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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Viktor II. vermittelt auf einem Reichstag die Versöhnung Herzog Gottfrieds von Lothringen, Markgraf Balduins (V.) von Flandern und von dessen Sohn Graf Balduin (VI.) von Hennegau mit König Heinrich IV.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Anon. Haserensis, Gesta ep. Eistetensium 41 (Weinfurter 66); Ann. Blandinenses 1057 (Grierson 26); Sigebert von Gembloux, Chr. 1057 (MG SS VI 360); Chr. s. Bavonis Gandensis 1057 (De Smet, Recueil des Chr. de Flandre I 556); Helinand von Froidmont, Chr. 1057 (Migne, PL 212, 952); Chr. Turonense (Salmon 121); Eike von Repgow, Zeitbuch (Massmann 346); Alberich von Troisfontaines, Chr. 1057 (MG SS XXIII 791); Sächs. Weltchr. (MG DChr. II 174); Vinzenz von Beauvais, Speculum hist. XXV 35 (Douai 1624, 1014); Rodulphus monachus Cameracensis, Vita s. Lietberti Cameracensis ep. 42 (Migne, PL 146, 1471f.); Balduin von Ninove, Chr. 1056 (De Smet, Recueil des Chr. de Flandre II 685); Hermann Corner, Chr. novella (Eckhart, Corp. Hist. II 594); Edmund Dynter, Chr. ducum Lotharingiae IV 12 (De Ram, II 36); Aegidius de Roya, Ann. belgici 1057 (Sweerts, Rer. belgicarum Ann. II 20); Aventin, Ann. ducum Baioariae V 9 (Riezler III 78); vgl. Mansi, Conc. XIX 841-844. Reg.: J p. 380; Mas Latrie, Trésor de chronologie 1282; Heidingsfelder, Regesten der Bischöfe von Eichstätt 75 n. 211; Oediger, Regesten der Erzbischöfe von Köln I n. 858; Böhmer/ Struve, Regesten Heinrichs IV. n. 83; GP VII 60 *158; JL I p. 551. Lit.: Hennebert, Hist. d'Artois II 193; Höfler, Deutsche Päpste II 246f.; Will, Restauration II 75ff.; Will, Viktor II. 232ff.; Baxmann, Politik der Päpste II 260f.; Kilian, Itinerar Heinrichs IV. 4; Meyer von Knonau, Heinrich IV. I 17ff.; Vanderkindere, Formation territoriale II 92; Dupréel, Godefroid le Barbu 68ff.; Hugelmann, Einfluss Viktors II. 213, 217ff., 225f., 235; Guggenberger, Deutsche Päpste 76; Mann, Popes VI 202; Kehr, Vier Kapitel 59f. (ND Ders., Ausgewählte Schriften 1253f.); Bulst-Thiele, Agnes 51; Berges, Designationsrecht 191f.; Gericke, Wahl Heinrichs IV. 742, 744ff.; Morghen, Programma della riforma gregoriana 158; Schmidt, Königsumritt 215; Haller, Papsttum II 309; Kloos, Päpste aus Bamberg und Eichstätt 88; Gawlik, Intervenienten 12; Scheibelreiter, Regierungsantritt 4f.; Jenal, Anno I 11f., 162ff.; Beumann, Reformpäpste als Reichsbischöfe 35; Boshof, Lothringen 116ff.; Boshof, Reich in der Krise 270; Goez, Gebhard I. als Papst Viktor II. 20; Mohr, Richilde vom Hennegau I 779; Cowdrey, Pope Victor and Empress A. 41; Robinson, Henry IV 31f.; McQuillan, Political Development 43; Gresser, Konzilien 31f.; Hägermann, Papsttum am Vorabend des Investiturstreits 9f., 22.

