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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Viktor (II.) dankt Graf Theobald (I. von der Champagne) (Tebaldo comiti) für seine Wohltaten gegenüber Klöstern, wovon ihn Abt Bruno von Montier-en-Der (D. Châlons-en-Champagne) (filius noster Bruno abba ex ss. apostolorum Petri et Pauli et s. Bercharii martyris monasterio) in Kenntnis gesetzt hatte (n. 1274), empfiehlt ihm diesen Abt Bruno und lobt den Eifer des Grafen in Bezug den Bau von Brücken.

Incipit:
Confidentes quod gloria se vestra ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: – . Kop.: 1) 12. Jh., Chamarandes-Choignes, Arch. dép., 7 H 1 fol. 67v; 2) um 1600, Paris, Bibl. nat., Coll. Baluze 39 fol. 183; 3) 1658, Chamarandes-Choignes, Arch. dép., 7 H 6 fol. 33; 4) 1874, Paris, Bibl. nat., Ms. nouv. aqc. lat. 1251 fol. 67v. Erw.: De diversis casibus Dervensis coenobii II 12 (Mabillon, AASS OSB II 850). Drucke: Mabillon, Ann. OSB IV 557;2511 (Lucca 1739); Migne, PL 143, 818; Bouchard, Cartulary of Montier 192. Reg: Bréquigny, Table chronologique II 64 (zu 1056); Höfler, Deutsche Päpste II 380; J 3304; Arcelin, Bulles pontificales 54 n. 10; Roserot, Répertoire 123 n. 153; Cartulaire (Lalore 167 n. 40); JL 4353. Lit.: Höfler, Deutsche Päpste II 259; Höfler, Deutsche Päpste II 259; Bouillevaux, Moines du Der 143; Will, Restauration II 90; Arbois, Hist. de Champagne I 403; Santifaller, Elenco 166; Fuhrmann, Pseudoisidorische Fälschungen II 352; Bulst, Klosterreformen 90; Bur, Formation de Champagne 228, 353; Cowdrey, Age of Abbot Desiderius 209; Bouchard, Cartulary of Montier 23; Bouchard, Forging Papal Authority 14f.; Bur, Der face aux princes 540f.;2600f.; Morelle, Chartrier 226, 245f.; Morelle, Concile de Reims et Montier 109.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Meinert, PUU in Frankreich I 58f., 153, Morelle, Chartrier 214ff. und Bouchard, Cartulary of Montier, die außerdem drei weitere (nicht eingesehene) Abschriften anführt (1] 18. Jh., Chamarandes-Choignes, Arch. dép., 7 H 17; 2] 18. Jh., Chaumont, Bibl. mun., Ms. 173 p. 279; 3] 18. Jh., Chaumont, Bibl. mun., Ms. 174 fol. 32). Bur, Champagne geht ohne Angabe von Gründen davon aus, dass es sich hierbei um eine Urkunde Viktors III. handle. Das ist jedoch unwahrscheinlich, weil Abt Bruno, der in dem Schriftstück als lebend erwähnt ist, nach Bulst 1082 (Morelle, Chartrier 243f. aufgrund von De diversis casibus II 11 [Mabillon, AASS OSB II 850] nach 35 Jahren Amtszeit, demnach 1085 nach April) starb, Viktor III. aber erst 1086 im Mai Papst wurde. Wenn auch keine urkundlichen Nachrichten über den Tod des Abts vorliegen, so ist er doch in einem Protokoll Abt Dudos aus dem Jahr 1088 als schon länger verstorben erwähnt (Cartulaire, Lalore 187 n. 57). In der Urkunde wird eine Zusammenkunft zwischen Papst und Abt erwähnt (n. 1274), welche mit Viktor III. nur stattgefunden haben kann, wenn die Angabe von 35 Jahren (septem annorum lustribus) um mehr als ein Jahr überschritten wurde, was Bur, Der annimmt. Ihm zufolge legte der Abt dem Papst die Situation des Klosters dar, woraufhin letzterer an den Grafen im Interesse des Klosters schrieb, bevor er erfuhr, dass Abt Bruno zwischenzeitlich verstorben war. Dieser Ablauf ist nur unter der Voraussetzung einer erheblichen Frist zwischen Anforderung und Ausstellung des Briefes denkbar und setzt eine Romreise des Mitte 1086 doch schon sehr alten Abtes (der im Mai 1050 bei seiner Weihe, n. 768, vermutlich kein ganz junger Mönch mehr war) in den letzten Wochen seines Lebens voraus. Einfacher zu erklären ist die Ausstellung unter der Annahme, dass Abt Bruno sich an den Nachfolger seines Schutzherrn und Mentors Leo IX. (vgl. n. 781) wandte und Viktor II. Aussteller des Dokumentes war. Ein Zusammentreffen war bei der Deutschlandreise des Papstes, etwa in Köln oder Aachen (nn. 1270, 1271) denkbar, ist aber auch in Rom leichter vorzustellen, als mit Viktor III. Daher wird an der Zuordnung zu Viktor II. festgehalten. Die Urkunde ist verdächtig wegen der Anrede des Grafen als magnificentiae vestrae celsitudo, die in einem päpstlichen Brief so wohl nicht verwendet wird. Inhaltlich dankt der Papst dem Grafen für seine Bemühungen um das Kloster, insbesondere beim Wiedererwerb von verlorenen Mühlen (in villas et eccl. cum molendinis cumque variis rebus reddendendo) (vgl. nn. 767, 769, 770). Undurchsichtig ist eine Passage, in welcher der Papst sich für die Restaurierung der Brücken des Klosters bedankt, worüber sich insbesondere Engländer und Schotten freuten (in reconstruendo pontes ad idem coenobium pertinentes, super quibus plures laetantur ... Scoti et Angli). Zu denken ist möglicherweise an regional wichtige Brücken, welche den Romweg angelsächsisch/irischer Pilger erleichterten (vgl. Demouy, Genèse 395, der erklärt, dass der Weg angelsächsischer Rompilger von Boulogne über die Champagne nach Süden führte). Bei der Urkunde handelt es sich vermutlich um eine Fälschung, welche sich allerdings von anderen Urkunden für Montier-en-Der (vgl. nn. 781, 1191) schon dadurch abhebt, dass ihr die sonst übliche Verbalinvokation fehlt. Es liegt nahe, eine Zuschreibung an Viktor II. anzunehmen, da dann Anlehnung an dessen echte Urkunde n. 1191 anzunehmen ist. Nach Bouchard entstand sie infolge eines Streits zwischen dem Kloster und Graf Theobald um Mühlenrechte. – Dagegen wird ein anderes Privileg, welches Pflugk-Harttung, Acta I 26 unter dem Namen Viktors II. ediert hat (Cum per prophetam Dominus fictis) mit Jaffé-Löwenfeld Viktor III. zugewiesen (JL 5344) (vgl. Bouchard, Cartulary of Montier 191).

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. †1275, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1056-10-00_2_0_3_5_2_947_1275
(Abgerufen am 22.01.2017).