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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Viktor II. promulgiert ein von ihm gefälltes Urteil, welches aufgrund einer von Bischof Johannes von Siena bei der römischen Lateransynode (n. 1290) gegen dessen Kollegen Arnald von Arezzo vorgebrachten Beschwerde über den Besitz einer Pfarrei in der Grafschaft Siena erlassen wurde (Johannes Senensis episcopus ... conquestus est super Arnaldum s. Aretine eccl. episcopum de quadam parochia que est posita in comitatu Senense); er teilt mit, der Sieneser Bischof habe vor der Synode bezeugt, dass die Pfarrei seit der Zeit Papst Leos IV. und Kaiser Ludwigs (II.) (tempore d. Leonis quarti pape et Lodoici imp.) zum Bistum Arezzo gehört habe, woraufhin die Angelegenheit den benachbarten Bischöfen zur Beurteilung überlassen worden sei; nun habe aber er selbst im Verlauf einer Reise nach Florenz (n. 1297) den Ort aufgesucht und persönlich eine Untersuchung durchgeführt, wobei er erfahren habe, dass bereits Bischof Donatus von Arezzo, der Apostel der Toskana (Donatus s. Aretine eccl. martyr et episcopus et Tuscie apostolus), diese Pfarrei (um 300) gegründet habe, welche seitdem im Besitz des Bistums Arezzo sei (vgl. n. †1298); daraufhin habe er, Viktor, im Bischofspalast in Arezzo (in palatio s. Donati iuxta civitatem Aretinam) in Anwesenheit genannter Bischöfe und Prälaten den Streit zugunsten des Bischofs von Arezzo entschieden (n. †1308) und der Kirche von Arezzo ihren Umfang, ihre Privilegien und namentlich genannte Besitzungen entsprechend den Privilegien der Päpste Stephan (II.), Paschalis (I.) und Hadrian (II.) (sicut ... s. antecessores mei, Stephanus ... Paschalis ... Adrianus) bestätigt; er verbietet den Bischöfen von Siena, nochmals Ansprüche gegen das Bistum Arezzo zu erheben.

Originaldatierung:
Dat. pm. Aribonis canc. ad vicem Annonis archiepiscopi Coloniensis et archicanc. X kal. Augusti, a. pont. d. II Victoris pape II.
Incipit:
Convenit apostolico moderamini pia religione ... Actum est hoc a. ab incarn. D. n. Jesu Christi MLVII mense Julii, ind. XI, regn. d. Henrico filio Henrici imp., locus in palatio s. Donati iuxta civitatem Aretinam.

