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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst (Viktor II.) erhält einen Brief Kaiser Heinrichs III. mit dem Auftrag, Kardinal Friedrich (von Lothringen) gefangen zu nehmen und an ihn auszuliefern.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Leo Marsicanus, Chr. Casinensis II 86 (MG SS XXXIV 336); Hermann Corner, Chr. novella (Eckhart, Corp. Hist. II 592). Reg.: . Lit.: Tosti, Storia di Montecassino I 206; Will, Restauration II 27; Will, Viktor II. 199; Robert, Étienne X 57; Steindorff, Heinrich II 312; Wattendorff, Stephan IX. 18; Robert, Pape belge: Étienne X 17f.; Davidsohn, Florenz I 206; Kehr, Scrinium 85f. (ND Ders., Ausgewählte Schriften 145f.); Dupréel, Godefroid le Barbu 67; Fliche, Réforme I 171; Mann, Popes VI 190; Kehr, Vier Kapitel 58 (ND Ders., Ausgewählte Schriften 1252); Bulst-Thiele, Agnes 65; Tellenbach, Libertas 129, 223; Santifaller, Elenco 152; Wühr, Wiedergeburt Montecassinos 439f.; Boshof, Lothringen, Frankreich und das Reich 107; Erkens, Trier 133; Frech, Deutsche Päpste 313; Goez, Beatrix von Canossa 23f., 149ff.; Johrendt, Reisen der Reformpäpste 89; Bayer, Spaltung der Christenheit 121; Hägermann, Papsttum am Vorabend des Investiturstreits 9, 17, 19.

Kommentar

Im Sommer 1054 hatte Herzog Gottfried von Lothringen, mehrfach als Reichsfeind verurteilt (vgl. nn. 566, 581), Beatrix, die Witwe des Markgrafen Bonifaz von Tuszien, geheiratet. Der Versuch, die tendenziell gegen das Reich gerichteten Auswirkungen dieser Verbindung zu minimieren, war die wichtigste Ursache für den Italienzug Heinrichs III. im Jahr 1055. Während sich Herzog Gottfried durch Flucht nach Lothringen entzog, unterwarf sich Beatrix mit ihrer Tochter Mathilde Anfang Juni 1055 dem Kaiser in Florenz (n. 1217). Der Zorn des Herrschers richtete sich aber auch gegen den Bruder des Herzogs, Friedrich von Lothringen, Kanzler der römischen Kirche (so auch Sigebert von Gembloux, Chr. 1059 [MG SS VI 360]). Friedrich hatte beim Tod Leos IX. die römische Gesandtschaft nach Byzanz angeführt (n. 1133) und war vermutlich im Spätsommer oder Herbst 1054 mit einem großen Geldbetrag (Leo Marsicanus: ingentem valde pecuniam) nach Italien zurückgekehrt, wo er jedoch zunächst in Gefangenschaft des Grafen Trasmund von Chieti geriet (n. 1285). Leo Marsicanus berichtet von einem Schreiben des Kaisers, der scripserat apostolico, ut illum (Fridericum) capere, festinanterque sibi studeret transmittere. Wann das Schreiben chronologisch anzusetzen ist, geht aus der Quelle nicht hervor, die Kenntnis über die Rückkehr Friedrichs von der Gesandtschaft ist vorausgesetzt. Da die Anweisung aber schriftlich erfolgte, sollte der Brief vor dem Treffen des Kaisers mit dem Papst in Florenz datiert werden. Friedrich hielt nach der Darstellung der Chronik von Montecassino in Rom heimlich Rücksprache mit Abt Richer und wurde dann Mönch in dem Kloster, ging später vor dem Zorn des Kaisers gar in das Inselkloster Tremiti. Hermann Corner berichtet ebenfalls von einem Brief des Kaisers an den Papst, allerdings gegen den Herzog Gottfried, nicht gegen dessen Bruder gerichtet. Darin habe der Kaiser für das kommende Jahr eine Italienfahrt angekündigt. Da aber Bischof Gebhard von Eichstätt zu seiner Inthronisation als Viktor II. nur kurze Zeit vor Heinrich III. (für die Italienfahrt) in Regensburg aufgebrochen ist, kann der von Hermann Corner wiedergegebene Inhalt des Briefes so nicht zutreffen.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 1213, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1055-04-00_4_0_3_5_2_885_1213
(Abgerufen am 10.12.2016).