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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Viktor (II.) schickt Hildebrand als Legaten zur Abhaltung von Synoden nach Gallien.

Überlieferung/Literatur

Erw.: (1) Petrus Damiani, Brief 72 (1059 Dez. – 1061 Juli) (Reindel, Briefe des Petrus Damiani, MG Briefe IV/2 326-366, 344f.); Desiderius von Montecassino, Dialogi III 5 (MG SS XXX/2 1148); Bonizo von Sutri, Liber ad amicum VI (Dümmler, MG Ldl I 592); Alexander von Canterbury, Liber ex dictis b. Anselmi 28 (Southern/Schmitt 215f.); Bruno von Segni, Libellus de simoniacis (Sackur, MG Ldl II 548f.); Wilhelm von Malmesbury, Gesta reg. Angl. II 265 (Mynors/Thomson/Winterbottom I 488); Paul von Bernried, Vita Gregorii VII 17 (Watterich, Vitae I 479f.); Flandria generosa (MG SS IX 320); Boso, Vitae Rom. pont. 157 (Duchesne II 356f.); Helinand von Froidmont, Chr. 1055 (Migne, PL 212, 952); Albert Milioli, Liber de temp. (MG SS XXXI 427); Salimbene, Chr. 1249 (MG SS XXXII 323); Jacobus de Voragine, Chr. civitatis Januensis (Monleone, FSI 85, 293ff.); Jacobus de Voragine, Legenda Aurea 181 (Graesse 842); Nicolaus Roselli, Vita Stephani IX papae (Muratori, SS rer. Ital. III/1 300); Ancienne Chr. de Flandre (De Smet, Recueil des Chr. de Flandre II 41); vgl. Mansi, Conc. XIX 837f. (2) Notitia über die Schenkung der Kirche Épinouze (Spinosa) (Chevalier, Cartulaire 125). (3) Urkunde für St-Pierre in Vienne (Gall. Pont. III/1 207 n. 2) (Ulysse Chevalier, Cartulaire de St-Andréle Bas de Vienne [Lyon 1869] 264ff.). Reg.: (1) Mas Latrie, Trésor de chronologie 1281; Martin, Bullaire de Lyon 73 n. 269 und 615 n. 2672; Pontal, Conciles de la France 166ff. (2. 3) Rivaz, Diplomatique de Bourgogne II 41 n. 95; Martin, Bullaire de Lyon 73 n. 270; 615 n. 2673; Chevalier, Régeste dauphinois I 326 n. 1915, 1916; Diener, Itinerar Hugos von Cluny 359 n. 23; Kohnle, Abt Hugo 293 n. 35; Gall. Pont. III/1 271 n. *15; Gall. Pont. III/1 126 n. *155; Gall. Pont. III/1 340 n. *9. Lit.: Bouche, L'histoire chronologique de Province II 74; Gall. chr. III 1069; Gall. chr. IV 163, 236, 255, 451, 459f.; Höfler, Deutsche Päpste II 256ff.; Gall. chr. XVI 229f., 302f., 515, 551; Will, Restauration II 64; Sauret, Embrun 70f.; Robert, Étienne X 69ff.; Delarc, Pape alsacien 484ff.; Perrossier, Recherches sur les évêques (15/1881) 38f., 243, 253ff., 367; Fornier, Alpes maritimes I 640ff., 651; Robert, Pape belge: Étienne X 42ff.; Hefele/Leclercq, Hist. des Conc. IV/2 1120ff.; Guggenberger, Deutsche Päpste 77; Schwarz, Investiturstreit 267; Fliche, Réforme I 166; Mann, Popes VI 192f.; Schieffer, Legaten 55ff.; Michel, Folgenschwere Ideen 73; Borino, Quando e dove 227; Violante, Pataria 201; Haller, Papsttum II 308; Franciscus Salesius Schmitt, Neue und alte Hildebrand-Anekdoten aus den "Dicta Anselmi" (SG 5/1956, 1-18) 7ff., 16f.; Alberic Stacpoole, Hugh of Cluny and the Hildebrandine Miracle Tradition (RevBén. 77/1967, 341-363) 347, 351f., 356ff.; Palazzini, Dizionario dei concili I 278; Boelens, Klerikerehe 137; Berschin, Bonizo 96; Humbert, Embrun 98; Lucchesi, Vita di S. Pier Damiani I 95ff.; Fois, Cardinali vescovi 93; Robinson, Friendship Network 6f.; Aubert, Guiniman (DHGE 22/1988) 1104; Stürner, Papstwahldekret 171; Grégoire, Dialoghi di Desiderio 220; Kohnle, Abt Hugo 77ff.; Freund, Literarische Wirksamkeit 47f., 53; Kohnle, Abt Hugo 80; Hiestand, Légats en France 57; Pontal, Conciles de la France 167; Weiss, Urkunden der Legaten 18f.; Schilling, Guido 53, 87, 160, 181, 196f.; Cowdrey, Gregory VII. 32f.; Blumenthal, Gregor VII. 77f.; Galland, Bourgogne 93; Schieffer, Papsttum und mittelalterliche Welt 376f.; Cantarella, Il sole 330; Mazel, Amitié et rupture de l'amitié 67; Benericetti, L'eremo 77; Melve, Intentional Ethics 82f.; Foulon, Relations 31; Foulon, Église et réforme 95.

