Regestendatenbank - 176.134 Regesten im Volltext

RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

Sie sehen den Datensatz 950 von insgesamt 1068.

Papst Viktor II. bestätigt (in weitgehend wörtlicher Wiederholung der Vorurkunde n. 665) dem von Kaiser Heinrich III. gegründeten und ihm durch den Kaiser zu dessen Seelenheil, demjenigen seiner Frau Agnes und seiner Eltern Konrad (II.) und Gisela kommendierten Stift St. Simon und Juda in Goslar unter Propst Gunther (D. Hildesheim) (quia ... secundus Heinricus imp. ... eccl. a se ... constructam in honore s. Dei genitricis ... Mariae et bb. apostolorum Simonis et Jude, positam loco Goslaria ... preposuit Guntherium canc. suum, tam pro animae suae sueque coniugis ... Agnetis, remedio quam pro salute etiam parentum suorum Cuonradi et Giselae ... s. Petro ... per scripturam propria manu signatam penitus concessit per manus nostras) den Schutz der römischen Kirche (ut ipsa eccl. posita sub apostolico iure ... libera et quieta persistat), dessen Besitzungen insbesondere in Goslar, Egeln, Giersleben, Adersleben, Semmenstedt, 〈Schlan〉stedt, Jerstedt, Vallendar, Oldendorf, Dingelstedt, Pinßdorf, Oschersleben, Baalberge, Walschleben und Harlingerode (suam integritatem habens ... in loco Goslaria, in Egelen, et in Iheresleb et in Adesleb et in Scammestetin et in 〈Slan〉stede et in Valentro et in Aldendorf et in Dilgistetin et in Bunesdorf et in Ogkerslebe et in Balbria et in Waleheslebe et in Herlingerode) und räumt dem Stift das Appellationsrecht ein; die Vogtei überlässt er Kaiser Heinrich und dessen Nachfolgern mit dem Recht, den Propst zu bestimmen, aber ohne die Verfügungsgewalt über die Besitzungen; den Bischof beschränkt er auf die kirchliche Leitung (decrevimus per hoc ... privilegium ... eidem ... filio nostro augusto eiusque successoribus advocationem ... relinquere, ut semper in potestate habeant prepositos ... ordinare ... liberum iubemus esse preposito et canonicis ... ad Romanam eccl. ... respicere ... Episcopus ... nihil in eo habeat iuris ... preter ecclesiasticum regimen)..

