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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Der abgesetzte (nn. 327, 393, 540.10) Papst Benedikt IX. stirbt.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Marianus Scottus, Catal. pont. 1069 (MG SS XIII 78); Gli Inni sacri dell'egumeno Criptense Lucca VII egumeno di Grottaferrata in onore di S. Bartolomeo juniore (Giovanelli, S. Bartolomeo Juniore 85-112) 97, 112 (ital. Übersetzung des griechischen Texts); Alberich von Troisfontaines, Chr. (MG SS XXIII 787); Ann. Trudperti 1036 (MG SS XVII 289); Chr. minor minoritae Erfordensis (Holder-Egger, MG SS rer. Germ. 42/ 1899, 628); Chr. Angliae Petribrugense 1039 (Giles, SS monastici VIII 45); Jakob Twinger von Königshofen, Chr. (Hegel, Chr. der deutschen Städte IX 555). Reg.: . Lit.: Dresdner, Sittengeschichte 274; Mathis, Benedetto IX 548ff. Borino, Elezione 188, 388f.; Alexander Haggerty Krappe, An Italian Legend in Pierre Damian (The Romanic Review 15/1924, 94-99); Mann, Popes V 291ff.; Mann, Tombs of the Popes 25f., 114f.; Brezzi, Roma e l'impero 225; Santifaller, Reichskirchensystem 97,2(200); Giovanelli, Cronologia di S. Bartolomeo 68, 74f., 79, 83; Michel, Schisma und Kaiserhof 403; Brezzi, Aspetti della vita politica 125; Michel, Ecbasis 42; Germano Giovanelli, La data della morte di S. Bartolomeo il giovane confondatore e IV egumeno di Grottaferrata (Bollet. della badia greca di Grottaferrata NS 12/1958, 175-180); Giovanelli, S. Bartolomeo Juniore 187, 202, 211, 216f.; Halkin, Abdication de Benoît 236f.; Zimmermann, Papstabsetzungen 134; Herrmann, Tuskulanerpapsttum 164ff.; Luccicchenti, Benedetto IX passim; Krause, Über den Verfasser 62f.; Tomassetti/Chiumenti/Bilancia, Campagna IV 285, 302f.; Ghirardini, Benedetto 74f.; Sansterre, Rome et la papauté 537f.; Paolo Giannini, Grottaferrata (DHGE 22/1988, 388-396) 389; Borgolte, Petrusnachfolge 137; Cowdrey, Gregory VII 24; Engelbert, Heinrich III. und Sutri 234; Van Wijnendaele, Concile de Sutri 331f.; Parenti, Grottaferrata 120ff.; Benericetti, L'eremo 60f.

Kommentar

Die Quellen bieten kaum einen Hinweis zum Tod des ehemaligen Papstes. So teilt Alberich nur mit, dass er über den Pontifikat Gregors VI. (n. 324) hinaus gelebt habe, während das Chr. Petribrugense den Tod vor der Wahl Silvesters III. (n. 266) ansetzt und Jakob Twinger zum Jahr 1045. Marianus ordnet den Tod vor dem Pontifikat Damasus' II. ein, doch verwechselt er vermutlich Benedikt IX. mit Clemens II. Die Chr. minor minoritae Erfordensis berichtet vom Tod des Papstes Benedikt (IX.) und behauptet, er sei in Hamburg bestattet worden; dabei handelt es sich um eine Verwechslung mit Benedikt V. (Böhmer/Zimmermann, Papstregesten n. 384). Sind diese Daten bereits von vornherein abzulehnen, so ergibt sich auch aus der Urkunde Bischof Widos von Volterra, welche Mittarelli, Ann. Camaldulenses II 53 mit der Jahreszahl MXXXIIII ediert, kein Hinweis auf das Sterbedatum Benedikts IX. Da Wido erst 1042-1061 im Amt war, kann die Datierung nicht korrekt sein. Der Bischof führt eine Schenkung durch im Gedenken seiner Vorgänger, necnon pro anima Benedicti summi pontificis et universalis papae atque pro salute animae Conradi serenissimi imp. ... necnon pro salute Henrici gloriosissimi regis filii eius. Die korrekte chronologische Einordnung des Stückes müsste demnach zwischen dem Tod Konrads