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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Stephan (IX.) feiert mit Klerus und Volk der Stadt mehrere Synoden, die sich insbesondere mit Klerikerehe und Verwandtenehe befassen.

Überlieferung/Literatur

Erw.: vgl. Jasper, Konzilien [MG Concilia VIII] 342f.; Petrus Damiani, Brief 112 (1064) (De incontinentia clericorum; Reindel, Briefe des Petrus Damiani, MG Briefe IV/3, 258-288, 276); Bernold von Konstanz, Chr. 1057 (Robinson, MG SS rer. Germ. NS 14/2003, 388); Leo Marsicanus, Chr. Casinensis II 94 (MG SS XXXIV 353); Chr. Vulturnense (Federici III, FSI 60/1938, 88, 164), vgl. Mansi, Conc. XIX 863ff.; Gratian, Decretum D. 31 c. 14 (Friedberg, Corp. Iur. I 115), vgl. Tautu, Acta Romanorum Pontificum III/1, 785. Reg.: J p. 382; Boye, Quellenkatalog 89; Palazzini, Dizionario dei concili IV 256; Lucchesi, Vita di S. Pier Damiani I 107 n. 114; JL I p. 554 (nach JL 4375). Lit.: Höfler, Deutsche Päpste II 270f.; Tosti, Storia di Montecassino I 213; Will, Restauration II 129; Robert, Étienne X 61f.; Wattendorff, Stephan IX. 35; Brucker, L'Alsace II 117; Meyer von Knonau, Heinrich IV. I 54; Dresdner, Sittengeschichte 312f.; Robert, Pape belge: Étienne X 27; Dupréel, Godefroid le Barbu 80; Hefele/Leclercq, Hist. des Conc. IV/2 1126; Tangl, Teilnehmer 135, 143; Mann, Popes VI 214f.; Ryan, Peter Damiani 101; Haller, Papsttum II 311; Boelens, Klerikerehe 121, 138f.; Capitani, Storiografia 595, 603; Grégoire, Mont-Cassin dans la réforme 31; Vrégille, Hugues de Salins I 264; Prosdocimi, Ordinamento delle chiese locali 811; Vrégille, Hugues 207; Golinelli, Vallombrosani e movimenti patarinici 50f.; Blumenthal, Pope Gregory and the prohibition 243f., 258; Johrendt, Reisen der Reformpäpste 62; Corbet, Burchard de Worms 266; Peter Herde, The Papacy and the Greek church in Southern Italy between the Eleventh and the Thirteenth Century (The Society of Norman Italy, hg. von Graham A. Loud/Alex Metcalfe [Leiden Boston Köln 2002] 213-251) 237 (ND Ders., Das Papsttum und die griechische Kirche in Süditalien vom 11. bis zum 13. Jahrhundert [Ders., Gesammelte Abhandlungen und Aufsätze II/1, Stuttgart 2002, 1-38] 25); Avvakumov, Entstehung des Unionsgedankens 257; Gresser, Konzilien 34ff.; Corbet, In multis 350f.; Benericetti, L'eremo 84f.; Hägermann, Papsttum am Vorabend des Investiturstreits 32, 38ff.; D'Agostino, Primato 146; Ubl, Inzestverbot 467f.; Blumenthal, Prohibition of clerical marriage 29; Jasper, Konzilien (MG Concilia VIII) 341ff.

Kommentar

Leo Marsicanus informiert über einen viermonatigen Aufenthalt des Papstes in Rom, in dessen Verlauf Stephan IX. mehrere Synoden gefeiert habe (per quattuor ... continuos menses Rome moratus ac frequentibus synodis clerum urbis populumque conveniens). Als Beratungsgegenstände der Versammlung gibt die Cassinenser Chronik Kleriker und Verwandtenehe an (pro coniugiis clericorum ac sacerdotum necnon et consanguinearum copulationibus destruendis). Diese Information lässt sich durch die Hinweise bei Petrus Damiani verifizieren, der in Brief 112 (De incontinentia clericorum) berichtet, Stephan IX. habe jene römischen Kleriker, welche nach dem Interdikt Leos IX. (n. 540.11) nicht zölibatär lebten, aus dem Klerus und vom Chordienst ausgeschlossen (omnes clericos Romae, qui post interdictum papae Leonis incontinentes extiterant, de conventu clericorum et choro aeccl. praecepisset exire), was auch Bernold sinngemäß wiederholt. Ubl bezieht eine Aussage des Petrus Damiani auf diese Synode (Brief 51, Reindel, Briefe des Petrus Damiani, MG Briefe IV/2 132-138, 133), worin der Prior Beatrix von Tuszien zu der Entscheidung gratuliert, mit ihrem Mann Gottfried dem Bärtigen eine keusche Ehe zu führen. Er nimmt an, die Entscheidung des Fürstenpaares sei eine Reaktion auf Kritik der zu nahen Verwandtschaft bei einer dieser Synoden. Allerdings findet sich in dem auf 1057 zu datierenden Brief kein Hinweis auf eine synodale Behandlung der Frage, und Ubl lässt die Möglichkeit offen, dass die Angelegenheit erst unter Alexander II. erörtert wurde (vgl. die plausibleren Überlegungen von Goez, Beatrix von Canossa 27ff. zu der Frage). Vermutlich gehört zu diesen Synoden Stephans IX. auch die in Gratians Dekret zitierte Passage eines Papstes mit Namen Stephan, der die Unterschiede zwischen griechischer und lateinischer Kirche bzgl. des Zölibats thematisiert: aliter se habet orientalium eccl. traditio, aliter huius s. Romanae eccl. Nam eorum sacerdotes, diac. atque subdiac. matrimonio copulantur; istius autem eccl. vel occidentalium nullus sacerdotum a subdiac. usque ad episcopum licentiam habet coniugium sortiendi. Friedbergs Ansicht, der Text sei auf eine Synode Stephans IX. zu beziehen, hat angesichts der dazu zitierten Quellen einige Plausibilität; zudem war Stephan kurze Zeit zuvor Mitglied der römischen Delegation in Byzanz, die insbesondere die Unterschiede in der Lebensweise der griechischen Kirche deutlich erkannt hat (nn. 1133, 1336, vgl. aber Jasper, Konzilien [MG Concilia VIII] 341f.). Über den genauen Zeitpunkt der Stephanischen Synode(n) gibt keine Quelle Auskünfte; aus dem Hinweis bei Leo Marsicanus auf einen damit verbundenen viermonatigen römischen Aufenthalt ergibt sich jedoch der genannte Zeitraum, da der Papst ansonsten nie so lange in Rom verweilt hat. Einen Hinweis auf die Zusammensetzung einer dieser Synoden ermöglicht wohl n. 1351 für Lucca vom 18. Oktober 1057; diese ist ausgestellt auf Intervention Bischof Anselms von Lucca sowie der Kardinalbischöfe Benedikt von Velletri, Bonifaz von Albano, Humbert von Silva Candida, Petrus von Labico, Johannes von Porto, des Subdiakons Hildebrand und aliorum nostrorum fidelium. Zurecht vermutet Boye in diesen Intervenienten den Personenkreis, der den Kern einer der genannten Synoden ausmachte. Es ergibt sich daraus, dass diese Versammlungen vermutlich nur römische Diözesansynoden mit sehr wenigen nicht römischen Teilnehmern waren. Wahrscheinlich kam auch die Angelegenheit des Abtes Lando von S. Vincenzo in Capua bei einer dieser Synoden zur Verhandlung (vgl. nn. 1341, 1343, 1355).

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 1342, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1057-08-00_6_0_3_5_2_1014_1342
(Abgerufen am 23.07.2017).