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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Viktor (II.) beauftragt die Erzbischöfe Raimbald von Arles und Pontius von Aix mit Wifred von Narbonne ein Reformkonzil in Toulouse zu halten (iussu d. papae Victoris, qui ob funditus exstirpandam simoniacam haeresim ac reparandam s. eccl. statum secundum priscorum scita canonum, vicarios vice sua direxit Rambaldum Arelatensem et Pontium Aquensem archiepiscopos, qui adiuncto sibi Wifredo ... Narbonensis archiepiscopo), das am 13. September 1056 (a. incarn. d. MLVI, id. Sept.) in Anwesenheit zahlreicher Bischöfe gefeiert wurde und dreizehn Reformkanones beschloss sowie die Unterstellung des Klosters Moissac (D. Cahors) mit dessen Abt Durandus unter die Abtei Cluny (D. Mâcon) bestätigte und Zuwiderhandlung unter Strafe stellte; die Synode hörte außerdem die Beschwerde des Klosters Ripoll gegen Bischöfe der Umgebung, stellte eine Urkunde zu Gunsten des Klosters aus und bestätigte die von Papst (Viktor II.) über Graf Raimund Berengar I. von Barcelona und dessen Frau Almodis verhängte Exkommunikation (vgl. n. 1207); im Verlauf der Synode unterbreitete Vizegraf Berengar von Narbonne seine Beschwerde gegen den von Viktor II. bereits verurteilten Erzbischof Wifred von Narbonne (n. 1207).

Überlieferung/Literatur

Erw.:Versprechen der Ermesindis (Ende 1056) (Kehr, Papsttum und katalanischer Prinzipat 73-76, 76; ND Ders., Ausgewählte Schriften 924-927, 927); Urkunde der Synode unter Leitung der Erzbischöfe Raimbald von Arles und Pontius von Aix für Ripoll (Kehr, Papsttum und katalanischer Prinzipat 76f.; ND Ders., Ausgewählte Schriften 927f.). Reg.: Albanès/Chevalier, Gall. Chr. novissima III 167 n. 399. Lit.: Höfler, Deutsche Päpste II 235, 252ff.; Will, Restauration II 63, 88f.; Ernest Rupin, L'abbaye et les cloitres de Moissac (Paris 1897) 47f.; Hefele/Leclercq, Hist. des Conc. IV/2 1122ff.; Guggenberger, Deutsche Päpste 77f.; Schwarz, Investiturstreit 262, 266; Fliche, Réforme I 166; Mann, Popes VI 193ff.; Kehr, Papsttum und katalanischer Prinzipat 24ff. (ND Ders., Ausgewählte Schriften 875ff.); Kehr, Vier Kapitel 58 (ND Ders., Ausgewählte Schriften 1252); Schieffer, Legaten 58f.; Ganahl, Kirchliches Verfassungsrecht 57ff.; Sobrequés i Vidal, Comtes de Barcelona 64; Palazzini, Dizionario dei concili V 358; Bauer, Rechtsverhältnisse 136f., 158f.; Boelens, Klerikerehe 121, 137f.; Engels, Schutzgedanke 97f., 251; Gaudemet, Célibat ecclésiastique 7; Wolter, Synoden 419; Müssigbrod, Moissac 48, 81; Hiestand, Légats en France 57; Pontal, Conciles de la France 167, vgl. 169; Aurell, Noces du comte 231f., 249f., 262ff.; Magnani Soares-Christen, Saint-Victor 330f.; Corbet, Burchard de Worms 265f.; Mazel, Noblesse et l'Église en Provence 179; Mazel, Amitié et rupture de l'amitié 84; Jasper, Konzilien (MG Concilia VIII) 328f.