II. (4. Juni 1039) und der Kaiserkrönung Heinrichs III. Weihnachten 1046 (n. 331) und damit ebenfalls eindeutig vor dem Tod Benedikts IX. liegen (vgl. auch Bresslau, Konrad II 185). Ein Hinweis auf den Tod des abgesetzten Papstes ergibt sich aus den Hymnen Lucas von Grottaferrata auf den hl. Bartholomäus von Grottaferrata, wo behauptet wird, Benedikt IX. habe μονήρει βίω τοῦτον τελειωθῆναι (sein Leben als Mönch beendet) (vgl. n. 270). Angesichts dieser Dürftigkeit an Quellenmaterial bieten sich zwei Urkunden an, um das Datum des Todes zu erfassen; am 18. September 1055 hat Benedikt IX. noch eine Urkunde (mit) ausgestellt (n. 1224), während am 9. Januar 1056 seine Brüder Gregor, Petrus und Octavian (d. Gregorius, seu Petrus, nec non et Octabianum, german.) die Schenkung eines Gartens an S. Lorenzo bei S. Maria Maggiore für ihr eigenes, ihrer Eltern und v. a. auch ihres Bruders Benedikt Seelenheil (pro salute et redemptione anime d. Benedicto fratri nostro) durchführen (G. Ferri, Le Carte dell'archivio Liberiano dal secolo X als XV [ASRSP 27/1904, 147-202, 190). Daraus ist zu schließen, dass er jedenfalls am 9. Januar 1056 verstorben war. Inwiefern die insbesondere in der Quelle und neuzeitlichen Darstellungen aus Grottaferrata überlieferte Bekehrung und der Tod Benedikts IX. in diesem Kloster als Mönch den historischen Tatsachen entsprechen, muss dahingestellt bleiben. Nach den mehrfachen Versuchen (vgl. nn. 385, 386, †400, 521, 1156), das Papsttum wieder zu erlangen, sind jene Nachrichten (vgl. n. 270) eher skeptisch zu betrachten. Zudem wissen die frühen Grottaferrater Quellen zwar von der Bekehrung durch Abt Bartholomäus (n. 270), aber nichts vom Tod des ehemaligen Papstes als Mönch. Eine solche Tradition ist auch nicht mit der Aussage des Petrus Damiani zu vereinbaren, der erklärt, der ehemalige Papst habe bis zu seinem Ende in seinen Fehlern verharrt und das ewige Leben verwirkt (quam in eo usque ad vitae terminum perseverans, veram vitam funditus perdidisse: Brief 72 an Papst Nikolaus II. [Reindel, Briefe des Petrus Damiani, MG Briefe IV/2 327-336, 338]). Möglicherweise entstand die Legende von einem Leben Benedikts IX. als Mönch aufgrund seines im Kloster Grottaferrata befindlichen Grabmals (vgl. G. Piacentini, De sepulcro Benedicti IX pontificis maximo in templo monasterii Cryptae-Ferratae diatriba [Rom 1747]).Eine legendäre Erzählung über den Tod bzw. vielmehr das Nachleben Benedikts IX. ist weitaus umfangreicher verbreitet, als Nachrichten über den historischen Tod des Papstes. Petrus Damiani hat die Geschichte als Beleg für seine Aussage, der verstorbene Tuskulanerpapst sei der ewigen Verdammnis anheimgefallen, erstmals aufgezeichnet, die in der Folge von zahlreichen Autoren in unterschiedlichem Umfang aufgegriffen wurde: Petrus Damiani, Brief 72 an Papst Nikolaus II. (1059 Dez. 1061 Juli) (Reindel, Briefe des Petrus Damiani, MG Briefe IV/2 327-336, 337); Honorius Augustodunensis, Elucidarius (III 30: Degli Innocenti 193; III 8); Alberich von Troisfontaines, Chr. 1046 (MG SS XXIII 787); Martin von Troppau, Chr. (MG SS XXII 433); Flores temp. pont. (MG SS XXIV 245); Ricobald von Ferrara, Hist. pont. Rom. 1032 (Muratori, SS rer. Ital. IX 174); Tholemäus von Lucca, Hist. eccl. XVIII 20 (MG SS XXXIX 418); Leo Urbevetanus, Chr. Pont. (Lami, Delicie II 177); Paulinus Minorita, Speculum (Muratori, Antiquitates IV 