie quam Moravie coadunato exercitu transeuntes silvam metati sunt castra ultra oppidum Guozdec ex adverso Liuderi ducis. Presul autem Mogontinus et comes Wicbertus circa fluvium Mildam stabant cum multitudine armata. Saxones autem in medio positi dirimebant eos nec sinebant invicem coire adversarios suos. Chron. Regia Coloniens. Rez. I zu 1123, MGH SSrerGerm 18 S. 62. Cosmas III, 53, MGH SSrerGerm NS 2 S. 225-227: Hisdem diebus dux Wladizlaus et Otto, sicut preceperat eis imperator, tam Boemie quam Moravie coadunato exercitu transeuntes silvam metati sunt castra ultra oppidum Guozdec ex adverso predicti ducis; presul autem Magontinus et comes Wicpertus citra fluvium Mlidaua stabant gravi cum multitudine armata; Saxones autem positi ... castra in medio dirimebant eos nec sinebant insimul coire adversarios suos. Tunc dux Boemie et Otto miserunt ad Saxones dicentes ... His auditis male creduli verbis dolo compositis Boemii depopulata regione, que est circa urbem Misen, reversi sunt ad propria sole morante in XV. Sagittarii parte. Reg.: Vogt, Herzogtum S. 164 Nr. 70.

Kommentar

Terminus ante quem ist der von Cosmas als Tag des Rückzuges oder der Rückkehr der Böhmen genannte 30. November. Gegen Cosmas' Herausgeber BRETHOLZ, der den 24. November angibt, worin ihm VOGT, a.a.O., folgt, ergibt sich bei Reduktion des 15. Grades des Sonnenmonats Schütze der 30. November, sofern als Eintrittstag dieses Monatszeichens der 15. November zugrunde gelegt wird, vgl. H. GROTEFEND, Zeitrechnung des deutschen Mittelalters und der Neuzeit 1. Glossar und Tafeln, 1891 (ND 1970) S. 127, 178, F.K. GINZEL, Handbuch der mathematischen und technischen Chronologie 3, 1914 S. 114. - Über Herzog Vladislavs Eingreifen zugunsten seines Schwagers Wiprecht vgl. B. BRETHOLZ, Geschichte Böhmens und Mährens bis zum Aussterben der Přemysliden (1306), 1912 S. 201, V. NOVOTNÝ, České dějiny [Böhmische Geschichte] 1, 2, Prag 1913 S. 545-547, MEYER VON KNONAU, Jahrbücher 7 S. 255. Über die Konfrontation des dem Wiprecht beistehenden Mainzer Erzbischofs mit Lothar, der seine Entscheidung über die Marken durchsetzte, vgl. PETKE, Lothar S. 279f. - Das von Cosmas II, 39, S. 141, als castrum nomine Gvozdec prope urbem Misen bezeichnete Gvozdec - identisch mit dem in DH.III. 146 (1045) erwähnten Burgward Gvodezi - lokalisieren G. HEY, Die Feste Gvozdec bei Meißen, in: NArchivSächsG 11 (1890) S. 1-16, E.EICHLER/ H. WALTHER, Die Ortsnamen im Gau Daleminze 1 (Deutsch-Slawische Forschungen 20, 1) 1966 S. 108f., E. EICHLER, Slawische Ortsnamen zwischen Saale und Neiße, Bd. 1. A-J, 1985 S. 184, mit einer wüsten Befestigung Gwosdetz am Gohlberg oberhalb Constappel (Gem. Gauernitz) 10 Kilometer südöstl. Meißen links der Elbe.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,1 n. 79, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1123-11-30_2_0_4_1_1_79_79
(Abgerufen am 18.10.2017).