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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Viktor II. bestätigt dem von ihm selbst nach der Wahl durch Klerus und Volk, der Zustimmung der Fürsten und auf den Rat der benachbarten Metropoliten hin geweihten Erzbischof Winiman (vgl. n. 1305) der zuerst von der Sarazeneninvasion, dann durch undisziplinierte Bewohner und die Herrschaft schlechter Bischöfe geschädigten Kirche von Embrun (coepiscopo Winimanno ... s. Ebredunensi eccl. ... te ordinavimus et consecravimus secundum electionem cleri et populi) und dessen Nachfolgern aufgrund der schon durch den hl. Marcellinus geknüpften engen Beziehungen mit der römischen Kirche (ab illa matre ... eccl. Romana, quae prius illo b. Marcellinum ... direxerat) wunschgemäß den Besitz des Erzbistums mit der Metropolitanbasilika S. Maria samt allem Zubehör, Zehnt und Primitien aller Kirchen seines Sprengels, das Oblationsrecht und die Gerichtsbarkeit über den Klerus sowie die Hoheit über alle kirchlichen Ämter der Erzdiözese (concedimus et confirmamus tibi Ebredunensem diocesin ... basilicam D. nostrae ... Mariae principalem, cum omni ... sua pertinentia ... decimas, primitias et oblationes ... iudicia clericorum et cuncta ecclesiastica officia), die Unterstellung aller Suffragane seiner Provinz, die Weihegewalt und die Synodenberufung (suffraganeorum tuorum omnium consecrationem ... ad concilium agendum convocationem), den Gebrauch des Palliums an genannten Tagen sowie des Vortragekreuzes in seiner Provinz und ermahnt zu einem dem Amt entsprechenden Lebenswandel.

Originaldatierung:
Dat. est non. Julii pm. Araboli diac. a. III pont. d. papae Victoris II, ind. X.
Incipit:
Sanctae Romanae et apostolicae sedis ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: – . Kop.: 1) 16. Jh., Nizza, Arch. dép., Città e contado di Nizza Mazzo 13/2, Barcelonnette n. 18 fol. 62; 2) 17. Jh., Lyon, Bibl. mun., Ms. 913 fol. 219. Insert: 17. Jh., Pietro Gioffredo, Storia delle Alpi maritimi (Hist. Patr. Mon., Turin 1836-1884) IV 336, vgl. 333ff. Erw.: Wahlnotitia (Joseph Roman, Sigillographie du diocèse d'Embrun [Paris Grenoble 1873] 17f.). Drucke: Petro Gassendo, Notitia ecclesiae Diniensis (Paris 1654) 56 (fragm.); Bouche, L'histoire chronologique de Province II 74; Gall. chr. III Instr. 177; Cocquelines, Bull. Rom. I 393 (ohne Eschatokoll); Mansi, Conc. XIX 857; Antoine Albert, Histoire du diocèse d'Embrun (Embrun 1783) II 27 (nicht gesehen); Migne, PL 143, 834; Tomassetti, Bull. Rom. I 637 (ohne Eschatokoll); Sauret, Embrun 472; Fornier, Alpes maritimes III 190. Reg.: Bréquigny, Table chronologique II 62; Höfler, Deutsche Päpste II 380; J 3313; Roman, Tableau hist. des Hautes-Alpes II 4; Hacke, Palliumverleihungen 49 n. 95; Chevalier, Régeste dauphinois I 1930; Santifaller, Elenco 381; Santifaller, LD 128; JL 4369. Lit.: Bouche, L'histoire chronologique de Province II 75; Gall. chr. III 1070f.; Antoine Albert, Histoire du diocèse d'Embrun (Valdes-Prés 2006) 75f.; Höfler, Deutsche Päpste II 265ff.; Cappelletti, Chiese d'Italia XVII 431; Will, Restauration II 91f.; Sauret, Embrun 72ff.; Perrossier, Recherches sur les évêques (15/1881) 254ff., 361ff., 366ff.; Halfmann, Cardinal Humbert 18; Roman, Tableau hist. des Hautes Alpes I 36, 41; Fornier, Alpes maritimes I 229, 331, 575ff., 638ff., 650ff.; Davidsohn, Forschungen I 43f.; Hacke, Palliumverleihungen 41, 89f., 125; Kehr, Humbert 105 (ND Ders., PUU in Italien II 593); Kehr, Scrinium 86f. (ND Ders., Ausgewählte Schriften 146f.); Schwartz, Bistümer Reichsitaliens 177, 279, 287; Santifaller, Elenco 165, 170; Michel, Sentenzen des Kardinals Humbert 61f.; Michel, Folgenschwere Ideen 69; Bresslau, Urkundenlehre ³I 2352II 55; Bligny, L'église de Bourgogne 44; Haller, Papsttum2II 308; Robison, Humberti Cardinalis 75f.; Humbert, Embrun 85, 98f., 118; Santifaller, Apprecatio 297; Martí Bonet, Roma y las iglesias 196f., 229; Hiestand, Notarius 45f.; Aubert, Guiniman (DHGE 22/1988) 1104; May, Ego 44; Dischner, Humbert 170; Polock, Rechtsstreit 13; Schilling, Guido 181; Cowdrey, Gregory VII 32; Blumenthal, Gregor VII. 77; Johrendt, Reisen der Reformpäpste 67f.; Hägermann, Papsttum am Vorabend des Investiturstreits 25.