Kommentar

Die Akten des Konzils geben dessen genaues Datum und den Tagungsort an. Die Berufung auf Initiative des Papstes kommt darin ebenso deutlich zum Ausdruck wie die Tatsache, dass es sich um ein Reformkonzil handeln sollte. Geleitet wurde die Versammlung durch die von Viktor II. beauftragten Erzbischöfe von Arles und von Aix, die sich dafür mit Wifred von Narbonne zusammentaten. Eine päpstliche Beauftragung auch dieses Prälaten ist eher unwahrscheinlich, wie aus der Quaerimonia Berengarii vicecomitis Narbonnensis hervorgeht. Dieser beschwerte sich darin vor dem Konzil über den Erzbischof seiner Stadt, der bereits von Papst Viktor und 120 Bischöfen als Simonist und wegen verschiedener anderer Vergehen verurteilt worden sei (quem tot malis novimus sceleratum, et a papa Victore cum 120 episcopis anathematizatum, et simoniacum, qui omnes ordines suos vendidit) (n. 1207). Die Praefatio der Synodalakten erwähnt daher auch kein päpstliches Mandat an diesen Prälaten, sondern sagt ausdrücklich, die beiden Beauftragten hätten sich mit diesem für die Synode verbunden (qui adiuncto sibi Wifredo ... Narbonnensi). Als weitere Teilnehmer der Synode sind neben den drei Erzbischöfen die Bischöfe Arnald von Toulouse, Bernhard von Béziers, Gunther von Agde, Arnald (von Lectoure; Lectoriensis in der Subskribentenliste für Ripoll), Bernhard von Agen, Raimund von Bazas, Arnald von Montpellier-Maguelone, Elfand von Apt, Petrus von Rodez, Froterius von Nîmes, Rostagnus von Lodève, Heraclius von Tarbes, Bernhard von Comminges, Bernhard von Couserans und Arnald von Elne (Arnaldus Tolosanus, Bernardus Biterrensis, Gontherius Agathensis, Arnaldus ..., Bernardus Aginnensis, Raimundus Vasatensis, Arnaldus Magalonnensis, Elfandus Aptensis, Petrus Ruthenensis, Froterius Nemausanensis, Rostagnus Lutevensis, Heraclius Bigorrensis, Bernardus Convenensis, Bernardus Consoranensis, Arnaldus Elnensis) aufgezählt. Die Urkunde für Ripoll weist darüber hinaus die Namen der Bischöfe Berengar von Gerona, Wilhelm von Urgel und Wilhelm von Vich auf, doch fehlen deren Rekognitionszeichen. Als Vertreter der weltlichen Macht ist Vizegraf Berengar von Narbonne erwähnt. Die Synode verabschiedete 13 Reformkanones, die sich mit der Simonie, dem Mindestalter von Klerikern, Zölibat, Ehebruch und Inzest, dem Amt der Äbte und Rechten von Laien befassen. Auch die Befassung des Konzils mit der Legitimität Erzbischof Wifreds von Narbonne ist aufgrund der Quaerimonia Berengarii anzunehmen. Das von der Synode ausgestellte Dokument zu Gunsten von Cluny bezeichnet die Synode ausdrücklich als concili(um) s. Romanae eccl. celebrato apud Tolosam urbem iubente papa Victore mense Sept. (Mansi, Conc. XIX 854). Von den Synodalen erwähnt dieses Dokument namentlich nur Bischof Arnald von Toulouse mit 17 weiteren Bischöfen; es unterstellt das Kloster Moissac (locus Moysiacensis, cui praeest Durannus abbas) mit allem Zubehör (mons Cabellus, Rocacitria, Villanova, villa s. Palladii, Daranellum, Moracus, Medituum) der Abtei Cluny (Cluniaco subditus). Die Urkunde für Kloster Ripoll ist ausgestellt von Raimballus s. Arelatensis eccl. archiepiscopus et Poncius archiepiscopus Aquensis, vicarii d. pape Victoris, Erzbischof Wifred von Narbonne sowie allen zur Synode versammelten Bischöfen. In dem Dokument kommt zum Ausdruck, dass das Konzil auf päpstlichen Wunsch stattfand (cum essemus apud urbem Tolosanam pro agenda synodo iussu d. pape Victoris congregati) und die Beschwerde des Klosters gegen Besitzübergriffe benachbarter Bischöfe dort vorgetragen wurde. Unter zweimaligem Verweis auf auctoritatem d. pape Victoris wird das künftig untersagt. In dem von Kehr auf Ende 1056 datierten Versprechen der Ermesindis versichert diese ihrem Enkel Raimund Berengar I. von Barcelona unter anderem, bis zum 1. August für die Aufhebung der gegen den Enkel und dessen Frau Almodis im Auftrag des Papstes bei der Synode von Toulouse verhängten Exkommunikation zu sorgen (ego ... faciam d. Reembaldum archiepiscopum Arelatensem et d. Guifredum archiepiscopum Narbonnensem soluere iam illam excommunicationem, quam fecerunt iussu predicti d. Victoris pape in Tolosana sinodo contra te ... Remundum comitem et contra ... comitissam Almodem ... usque ad festiuitatem s. Felicis Ierundensis).

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 1260, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1056-09-13_1_0_3_5_2_932_1260
(Abgerufen am 22.01.2017).