Kommentar

Petrus Damiani hat erstmals die Geschichte überliefert, derzufolge Hildebrand im Rahmen eines Konzils (Erz) Bischof (Hugo) von Embrun durch ein von Heiligen Geist gewirktes Wunder der Simonie überführt und diesen zusammen mit fünf weiteren Bischöfen abgesetzt habe (darunter vermutlich Bischof Ripert von Gap) und die in späterer Zeit in mehreren Varianten wiedergegeben wurde. Damiani hat nach seiner Darstellung die Geschichte von Hildebrand selbst gehört, der a Victore papa apocrisarius ad Gallias destinatus sinodum congregavit, in qua sex episcopos ... ex apostolicae sedis auctoritate deposuit. Inter quos quidam erat episcopus, qui ... per simoniacam haeresim ad episcopatus culmen irrepserat, Spiritum s. verbis exprimere ... non valebat. Hier ist zum einen der beauftragende Papst, zum anderen der grobe Verlauf des Geschehens ohne Nennung des Ortes – nur das Land ist angeführt – oder der abgesetzten Bischöfe genannt. Auch Desiderius und Bonizo geben an, die Geschichte von Gregor VII. persönlich gehört zu haben. Desiderius benennt den Ort des Geschehens ebenfalls nur als Gallia, während Bonizo die Synode in der Provinz Lyon, Paul von Bernried, der als seine Quelle Papst Calixt II. angibt, in der Stadt Lyon selbst stattfinden lässt; als Bischof, welcher durch die Unfähigkeit, den Namen des Heiligen Geistes innerhalb des Gloria auszusprechen, als Simonist überführt wird, nennt Bonizo Erzbischof (Hugo) von Embrun. Die in zwei Rezensionen überlieferten Dicta Anselmi unterscheiden sich bezüglich dieser Episode in starkem Maß. Gibt die erste Version den Abt Hugo von Cluny als Gewährsmann an und lässt die wundersame Überführung des Simonisten durch Leo IX. selbst auf einer Synode gewirkt sein: Leonis [papae] tempore ... idem ... papa generale concilium celebraret ..., so gibt die zweite Version, für welche Anselm von Canterbury als Gewährsmann genannt ist, Hildebrand als agierende Persönlichkeit an, allerdings auf einer von Alexander II. in Gallien veranstalteten Synode, welcher der Papst persönlich präsidiert haben soll. Diese Einordnung ist jedoch von vornherein auszuschließen, da der Brief des Petrus Damiani mit der ersten Nennung des Vorfalles an Nikolaus II. gerichtet ist, und somit nicht auf in der Amtszeit Alexanders II. geschehenen Ereignissen basieren kann. Entsprechend der ersten Version berichtet jedoch auch Bruno von Segni den Vorfall zu einem Konzil Leos IX. und lässt auch diesen dabei handeln; er verbindet die Geschichte mit seiner Darstellung der Synode von Reims 1049 (vgl. nn. 623.4, 626.5). Ähnliches ist auch bei der Flandria generosa und der Ancienne Chr. de Flandre zu beobachten. Gemäß den ältesten Quellen ist dieser Überlieferungsstrang jedoch vermutlich abzulehnen und der Vorfall einer von Hildebrand als Legat Viktors II. durchgeführten Synode zuzuordnen. Boso weist den Vorfall dem Pontifikat Stephans IX. zu. Ohne chronologische Einreihung erzählt Salimbene von der Legation Hildebrands, der apud Lugdunum einen Erzbischof von Embrun überführt habe. Ohne Angabe des Ortes berichtet Jacob von Voragine dasselbe in seiner Chronik, während er in der Legenda aurea auch den Ort nennt. Die Nennung Erzbischof Hugos von Embrun als abgesetzter Simonist ist glaubwürdig, auch wenn Damiani von einem Bischof spricht; eine exakte Terminologie erfordert die Anekdote in seiner Schilderung nicht. Zudem stimmt diese Situation mit der Darstellung Viktors II. in seinem Privileg für Embrun überein, dessen Kirche durch schlechte Bischöfe verwahrlost sei (vgl. n. 1306). Der Nachfolger Hugos, Winiman, wurde von Viktor II. geweiht (vgl. n. 1305), trat aber