Originaldatierung:
Dat. V id. Jan. pm. Aribonis vice Annonis archicanc. SRE et Coloniensis archiepiscopi, a. II d. papae Victoris II, ind. X.
Incipit:
Sancti propositi votum non solum ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: ca. 47 x 54 cm, Goslar, StadtArch., Urk. Domstift n. 12. Kop.: 1) 14. Jh., Hildesheim, Dombibl. Hs. 535 fol. 5; 2) 16. Jh., Goslar, StadtArch., Domstift, Kopialbuch B p. 15 (olim fol. 2); 3) 17. Jh., Magdeburg, StArch., Rep. Cop. n. 5 fol. 18. Erw.: Chr. ss. Simeonis et Judae Goslariense (MG DChr. II) 604; Urkunde Hadrians IV. (1155 Mai 17) (JL 10062) (Migne, PL 188, 1420); Catal. reliquiarum ecclesiae collegiatae Goslariensis (Leibniz, SS rer. Brunsvic. III) 433. Faks.: Pflugk-Harttung, Specimina I Tafel 26 (fragm.); Jakobs, Fuldaer PUU 80; Dahlhaus, Aufkommen der Rota 417 (fragm.); Fees/Roberg, DIGUB 2/I Frühe PUU Tafel 1; Krafft, Bene Valete 252 (fragm.); Marburg, LBA; Siegel: Kittel, Siegel 384 n. 233c. Drucke: Joachim Johann Mader, Ant. Brunsvicenses (Helmstedt 1678) 224; Heineccius, Ant. Goslarienses 63; Migne, PL 143, 822; Heinemann, Cod. dipl. Anhaltinus I 108; Pflugk-Harttung, Acta I 24; Bode, UB Goslar I 149. Reg.: Georgisch, Regesta I 386 n. 2 (1056 Jan. 9); Hempel, Inventarium diplomaticum I 55, 1056 n. 1; Raumer, Regesta hist. Brandenburgensis n. 554; Höfler, Deutsche Päpste II 380; J 3307; Mülverstedt, Regesta archiep. Magdeburgensis I 290 n. 716; Pflugk-Harttung, Päpstliche Originalurkunden 499 n. 64; Santifaller, Elenco 379f.; Santifaller, Geschichte der Beschreibstoffe 92 n. 72; Santifaller, LD 128; GP VII 61 n. 159; Lübke, Regesten der Slaven n. 739 (IV 292); Bischoff, Urkundenformate 124: 1057 Jan. 9; GP V/2 153 n. 6; JL 4363. Lit.: Höfler, Deutsche Päpste II 261; Harttung, Dipl.hist. Forschungen 470; Steindorff, Heinrich II 338; Diekamp, Päpstliches Urkundenwesen 612; Pflugk-Harttung, Komma 437; Meyer von Knonau, Heinrich IV. I 24; Blumenstock, Päpstlicher Schutz 66; Kehr, Scrinium 86f. (ND Ders., Ausgewählte Schriften 146f.); Brackmann, PPU des Nordens II (NGG 1904, 113; ND PUU in Deutschland 81); Lerche, Privilegierung 136, 155, 164, 175, 209; Rothe, Goslar 37; Santifaller, Elenco 158, 160f., 165f.; Dereine, Vie commune 371; Büttner, Klosterreform 102f.; Siegwart, Chorherren 130f.; Moraw, Patrozinienforschung 19f.; Jakobs, Fuldaer PUU 42f., 79; Dahlhaus, Pfalz und Stift Goslar 404, 411f., 417, 420f.; Black-Veldtrup, Kaiserin Agnes 102f., 111, 247f., 318f.; Falkenstein, Weitere Fälschungen 105, 107.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Bode. Dieses Privileg ist fast wörtlich identisch mit der Urkunde Leos IX. (n. 665); es fehlt nur deren Halbsatz über die Synode von Mainz, variiert sind der Papstname, als Propst des Stiftes wird Kanzler Gunther genannt; weitere Varianten sind in der Güterliste zu finden. Innerhalb der Güterliste steht der Ortsname Slanstete auf Rasur statt Gerstete (Dahlhaus); es handelt sich dabei um eine Interpolation, die vermutlich um die Mitte des 12. Jahrhunderts in das ansonsten unanfechtbare, von Notar Aribo datierte, Original eingetragen wurde. Die beiden Papstprivilegien Anastasius' IV. (14. Juni 1154) (JL 9921) (Migne, PL 188, 1076) und Hadrians IV. (17. Mai 1155) (JL 10062) (Migne, PL 188, 1420) dienen v. a. der Sicherung von Besitz in Schlanstedt. Pflugk-Harttung, Acta I 25 betrachtet diese Urkunde Viktors II. für Goslar als Vorlage für die Fälschung auf Leo IX. n. 665, u. a. weil das Privileg Hadrians IV. nur Viktor II. nennt. Dagegen konnte Dahlhaus, Pfalz und Stift zeigen, dass sowohl die Urkunde Viktors als auch die Fälschung auf Leo IX. von einem echten Privileg Leos IX. als Vorlage abhängen. Er nimmt sogar an, dass dieselbe Hand die Urkunde Leos IX. schrieb, welche die Urkunde Viktors II. um 1145 interpolierte. Ein inhaltliches Problem wirft die wörtlich aus der Leo-Urkunde übernommene Formulierung der Tradierung des Stiftes von Heinrich III. durch die Hände des Papstes an den heiligen Petrus auf. Da dieselbe Formulierung auch in der – inhaltlich korrekten – Leo-Fälschung steht, müsste eine doppelte Tradierung des Stiftes – an Leo IX. und Viktor II. – angenommen werden. Nach der Tradierung bei der Mainzer Synode 1049 (vgl. nn. 655.18, 657) hätte der Kaiser seine Gründung dem apostolischen Stuhl ein weiteres Mal überlassen, war allerdings zum Zeitpunkt der Ausstellung der Urkunde Viktors II. bereits seit einem Vierteljahr verstorben (5. Okt. 1056) (n. 1267), ohne dass das erwähnt würde. Das brachte Dahlhaus zur folgenden Rekonstruktion der Ereignisse: 1049 erhält Leo IX. von Heinrich III. das Stift tradiert (vgl. nn. 653.18, 657) und stellt ein entsprechendes Privileg aus. Im Zusammenhang mit dem zu Weihnachten 1052 erwähnten Tauschvertrag von Worms zwischen Kaiser und Papst wurde dann von Leo IX. neben Fulda und Bamberg auch Goslar als Ausgleich für Reichsgüter in Italien (Benevent) dem Kaiser wieder übergeben (vgl. n. 1014). Entsprechend wurde die echte Urkunde Leos IX. ungültig gemacht. Viktor II. dagegen machte die Annahme seiner Wahl zum Papst davon abhängig, dass dem hl. Petrus restituiert würde, was ihm gehörte (vgl. n. 1163), was Dahlhaus als Annullierung des Tausches von 1052 interpretieren will. Ein Teil der Restitutionen wurde vom Kaiser bereits zu Viktors II. Amtsantritt durchgeführt (vgl. nn. 1162, 1163), diejenige von Goslar jedoch erst bei dem Besuch Viktors II. (n. 1253) oder erst am Sterbebett Heinrichs III. Die Beisetzung des Kaisers verzögerte dann die Ausstellung (und damit Datierung) des evtl. bereits geschriebenen – und zwar anhand der annullierten Urkunde Leos IX. geschriebenen – Privilegs bis in den Januar hinein. Demnach ist die Urkunde Viktors II. formal zweifellos echt, doch will Dahlhaus eine inhaltliche Fälschung durch die Kurie, eine Kanzleifälschung, nicht völlig ausschließen; evtl. stünde in der Urkunde eine weiter reichende Tradierung, als Heinrich III. sie zugestanden habe. Auf die Datierung vice Annonis verweist Oediger, Regesten I 859.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 1278, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1057-01-09_1_0_3_5_2_950_1278
(Abgerufen am 24.03.2017).