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Wiederhold, PUU in Frankreich III 13f. (ND I 257f.), Kehr, PUU in Turin 70 (ND Ders., PUU in Italien III 40); in der Urkunde – die an Embrun und nicht, wie bisweilen in der Literatur angenommen, nach York gerichtet ist – sind die Funktionen und Rechte des Erzbischofs aufgezählt und dem Amtsinhaber Winiman bestätigt. Das Tragen des Palliums wird in einer außergewöhnlich langen Liste der Palliumtage für Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten, Weihnachten, Epiphanie, Gründonnerstag, Mariae Himmelfahrt, alle Apostelfeiertage, Allerheiligen und St. Marcellinus, zu Kirchweih sowie bei Bischofs, Priester und Diakonenweihen, bei der Weihe von Kirchen und an Sonntagen der Fastenzeiten gestattet. An den Text der eigentlichen Urkunde ist in der Gall. chr. und gemäß dieser bei Migne, PL und Fornier sowie davon abweichend bei Gioffredo jeweils ein Eschatokoll angehängt, das neben einer Datierung im Wesentlichen Unterschriften für die Bestätigung umfasst; in einer ersten Aufzählung der Notitia sind die Namen der Städte des Embruner Metropolitanbereichs angeführt: Embrun, Digne, Seyne, Riez, Senez, Glandéves, Cimiez (oder Nizza), Vence, Antibes (oder Grasse) (civitas Ebredunensis metropolis, civitas Dignensium, civitas Solingensium, civitas Rigomagensium, civitas Sannasciensium, sive Sancinatium, sive Sanciensium, civitas Glanatina, civitas Cemelenensium [, id est Nicentium], civitas Vecientium, civitas Antipolis [, id est Grassensis]) (in Klammern Ergänzungen bei Migne). An diese Liste fügt sich eine Notitia über die Wahl des Bischofs an, welche dessen Erhebung durch Klerus und Volk (clerus et populus Ebredunensis eligimus) mit Konsens Papst Viktors II. (praecipiente summo pontifice et universali papa Victore) und die Zustimmung der Grafen Wilhelm von Avignon, Markgraf der Provence, Bertrand von Arles, Gaufred von Avignon, Markgraf der Provence und Pontius von Digne (confirmante Willelmo, Bertrando et Gaufredo, seu Pontio Diensi comite) zum Ausdruck bringt und sich zudem auf das päpstliche Privileg bezieht, quod d. papa Victor illius consecrator auctoritate Romana sibi contulit. Roman ediert allein diese Notiz. Darauf folgt die zitierte Datumszeile und eine Liste von Unterschriften italischer Bischöfe und Prälaten: Kardinalbischof Humbert von Silva Candida, Kardinal Friedrich von San Grisogono, Bischof Arnald von Arezzo, Gerhard (II.) von Florenz, Ludwig von Nocera, Hermann von Città di Castello, Litrgin von Forlimpopoli, Johannes von Siena, Gregor von Vercelli, Kunibert von Turin (Sergi, Aristocrazia 183), Guido von Gubbio, sowie (Benedikt) von Velletri (vgl. Schmidt, Alexander II. 78f.), (Atinulf) von Fiesole, (Opizo) von Pisa und (Martin) von Pistoia (Humbertus dictus card. s. eccl. Silvae Candidae, Fridericus card. s. Grisogoni, Arnaldus Aretinus episcopus, Giraldus Florentinus episcopus, Ludovicus Hucerinus (Nucerinus) episcopus, Grimannus Castellensis episcopus, Litgrinus Populiensis episcopus, Joannes Senensis episcopus, Gregorius Vercellensis episcopus, Cunibertus Toriensis episcopus, Vido Egobiensis episcopus, cum quibus Wlterensis episcopus, Fesulanus episcopus, Pisanus episcopus, Pistoriensis episcopus, omnes hi interfuerunt, et corroboraverunt haec suprascripta. Deo gratias, amen). Aufgrund dieser Bischofsliste ist anzunehmen, dass das Privileg im Rahmen einer Bischofsversammlung ausgestellt wurde. Die Liste der anderen Editionen weist gegenüber Gioffredo einige Unterschiede und vermutlich wegen der Anordnung der Namen in den Handschriften in Spalten verschiedene falsche Zuordnungen auf. Die Herkunft der genannten Bischöfe deutet dabei auf einen Aufenthalt Viktors II. in Florenz oder der Toskana. Bei dem Datar Araboli (Arabelli) dürfte es sich um Diakon Aribo handeln (wie Santifaller, Elenco 164 annimmt), der auch andere Privilegien Viktors II. datierte. Ein Problem bereitet die bei Gioffredo und in der Handschrift 1) überlieferte Ortsangabe Ast, die nicht genau zu bestimmen ist. Möglicherweise ist diese Ortsangabe auf einen Lesefehler zurückzuführen, so löst Fornier sie auf als: est. Ein Aufenthalt Viktors II. in Asti zu dieser Zeit ist jedenfalls auzuschließen; bis Ende Juni 1057 hielt der Papst sich in Florenz auf, am 23. Juli in Arezzo. Demnach müsste es sich dabei um eine Lokalität in der Toskana handeln. Die Namen der Städt und Fürsten in der Notitia gehen vermutlich auf eine gemeinsame Zustimmung im Verlauf einer regionalen Versammlung zurück. Den Terminus post quem stellt die Erhebung des Kanzlers Friedrich zum Kardinalpresbyter von S. Grisogono am 14. Juni 1057 dar (n. 1302). Die von Hiestand vorgeschlagene Zuordnung zur römischen Synode von 1057 (n. 1290) ist demnach nicht möglich, ein Zusammenhang mit der Bischofsversammlung in Arezzo (n. †1308) nach dem Namensmaterial dagegen durchaus denkbar. Es ist daher zu erwägen, dass die Ausstellung der Papsturkunde auf eine Bischofsversammlung in Arezzo vor dem 7. Juli zurückgeht.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 1306, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1057-07-07_2_0_3_5_2_978_1306
(Abgerufen am 30.03.2017).