nach Angabe Perrossiers 1056, schon vor seiner Weihe, im Chartular von Oulx als Bischof auf. Demnach ist die Synode, auf welcher sein Vorgänger abgesetzt wurde, zeitlich auf die Jahre 1055-1056 einzugrenzen, da in den Quellen ein Datum nur mit dem Hinweis, dass Viktor II. der Auftraggeber der Legation war, genannt ist; genauere Angaben in der Literatur lassen sich nicht verifizieren (Robert, Pape belge: Étienne X 42ff. geht wegen der Legationsreise Hildebrands nach Frankreich im Pontifikat Stephans IX. [nn. 1352, 1353, 1384] davon aus, dass die Synode in dessen Amtsjahre fiel). Damiani berichtet außerdem, bei derselben Synode seien 6 Bischöfe, also neben Erzbischof Hugo fünf weitere, abgesetzt worden, Bonizo nennt gar die Zahl von 18. Sicher ist der älteren und besseren Quelle, nämlich Damiani hierin Glauben zu schenken. Einer dieser abgesetzten Bischöfe ist vermutlich Ripert von Gap, von dem Alexander II. berichtet, er sei a praedecessoribus nostris iuste depositum (JL 4536, Albanés, Gall. chr. novissima Instr. 277), vgl. n. 1330. Bis in die Zeit dieses Papstes konnte er sich in seinem Amt halten. Falls die Absetzung des Erzbischof Hugos bei dieser Synode anzunehmen ist, kann auch vom Beginn der Wahlhandlungen für Erzbischof Winiman hier ausgegangen werden. Einen anderen Ort als Lyon bzw. die Provinz Lyon gibt keine der Quellen an; dennoch möchte Schieffer, Papsttum und mittelalterliche Welt (wie schon Schieffer, Legaten) die Ereignisse dieser Synode dem Konzil von Chalon-sur-Saône (vgl. unten) zuordnen und darin die von den Quellen erwähnte Versammlung in der Kirchenprovinz Lyon erblicken; allerdings verbietet nichts, mit den späteren Quellen die Abhaltung einer weiteren Synode in Lyon selbst anzunehmen (Paul). Pontal, Conciles de la France führt als Legatenkonzile Hildebrands unter Viktor II. neben einer Synode in Lyon (166) jene von Chalon-sur-Saône (167) und noch eine weitere in Embrun an (168) – allerdings mit einem Fragezeichen versehen. – Mit Sicherheit auf eine Legatensynode in Chalon-sur-Saône ist die (2) angeführte Urkunde zu beziehen. In dem Dokument wird der einzig überlieferte Verhandlungsgegenstand einer um den 13. Februar 1056 tagenden Synode erwähnt, die Besitzstreitigkeit um die Kirche von Épinouze (quadam eccl. in loco qui dicitur Spinosa, condita in honore D. nostri Jesu Christi, sub veneratione s. Bernardi Viennensis eccl. archiepiscopi dedicata, in comitatu Lugdunensi e regione Ansae oppidi, secus fluvium Arariam). Diese hatte ein Galterius Ugoni filius widerrechtlich usurpiert und gibt sie nun, zusammen mit seiner Frau und seinen Söhnen bis auf einige zu Weihnachten zu leistende Abgaben, der Kirche von Romans (D. Vienne) zurück. Das Dokument ist abgezeichnet von diesem Walter und seinen Söhnen Adelardi ... Stephanus ... Ugonis ... Gualteri. Bei den unmittelbar folgenden Unterschriften dürfte es sich vermutlich um Kanoniker von Romans handeln: Durandi ... Rolani ... Stephani ... Ebrardi. Als Zeugen (und somit wohl Teilnehmer an der Synode) fungieren in dem Dokument die Erzbischöfe Humbert von Lyon, Leodegar von Vienne, Aimo von Bourges, und Bartholomäus von Tours sowie die Bischöfe Guido von Chalon-sur-Saône, Eusebius (Bruno) von Angers, Martin (von Tréguier), Martin von St-Malo, Martin von Le Mans, Artald von Grenoble, Pontius von Valence, Petrus von Dié, Gerald von Viviers (Umbertus Lugdunensis ... Leutgarius Viennensis, Aimo Bituricensis, Bertholomaeus Turonensis. Item Wido Cabilonensis, Eusebius Andegavensis, Martinus Auximorum, item Martinus Dialetum, item Martinus Coenomannicorum, Artaldus Gratianopolitanus, Poncius Valentinus, Petrus