Regestendatenbank - 176.571 Regesten im Volltext

RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

Sie sehen den Datensatz 1067 von insgesamt 1068.

Papst Stephan IX. ruft mehrfach Abt Hugo von Cluny zu sich ans Krankenbett.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Gilo, Vita Hugonis 7 (L'Huillier 582f.; Cowdrey 55); Rainald von Vézelay, Synopsis vitae metrica (Hugonis) (Migne, PL 159, 907f.); Rainald von Vézelay, Vita Hugonis 5 (Migne, PL 159, 896; Huygens 43, 63); Hugo Cluniacensis monachus, Vita Hugonis III (Cowrdey 122); Hildebert von Le Mans, Vita Hugonis 7 (Migne, PL 159, 865); Anon. Monachus Cluniacensis, Miraculorum s. Hugonis relatio (Marrier/Duchesne, Bibl. Cluniacensis 451). Reg.: Diener, Itinerar Hugos von Cluny 359 n. 26; Kohnle, Abt Hugo 293 n. 39. Lit.: Höfler, Deutsche Päpste II 285; Will, Restauration II 140; Robert, Étienne X 73; Wattendorff, Stephan IX. 54; Meyer von Knonau, Heinrich IV. I 81f.; Robert, Pape belge: Étienne X 51; Davidsohn, Florenz I 208; Mann, Popes VI 223f.; Wollasch, Wahl Nikolaus' II. 56, 58, 61ff., 66ff., 70ff.; Hägermann, Vorgeschichte Nikolaus' II. 352; Smith, Cluny und Gregor VII. 25; Mehne, Cluniazenserbischöfe 273; Kohnle, Abt Hugo 80ff.

Kommentar

Alle Viten des Cluniazenserabtes teilen die Episode mit, um die Heiligkeit Hugos zu betonen. Sie stimmen darin überein, dass der Abt am Krankenlager (n. 1394) des Papstes (Hildebert: cum papa Stephanus in civitate Florentia supremo teneretur incommodo; Rainald: apud Florentiam ... infirmitate decubabat; Gilo: cum in civitate Florentiae valetudine constrictus decumberet; Hugo: apud Florentiam decumbente) war, und zwar mehrfach und auf dessen eigenen Wunsch (Hildebert: ex voto decumbentis; Hugo: saepius ad se ... patrem papa revocavit). Diesen Wunsch habe Stephan IX. geäußert, weil die Anwesenheit des Abtes einen Dämon vom Papst weggescheucht habe (Hugo: demon qui morituri manifestus adveneerat territus exiit, stoque a papa recedente iterum rediit; Gilo: adveniente s. Hugone inimicum recedere, exeunte eodem adcedere). Der Papst selbst soll seiner Umgebung dieses Phänomen geschildert haben; Hugo bringt dafür zwei Zeugen vor, nämlich Gottfried von Mont St-Vincent und Rainald von Autun (Gaufredus de Monte s. Vincentii und Rainaldus Eduensis). Beide Zeugen sind allerdings vermutlich weniger als Augenzeugen am Krankenbett des Papstes, sondern als Zeugen für die (ihnen von Abt Hugo berichtete ?) Geschichte zu verstehen. Ausgehend von der Anwesenheit Abt Hugos am Sterbebett des Papstes und von dem Stephan IX. betreffenden Gedenkeintrag im Nekrolog von Marcigny zum 29. März (nostrae congregationis monachus) (Dykmans, Obituaires romains 645; Neiske, Cluniazensische Necrologien 284), der den Papst als Konversen Clunys bezeichnet, gelangte Wollasch zu der Ansicht, dass der sterbende Papst Abt Hugo von Cluny gegenüber eine Professio für Cluny abgelegt haben muss. Als Beleg dafür zieht er auch Gilos Vita des Abtes heran (Gilo, Vita Hugonis 7 [L'Huillier 582f.; Cowdrey 55]); dort ist der Bericht über den Tod Stephans IX. eingebettet in die Erklärung, dass es Hugo von Cluny gelungen sei, viele Menschen zum Eintritt in sein Kloster zu bewegen. Die Absolution für die Cluniazensermönche (n. 1383), die dann als die von allen Mitgliedern dieser Gemeinschaft den Brüdern auf dem Sterbebett gewährte Zuwendung zu interpretieren wäre, sowie die Funktionen Hugos von Cluny und seiner Mitbrüder am Krankenbett und bei der Beisetzung des Papstes (n. 1396), beruhten demnach auf dieser Professio in extremis Stephans IX. Allerdings ist die Quellenbasis für diese Behauptung zu gering und die These wurde in der Literatur (Hägermann, Kohnle) nicht rezipiert.Ähnlich verhält es sich mit der damit eng zusammenhängenden Behauptung Wollaschs, Stephan IX. habe auf dem Sterbebett den Bischof Gerhard von Florenz als seinen Nachfolger designiert. Wollasch begründet seine These von der Anordnung Stephans zur Wahl seines Nachfolgers mit der Tatsache, dass in Cluny der Abt jeweils seinen Nachfolger bestimmt und auch Stephan das als Abt von Montecassino so gehandhabt habe (vgl. aber n. 1366), er kurz vor seinem Tod selbst cluniazensischer Mönch geworden sei, sowie mit der Überlegung, dass die Kardinäle keinen aus ihren eigenen Reihen, sondern den ehemaligen Cluniazensermönch und nunmehrigen Bischof von Florenz Gerhard gewählt hätten. Kritisch gegenüber der von Wollasch aufgestellten Hypothese äußert sich Hägermann, der die Designationsthese mit guten Gründen zurückweist.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 1395, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1058-03-29_2_0_3_5_2_1067_1395
(Abgerufen am 24.07.2017).