961); Amalricus Augerius, Chr. pont. (Muratori, SS rer. Ital. III/2, 340f.); Flores Hist. 1033 (Luard, SS rer. Brit. 95/1 555f.); Andrea Dandolo, Chr. (Pastorello, SS rer. Ital. XII/1 211); Johann von Viktring, Liber Hist. (Schneider, MG SS rer. Germ. 36/1, 1909, 71); Ranulf Higden, Polychr. (Lumby, SS rer. Brit. 41/7 132); Eulogium hist. (Haydon, SS rer. Brit. 9/1 260); Jean des Preis (Outremeuse), Myreur II (Brognet IV 252); Jakob Twinger von Königshofen, Chr. (Hegel, Chr. der deutschen Städte IX 555); Androw of Wyntoun, Orygynale Cronykil of Scotland VI 15 (Laing II 115); Dietrich Engelshus, Chr. (Leibniz, SS rer. Brunswic. II 1084); Johannes Rothe, Düringische Chr. 251 (Liliencron 195); John Capgrave, Chr. (Hingeston, SS rer. Brit. I 124); Thomas Ebendorfer, Chr. pont. Rom. (Zimmermann, MG SS rer. Germ. NS 16/1994, 325); Thomas Ebendorfer, Tractatus de schismatibus (Zimmermann, MG SS rer. Germ. NS 20/2004); Platina, Liber de vita Christi (Gaida, SS rer. Ital. III/1, 1932, 181); Hartmann Schedel, Weltchr. fol. 185v; Werner Rolevinck, Fasciculus temp. (Pistorius/Struve, SS rer. Germ. II 539); Jean Lemaire, Traict des Schismes (Stecher III 327); Johannes Naucler, Memorabilium (II fol. 152v). Petrus Damiani erklärt, er habe die Geschichte von Humbert (von Silva Candida) gehört, der zufolge ein Mann bei einer Mühle ein Monstrum erblickt habe (repente monstrum immane conspexit, quo visus subitus eum terror invasit et stupefactus intremuit). Das Geschöpf habe Ohren und Schwanz eines Esels, ansonsten jedoch den Anblick eines Bären gehabt (monstrum illud in aures dumtaxat aselli caudamque desinere, caetera ursus erat). Als der Reisende angesichts dieser erschreckenden Gestalt die Flucht ergreifen wollte, habe das Ungeheuer ihn aber in menschlicher Sprache angesprochen: Noli, inquit, o vir, expavescere, hominem me olim fuisse sicut et ipse nunc es, proculdubio crede. Es sei einst ein Mensch gewesen, doch weil es viehisch gelebt habe nun, nach seinem Tod, zurecht zu einem Leben als Ungeheuer verdammt (quia bestialiter vixi, post vitae finem bestiae perferre speciem merui). Auf die Frage, wer er denn gewesen sei, antwortete der als Bestie Bestrafe: Ego, ait, ille solo nomine Benedictus fui, qui nuper apostolicae sedis apicem indignus optinui. Der ehemalige Papst Benedikt (IX.) erklärte dem fragenden Wanderer weiter, er sei dazu verdammt, bis zum jüngsten Gericht in dieser Gestalt zu vegetieren, danach aber sei er mit Leib und Seele zu ewiger Verdammnis verurteilt (Nunc quidem, inquit, usque ad iuditii diem per dumnosa atque squalentia, per sulphurea loca et fetores exhalantia atque incendiis conflagrata, raptor et pertrahor. Post extremum vero iuditium corpus meum simul et animam inremedabilis cruciatus et gehennalis barati me inrevocabilis olla degluciet, ita ut nulla mihi recuperationis spes in posterum restet). Diese Geschichte steht nicht nur in schärfstem Kontrast zu der Grottaferrater Erzählung vom frommen Ende des Papstes, sondern sie bietet, insbesondere auch in Zusammenschau mit der entsprechenden Überlieferung zum Nachleben Benedikts VIII. (nn. 115, 116, 117), einen bemerkenswerten Anhaltspunkt dafür, wie die Reformer die Tuskulanerpäste sahen.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 1225, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1055-09-19_1_0_3_5_2_897_1225
(Abgerufen am 26.03.2017).