Diensis, Geraldus Vivariensis). Die Teilnahme Kardinal Hildebrands an der Synode und die Tatsache, dass dieser die Versammlung als päpstlicher Legat leitete, ergibt sich aufgrund der Datierung: Data per manus Petri s. Viennensis eccl. canc. in concilio Cabilonensi, cui praefuit Aldebrannus S.R.E. apocrisarius. Die (3) angeführte Urkunde, welche genannte Besitzungen des Klosters St-Pierre am südlichen Stadttor von Vienne unter Abt Guitger (industria Guitgerii eiusdem cenobii abbatis) in der Gegend von Vienne und Grenoble (in pago Viennensi atque Gratianopolitano) bestätigt, verweist nicht auf die Synode von Chalon und ist auch ohne Datum überliefert. Allerdings gibt es in der Unterschriftenliste dieser Bestätigung so viele Überschneidungen mit jener für Épinouze, dass eine anderweitige Ausstellung schwer vorzustellen ist. Abweichend von älteren Autoren, die aufgrund dieser Urkunde eine von Hildebrand geleitete Synode in Vienne im Jahr 1055 postuliert hatten, hat erst Chevalier erkannt, dass beide Dokumente vermutlich auf derselben Synode ausgestellt sind. Dieses Dokument trägt die Unterschriften Hildebrands, der hier sogar als Papstvikar unterschreibt, der Erzbischöfe Humbert von Lyon, Leodegar von Vienne, Bartholomäus von Tours und Aimo von Bourges, der Bischöfe Pontius von Valence, Artald von Grenoble, Petrus von Dié, Gerald von Viviers, Martin von Tréguier, Rainald von St-Malo und Bruno von Angers sowie der Äbte Hugo von Cluny, Sufred von St-Pierre in Chalon, Dalmatius von Savignac, Hubert von Ilede-Barbe bei Lyon, Gerald von Aisnay, eines Abts Barnard, Raimunds von Dole, Odos von Flavigny, Richards von St-Rambertde-Joux und Aimos von St-Martin in Autun (Helibrandus, quamvis indignus d. mei pape II Victoris vicarius ... Humbertus ... Lugdunensis ... Lieutardus ... Viennensis ... Bartholomeus ... Turonensis ... Aymo Bituricensis ... Pontius Valentinensis ... Artaldus Gratianopolitanus ... Petrus Diensis ... Geraldus Vivariensis ... Martinus Tregarensis ... Rainaldus Alatensis ... Bruno Andegavensis ... Ugo abbas Cluniacensis ... Sufredus ... s. Petri Cabilonensis ... Dalmacius Sapiniensis ... Hubertus Insule Barbarensis ... Geraldus Athaneacensis ... Barnardus abbas ... Raymundus Dulensis ... Oddo Flaviacensis ... Richardus Jurensis ... Aimo Augustodunensis) Im Dokument für St-Pierre fehlt die Unterschrift des Bischofs von Chalon und jene Martins von Le Mans – dessen Benennung indessen problematisch ist. Bis 1055 war Gervasius (vgl. nn. 1188, 1227), seit 1057 Wulgrin dort Bischof – ; die Bischöfe von Angers und St-Malo sind unterschiedlich benannt; so heißt der von Angers einmal Bruno, einmal Eusebius (vgl. aber nn. 611, 622.3, 718, etc.), der von St-Malo Martin bzw. Rainald. Wie beim ersteren ist auch bei diesem ein Doppelname nicht auszuschließen, doch war Rainald (1062-1081) der Nachfolger Martins (1054-1056). Die Teilnehmer der Versammlung ergeben sich aus den beiden Listen. Andere Verhandlungsgegenstände sind nicht überliefert. Die Tatsache, dass Hildebrand von Viktor II. zu verschiedenen Synoden geschickt wurde, memoriert Manegold, Liber ad Gebehardum (Francke, MG Ldl I 329f.) mit dem Hinweis: Victor ... pro diversis causis per diversas urbes atque provincias ad diversas gentes (Hildebrandum) direxere... Gall. Pont. III/1 271 n. *15 vermutet, dass bei dieser Synode der Kanoniker Winiman von Romans zum Erzbischof von Embrun gewählt wurde, vgl. aber n. 1205 (Synode Lyon).

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 1205, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1055-00-00_36_0_3_5_2_877_1205
(Abgerufen am 25.07.2017).