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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Viktor II. feiert ein Konzil und annulliert (1) mit Zustimmung der Konzilsteilnehmer die von Benedikt IX. vollzogene (n. 161) und von Leo IX. gezwungenermaßen anerkannte (n. 457) Teilung des Bistums Marsi, uniert die beiden existierenden Diözesen, transferiert Bischof Atto, der dadurch seinen Amtssitz verloren hat, nach Chieti und bestätigt den Besitz von Marsi; <außerdem wird (2) der Streit zwischen den Bistümern Arezzo und Siena verhandelt und benachbarten Bischöfen zur Entscheidung überlassen (vgl. n. †1309)>. (3) Der Papst verhandelt die strittige Abtwahl von Montecassino mit Abt Petrus, zwölf Mönchen des Klosters sowie Herzog Atenulf (I. von Gaeta), auf dessen Veranlassung die Angelegenheit von der römischen Synode an das Montecassiner Kapitel verwiesen wird unter der Bedingung, dass Abt Petrus bei Bestätigung der Vorwürfe auf sein Amt verzichtet.

Überlieferung/Literatur

Erw.: (1) n. 1365; Urkunde Nikolaus' II. (1059 Mai 7) (JL 4403) (Migne, PL 143, 1312). – (2) n. †1309. – (3) Leo Marsicanus, Chr. Casinensis II 91 (MG SS XXXIV 346). Reg.: (1) J p. 381; Mas Latrie, Trésor de chronologie 1282; IP IV 241 n. *2; Boye, Quellenkatalog 88; Palazzini, Dizionario dei concili IV 256; Lucchesi, Vita di S. Pier Damiani I 99 nn. 108, 109; JL I p. 552. (2) IP III 150 n. *19 und 201 n. *13; JL I p. 552 . Lit.: Di Meo, Annali VII 378ff.; Höfler, Deutsche Päpste II 249, 265, 273; Tosti, Storia di Montecassino I 208f.; D'Avino, Cenni storici 313; Hirsch, Amatus 290; Will, Restauration II 86; Will, Viktor II. 236; Baxmann, Politik der Päpste II 262; Robert, Étienne X 66f.; Wattendorff, Stephan IX. 21, 48; Meyer von Knonau, Heinrich IV. I 25ff.; Polzin, Abtswahlen 39f.; Hefele/Leclercq, Hist. des Conc. IV/ 2 1125; Riese, Besetzung der Reichsabteien 65f.; Schwartz, Bistümer Reichsitaliens 282; Borino, Riforma della Chiesa 476; Guggenberger, Deutsche Päpste 76; Tangl, Teilnehmer 142f.; Boye, Synoden 165f.; Kölmel, Rom 117; Ganahl, Kirchliches Verfassungsrecht 48f.; Wühr, Wiedergeburt Montecassinos 443f.; Haller, Papsttum II 309f.; Hoffmann, Abtslisten 317f.; Grégoire, Mont-Cassin dans la réforme 28f., 33; Vrégille, Hugues de Salins I 262; Schmidt, Alexander II. 56; Vrégille, Hugues 206; Goez, Gebhard I. als Papst Viktor II. 13f.; Gatto, Momenti di storia abruzzese 287; Dahlhaus, Rota 44; Feller, Abruzzes médiévales 840f.; Maroni, Prime comunità cristiane 285; Gresser, Konzilien 32f.; Benericetti, L'eremo 78; Hägermann, Papsttum am Vorabend des Investiturstreits 23, 47; Jasper, Konzilien (MG Concilia VIII) 338ff.

Kommentar

Stephan IX. berichtet, dass sein Vorgänger die von Benedikt IX. vollzogene Teilung des Marserbistums aufgehoben habe sub b. memoriae decessore nostro Victore iudicio generalis concilii ... in gremio basilicae Constantinianae aggregati, XIV kal. Maii, ind. X, divisionem illam ... evacuatam ... in antiquam ... unionem reformatam. Von der Translation Bischof Attos nach Chieti weiß daneben auch Nikolaus II. zu berichten. Vermutlich stellte Viktor II. für den als Bischof von Marsi bestätigten Pandulf auch eine Besitzurkunde aus, da Stephan IX. seine entsprechende Konfirmation secundum quod tibi synodaliter ... iudicatum est ausstellte. Da die Urkunde Stephans IX. der einzige Text ist, welcher diese Synode erwähnt und Nikolaus II. nur auf die Transferierung des Bischofs eingeht, lassen sich genauere Angaben über die Synode und deren Teilnehmer nicht machen. (2) In n. †1309 berichtet der Papst, dass Bischof Johannes von Siena vor die Synode gekommen sei und sich über seinen Mitbruder Arnald von Arezzo beschwert habe, der eine Pfarrei innerhalb der Grafschaft Siena zu Unrecht besitze (residentibus nobis in nostra sinodo Rome in eccl. s. Salavatoris, veniens Iohannes Senensis eccl. episcopus coram fratribus nostris coepiscopis conquestus est super Arnaldum s. Aretine eccl. episcopum de quodam parrochia que est posita in comitatu Senense). Die Information stammt aus einem Schriftstück, das im Zusammenhang mit einem Prozess um die Besitzung anfangs des 12. Jahrhunderts gefälscht wurde, vgl. zum Fortgang nn. †1308, †1309. (3) Nur eine Version der Cassinenser Chronik, eigentlich eine Randglosse der A-Handschrift, bringt den Abtswahlstreit von Montecassino in Zusammenhang zu einer Synode. Ebenfalls nur hier ist überliefert, dass mit den Cassinenser Mönchen nn. 1287, 1288 Herzog Atenulf von Gaeta den Papst aufsuchte. Die anderen Versionen berichten nur, der Abt und zwei Mönche hätten die Sache im kleinen Kreis mit Viktor II. verhandelt (n. 1288). Dagegen weiß die Randglosse, dass dux Adenulfus ... ab apostolico impetravit, ut non in Romana synodo, sed in Casinensi capitulo die Verhandlung geführt werden. Diese Schilderung gestattet die Annahme, der Fall sei der Synode vorgetragen, dann an das Kapitel als Wahlkörper zurück verwiesen worden.Bei der Synode handelt sich wohl – trotz der von Stephan IX. verwendeten Bezeichnung als generalis concilium – nur um eine Versammlung des Papstes mit seinen engeren Beratern bzw. ein Provinzialkonzil der römischen Kirchenprovinz. Nach Palazzinis Darstellung hätte die Synode Erzbischof Winiman von Embrun (bei Palazzini und Benericetti, L'eremo: York) bestätigt (vgl. nn. 1305, 1306) und Mas Latrie ordnet dieser Versammlung die Absetzung Erzbischof Wifreds von Narbonne zu (vgl. n. 1217). Zu der Behauptung Lanfranks (Liber de corpore 4, Giles II 154), Viktor II. habe auf all seinen Synoden die Maßnahmen Leos IX. gegen Berengar von Tours bestätigt, vgl. n. 1217. Die von Viktor II. 1057 gefeierte römische Synode und die anderen Regesten, welche die Anwesenheit des Papstes 1057 in der Stadt belegen (nn. 1292, 1295), zeigen, dass der Anon. Haserensis, Gesta ep. Eistetensium 41 (Weinfurter 66) sich in seiner Aussage irrt, der Papst sei von Deutschland aus zwar nach Rom aufgebrochen, habe die Stadt aber nicht mehr erreicht, weil er unterwegs in Arezzo gestorben sei (n. 1310).

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 1290, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1057-04-00_5_0_3_5_2_962_1290
(Abgerufen am 24.01.2017).