Überlieferung/Literatur

Orig.: . Kop.: 1) 13. Jh., Arezzo, Arch. cap., Canonica n. 170; 2) 18. Jh., Venedig, Bibl. Marc., Cod. lat. IX 150 fol. 161. Erw.: Urkunden Alexanders II. (1070 Juni 8) (JL 4676; IP III 151 n. 27) (Migne, PL 146, 1357; Polock, Rechtsstreit 29), Honorius' II. (1125 März 8) (JL –; IP III 154 n. *39), Honorius' II. (1125 Mai 5) (JL 7210; IP III 154 n. 40) (Pflugk-Harttung, Acta II 253). Drucke: Della Rena/ Camici, Serie degli duchi di Toscana IIa 79; Cappelletti, Chiese d'Italia XVII 428; Pasqui, Documenti per la storia di Arezzo I 257. Reg.: Grazini, Vindiciae 56; J p. 381; Kaltenbrunner, PUU in Italien 651 n. 3313a mit 699; Diekamp, Neuere Literatur zur päpstlichen Diplomatik 227; Hübner, Gerichtsurkunden n. 1394; IP III 150 n. 21 und 201 n. 15; Boye, Quellenkatalog 88; Kopczynski, Arengen 40; Santifaller, Elenco 381; Santifaller, LD 128; GP VII 61 n. 159; JL 4370. Lit.: Cappelletti, Chiese d'Italia XVII 39, 431; Bresslau, Konrad I 447; Meyer von Knonau, Heinrich IV. I 28; Davidsohn, Florenz I 205f., 219; Davidsohn, Forschungen I 43f.; Lusini, Confini storici del Vescovado di Siena 451; Kehr, Scrinium 87f. (ND Ders., Ausgewählte Schriften 146f.); Dupréel, Godefroid le Barbu 77f.; Schwartz, Bistümer Reichsitaliens 206, 279, 288; Bresslau, Urkundenlehre ³I 234f.,2II 52; Palazzini, Dizionario dei concili I 82; Kloos, Päpste aus Bamberg und Eichstätt 88; Hüls, Kardinäle 132; Schmidt, Alexander II. 56ff.; Angelo Tafi, I vescovi di Arezzo dalle origini della diocesi (sec. III. ad oggi) (Calosci Tortona [1980]) 55f.; Cammarosano, Nobilità Senese 241; Jasper, Papstwahldekret 39; Spinelli, Ildebrando archidiaconus 67; Goez, Beatrix von Canossa 150; Polock, Rechtsstreit 10ff., 17, 20; Delumeau, Arezzo I 305, 378, 481f.; Blumenthal, Datierungen Hildebrands 146, 150; D'Acunto, Laici nella chiesa 333f.; Maroni, Prime comunità cristiane 244ff., 285ff.; Blumenthal, Gregor VII. 84; Gresser, Konzilien 33; Hägermann, Papsttum am Vorabend des Investiturstreits 25f.; Jasper, Konzilien (MG Concilia VIII) 338.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Kaltenbrunner, PUU in Italien 647 und IP III 150. Der Streit um die Pfarrkirche, bei der es sich wohl um jene in Dofana handelt (Tafi), mit deren Zubehör war schon mehrfach vor Päpste getragen worden (vgl. nn. 1034, 1035, 1239, 1240, 1287, 1288, 1290 und Polock/Schneider, Die gefälschte Synodalurkunde von Rom 850 (?), MG Conc. III 495-504). In der Urkunde berichtet Viktor II., inwiefern er seit der römischen Synode n. 1290 damit befasst war. Auf der Reise in die Toskana habe er die Frage persönlich untersucht und zugunsten Arezzos entschieden (n. †1308). Verkündet wurde die Entscheidung bei der Versammlung von Arezzo (vgl. n. †1308) und dementsprechend die Urkunde ausgestellt. Diese folgt in ihrem Formular teilweise dem LD; die Datumsformel entspricht derjenigen anderer Urkunden Viktors II. Auffällig ist das sonst in der Kanzlei der deutschen Päpste kaum gebrauchte Actum, doch erklärt sich dies daraus, dass die vorliegende Urkunde sowohl Elemente des Privilegs als auch solche eines Synodalinstruments in sich vereinigt. Die falsche Indiktionsangabe XI (die in X zu korrigieren ist) stimmt mit n. 1307 überein. Bei den genannten Vorurkunden handelt es sich um JE 2307 Stephans (II.) (752 Mai 19) (IP III 147 n. 5) (Cappelletti, Chiese d'Italia XVII 399), IP III 148 n. *8 Paschals (I.) und IP III 149 n. *12 Hadrians (II.). Die Aussage hinsichtlich des Besitzstandes seit Leo IV. und Ludwig II. ist auf die Entscheidungen von (850) zu beziehen, vgl. Böhmer/Herbers, Papstregesten nn. †227, †229. Mit der Urkunde sollte der Streit ein für allemal beigelegt werden, doch musste sich Nikolaus II. auf seiner Synode im Mai 1059 erneut damit befassen (JL I p. 558f.); endgültig beigelegt werden konnte die Angelegenheit gar erst 1220. Die Urkunde wurde zusammen mit jener Alexanders II. in einem großen Fälschungsunternehmen für den Prozess gegen Siena vor Honorius II. 1125 fabriziert. Auffallend ist die Tatsache, dass hier die Anwesenheit Bischof Arnalds von Arezzo bei der Lateransynode (n. 1290) unterstellt wird, während im Synodalinstrument Nikolaus' II. gerade darauf abgehoben wird, dass der Aretiner Bischof den Ladungen durch Leo IX. (n. 1034) und Viktor II. (nn. 1216, 1289) eben nicht gefolgt sei. Vermutlich lag eine echte Urkunde des Papstes (evtl. für das Domkapitel von Arezzo) vor, aus der die korrekten Namen der Begleiter, die äußeren Merkmale sowie der historische Hintergrund für die Fälschung übernommen werden konnten (n. 1306).

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. †1309, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1057-07-23_2_0_3_5_2_981_1309
(Abgerufen am 25.04.2017).