Kommentar

Von Aachen (n. 1270) ging der Königshof nach Köln, wo Anfang Dezember ein Hoftag gefeiert wurde. Das Datum des Tages ergibt sich aus DHIV. 1 und DHIV. 2 (Gladiss/Gawlik, MG Dipl. VI/1 1f., 3f.; Stumpf-Brentano, Reichskanzler 2528, 2529; Böhmer/Struve, Regesten Heinrichs IV. nn. 84, 85). Die beiden Diplome für Prüm und Sithiu (nn. 1272, 1295) sind ausgestellt in Köln am 5. und 6. Dezember 1056 (dazu vgl. Scheibelreiter, Regierungsantritt 6f.). Der conventu(s) generali(s) in der Domstadt wird von Sigebert, Alberich, Chr. s. Bavonis, Vinzenz, Balduin, Edmund Dynter etc. erwähnt, während Rudolf von Cambrai von einem placito spricht. Erwähnung findet der Reichstag auch in anderen Quellen, etwa den Ann. Altahenses 1056 (Oefele, MG SS rer. Germ. 4/1891, 53), ohne dabei allerdings der päpstlichen Beteiligung zu gedenken. Das Chr. Turonense sagt geradezu, der Papst habe in Köln ein Konzil gehalten (tenuit Victor papa apud Coloniam concilium generale). Die Vermittlungstätigkeit des Papstes ist in allen angeführten Quellen erwähnt; sie erfolgte im Interesse des Reichs und vermutlich auch entsprechend den Wünschen des sterbenden Kaisers Heinrich III. (n. 1267). Erwähnen Eike von Repgow und die sächsische Weltchr. nur allgemein eine Mediatorenrolle Viktors II. (Victor ... principes ... quantum potuit, reconciliavit), so ermöglichen die anderen Autoren eine Zuordnung dieses Hinweises zu der Kölner Versammlung. Basierend auf Sigebert erwähnen fast alle Berichte die Aussöhnung mit den bisherigen (nn. 579, 566, 1213, 1217) Reichsfeinden Graf Balduin von Flandern und Herzog Gottfried von Lothringen (Balduinus et Godefridus mediante Victore papa ad gratiam regis et pacem reducuntur) (vgl. auch: Alberich, Rudolf von Cambrai, Chr. s. Bavonis, Vinzenz, Balduin etc.). Nach Alberichs Darstellung, wurde in Köln dem Herzog Gottfried seine Frau Beatrix von Tuszien überstellt, die seit dem Sommer 1055 als Geisel am Königshof geweilt hatte (n. 1217). Böhmer/Struve vertritt die Ansicht, die Aussöhnung mit dem lothringischen Herzog sei von Sigebert zu spät dem Kölner Tag zugeordnet, sondern vielmehr schon mit Heinrich III. geschehen. Darüber hinaus weisen Rudolf und die Ann. Blandinenses darauf hin, dass in den Friedensschluss auch der gleichnamige Sohn Balduins von Flandern einbezogen war (Rudolf: uterque Balduinus, pater scilicet et filius); aus den Ann. Blandinenses ist zu erschließen, dass die Aussöhnung mit dem jüngeren Balduin darin bestand, dass er mit der Grafschaft Hennegau belehnt wurde (Balduinus iunior Nerviorum comitatum imperiali munificentia et auctoritate apostolica suscepit). Weitere Teilnehmer der Kölner Versammlung sind in spärlicher Anzahl genannt: neben den ausdrücklich erwähnten Papst Viktor II., König Heinrich IV., Kaiserin Agnes und den betroffenen drei Adligen nennt nur Rudolf von Cambrai die Teilnahme seines Bischofs Lietbert. Allein diese Quelle erwähnt außerdem die (als selbstverständlich vorauszusetzende) Anwesenheit von weiteren Bischöfen und Fürsten (episcopis et iudicibus). Möglicherweise ist in Köln der von Leo Marsicanus überlieferte Eid der Fürsten auf den jungen König anzusetzen (n. 1268). Zu Spekulationen über die Anwesenheit Graf Haralds vgl. Grierson, Visit of Earl Harold 94ff. Der Anon. Haserensis teilt nur mit, dass der Papst nach Italien aufgebrochen sei transactis et dispositis laudabiliter regni negotiis, worin auch eine Anspielung auf den Kölner Fürstentag zu sehen ist.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 1271, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1056-12-05_1_0_3_5_2_943_1271
(Abgerufen am 28.07.2017).