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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo IX. nimmt aufgrund einer von Abt Meginher bei der Lateransynode (n. 1149) vorgetragenen Bitte (habita ... synodo et multorum ... coepiscoporum nostrorum conventu Romae in eccl. Laterananesi Meginherus Herolfesfeldensis abbas ... postulavit a nobis) dessen Kloster Hersfeld an der Fulda in Hessen (monasterium bb. apostolorum Symonis et Iude et b. Wigberti confessoris situm iuxta fluvium, cui Fulda nomen est, in Pago Hassie) (D. Mainz) in die alleinige Jurisdiktionsgewalt des apostolischen Stuhles (sub iurisdictione s. nostre eccl. ... constitutum nullius alterius eccl. dicionibus summittatur), verleiht das Recht der freien Abtwahl (sancimus ... constituimus fratres eiusdem monasterii ... abbatis eligendi liberam ... habeant potestatem), verbietet die Ausübung priesterlicher Funktionen im Klostergebiet ohne Erlaubnis des Abts (sacerdotem ... dicionem aliquam habere ... prohibemus ... ut, nisi ab abbate ... fuerit invitatus) und erlässt für die Klosterbesitzungen ein Perturbations und Alienationsverbot.

Originaldatierung:
Dat. pm. canc. et bibl. SSA Herimanni Coloniensis archiepiscopi a. VI d. Leonis IX papae, ind. VII.
Incipit:
Si semper sunt concedenda, que ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: . Kop.: 1) 1370 Juni 8, Marburg, StArch., M I; 2) Ende 12. Jh., Marburg, StArch., Abt. Hss. K. 244 fol. 4 (fragm.). Drucke: Brackmann, PUU des Nordens 121 (ND Ders., PUU in Deutschland 89); Hans Weirich, Die Überlieferung des Privilegs Leos IX. für Hersfeld (MIÖG 50/1936, 199-204) 201; Hans Weirich, UB der Reichsabtei Hersfeld I (Veröffentlichungen der historischen Kommission für Hessen und Waldeck XIX [Marburg 1936]) 181; Jasper, Konzilien (MG Concilia VIII) 325. Reg.: Santifaller, Elenco 377; GP IV 280 n. 9 (1054 [April 17]); GP VII 58 n. 149; GP VII 56 n. 144. Lit.: Schum, Originale päpstlicher Bullen für Nienburg 624; Bloch, Klosterpolitik 215ff.; Goetting, Exemtion 165ff.; Santifaller, Elenco 148f.; Hirsch, Päpstlicher Schutz 415f.; Konrad Lübeck, Die kirchliche Rechtsstellung der Reichsabtei Hersfeld im Mittelalter (ZRG Kan. Abt. 34/1947, 271-318) 297ff.; Wehlt, Reichsabtei 183; Dahlhaus, Rota 19, 43f.; Legl, Grafen von Dagsburg-Egisheim 47; Munier, Léon IX 66; Dahlhaus, Urkunde, Itinerar und Festkalender 8; Jasper, Konzilien (MG Concilia VIII) 322ff.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Brackmann, PUU des Nordens 115 (ND Ders., PUU in Deutschland 83), GP und Jasper, Konzilien (MG Concilia VIII) 324. Der Papst, der selbst Schüler Albuins in Hersfeld gewesen sein soll (laut einem Rückvermerk auf der Kopie: iste Leo studens fuit in monasterio tempore, quo rexit ibidem ... Albewinus; vgl. auch die Randglosse zu Frutolf, Chr. [MG SS VI 196 Anm. n. 2] und eine Notiz der Gesta ep. Halberstadensium [MG SS XXIII 95]; Tilman Struve, Zur Geschichte der Hersfelder Klosterschule im Mittelalter [DA 27/1971, 530-543] 538, Zielinski, Reichsepiskopat 88, Erkens, Trier 121), stellte dieses Privileg in fast wörtlicher Wiederholung einer Vorurkunde Johannes' XIII. (968 Jan. 2) (JL 3723; GP IV 279 n. 6; Böhmer/Zimmermann, Papstregesten n. 437) (Zimmermann, PUU I 364) mit Hilfe der Formeln 77 und 86 des Liber Diurnus aus. Nach Aussage des Transsumts war das Original auf Papyrus geschrieben. Gegenüber der Vorurkunde fehlt allein der kaiserliche Einmischung im Kloster verbietende Textabschnitt, wohl aus Rücksicht gegen Heinrich III.; eine grundsätzlich neue Klosterpolitik (Goetting) lässt sich daraus nicht ableiten. Der Urkunde fehlt eine kanzleigemäße Adresse und auch die Datumszeile, ausgestellt auf Erzbischof Hermann von Köln als Kanzler (nicht Erzkanzler), ist befremdlich. Das Fehlen der Adresse erklärt sich allerdings aufgrund der Vorurkunde. Abt Meginher (1036-1059) befand sich im April 1054 mit seinen Kollegen Albuin von Nienburg und Egbert von Fulda in Rom (vgl. nn. 1153, 1154; GP IV 280 n. 9; und GP IV 383 n. 75) und erbat sich auf der (von Dahlhaus aus dem Privileg erschlossenen) Lateransynode die Urkunde. Allerdings findet sich der Passus hinsichtlich der Synode ebenfalls in der Vorurkunde – jedoch mit der Ortsangabe St. Peter. Das Original wurde 1370 transsumiert, weil sich der Papyrus schon damals in schlechtem Zustand befand. Die auffällige Datierung – ohne Tages und Monatsangabe – sowie durch den (Erz) Kanzler, Erzbischof Hermann, erklärt sich aus der Tatsache der Abwesenheit des Kanzlers Friedrich von Lothringen (vgl. n. 1133) und der gleichzeitigen Anwesenheit Hermanns in Rom (Dahlhaus) und findet sich ebenso in nn. 1153, 1154. Das Datum ist festgelegt im Anschluss an Dahlhaus' Ansicht, der aufgrund der Datumszeile einen Termin zwischen 1054 Febr. 12 und April 19 annimmt und aus der Überlegung, eine Lateransynode habe am 2. Sonntag nach Ostern, dem 17. April, stattgefunden, zu seiner Datierung gelangt.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 1152, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1054-04-17_4_0_3_5_2_824_1152
(Abgerufen am 26.03.2017).