Regestendatenbank - 176.571 Regesten im Volltext

RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

Sie sehen den Datensatz 820 von insgesamt 1068.

Papst Leo IX. hat eine Vision, durch die er über seinen bevorstehenden Tod informiert wird.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Vita Leonis IX (Wibert-Vita) II 26 (14) (Krause, MG SS rer. Germ. 70/2007 238); Epitaph Leos IX. (Dümmler, Gedichte aus dem 11. Jahrhundert 176; Vogeleis, S. Leo 25f.); Libuin, De obitu s. Leonis IX (Watterich, Vitae I 171f.); De obitu s. Leonis papae IX 2 (Migne, PL 143, 505-510, 506); Historia mortis s. Leonis I 2 (Migne, PL 143, 525-542, 526f.); Vita Leonis IX II 2 (Poncelet 289); Vita Leonis IX (Borgia II 325f.); Bruno von Segni, Libellus de simoniacis (Sackur, MG Ldl II 550f.); Chr. de Ferraria (1228) (Gaudenzi 14). Reg.: . Lit.: Höfler, Deutsche Päpste II 204; Hunkler, Leo IX. 268; Will, Restauration I 137; Brucker, L'Alsace II 364, 366; Heinemann, Geschichte der Normannen 150f.; Martin, Saint Léon 185f.; Stieve, Vita s. Leonis 29; Stein, Deutsche Heilige 33; Mann, Popes VI 176; Alfaric, Pape alsacien 68; Erdmann, Kreuzzugsgedanke 111; Bachelard, Dabo 122; Garreau, Saint Léon IX 156; Miccoli, Chiesa Gregoriana 17; Brakel, Heiligenkulte 273, 292; Horwege, Bruno von Egisheim 127; Cowdrey, Deathbed Testaments 705; Flori, Guerre sainte 630ff.; Paravicini Bagliani, Leib des Papstes 105f.; Goullet, Vie de Léon IX 199; Rapp, Léon IX, ébauche d'un portrait 56f.; Sibilio, Battaglia di Civitate 5ff.; Taviani-Carozzi, Léon IX et les Normands 303, 308ff.; Frech, Die vielen Tode 124f.; vgl. Wittmer-Butsch, Bedeutung von Schlaf und Traum 269ff. und passim.

Kommentar

Der als Wibert bezeichnete Hagiograph berichtet in der Vita Leos IX., der hl. Petrus sei dem Papst im Lateranpalast (commoratus in Lateranensi palatio) in Anerkennung von dessen Mühen um die Kirche erschienen, habe ihm seine baldige Abberufung in den Himmel offenbart und mitgeteilt, dass er nur in der Nähe des Petrusheiligtums, also wohl des Petrusgrabes im Vatikan, sterben könne: b. Petrus, non immemor diutini sudoris, quo sibi in regendo ovili eccl. affuerat ... divina itaque revelatione est edoctus quod non alias eum remaneret carnis resolutio, nisi in locis b. Petri vicinis oratorio. Auf eine Petersvision angespielt ist auch im Epitaph des Papstes mit den Worten: In visu Petri mutatus in arce palacii. Datieren lässt sich diese Vision allerdings nicht genau, sondern nur auf die letzten Lebenstage des Papstes, doch ergibt sich die zeitliche Einordnung aufgrund der in den anderen Viten geschilderten parallelen Erzählung. Diese anderen Lebens bzw. Sterbeschilderungen Leos IX. (Poncelet-Vita, Libuin, Borgia-Vita und Bruno von Segni) berichten übereinstimmend, der Papst habe am 17. April (Libuin: Quinto decimo kal. Maias) vor den versammelten Bischöfen eine Rede über die Vergänglichkeit und seine eigene Hinfälligkeit gehalten (n. 1149), in deren Zusammenhang er eine Vision erwähnte, die er am Vorabend gehabt habe, und die auf seinen baldigen Tod hindeutet: Er habe die in Apulien in seinem Dienst Gefallenen (vgl. nn. 1078, 1091) im Himmel als Martyrer gesehen und diese hätten ihn informiert, dass er ihre himmlischen Freuden nach drei Tagen teilen werde (gavisus sum in nostris fratribus, qui pugnantes in Apulia pro Deo sunt truncidati. Vidi ... illos in martyrum numero ... dicentes: ... die tertia in nostro erit collegio ...). Der Papst verbindet in seiner Ansprache die Erfüllung der Vorhersage seiner Vision mit deren Authentizität. Hauptinhalt des päpstlichen Traumgesichts war neben der Todesvorhersage die Tatsache, dass die in Apulien bei Leos IX. Kriegszug Gefallenen von der göttlichen Vorsehung unter die Heiligen gerechnet würden, was wiederum diesen Kreuzzug und die Normannenpolitik des Papstes im Nachhinein als gerecht und dem Willen Gottes entsprechend rechtfertigt. Ohne sich auf einen konkreten Visionsgegenstand zu beziehen, teilt Bruno von Segni zuerst nur mit, der Papst sei durch ein Traumgesicht auf seinen bald bevorstehenden Tod hingewiesen worden (per revelationem in somnis ostensum est illi, quod cito de hoc mundo exire debuisset), um dann die zweite Version zu wiederholen. Die in der Wibert-Vita berichtete Vision dient einerseits dazu, die Nähe Leos IX. zum hl. Petrus und damit zugleich die Richtigkeit seiner Amtsführung und seiner Politik zu bestätigen, andererseits auch den Ortswechsel des sterbenden Papstes, der sich vom Lateran in die Peterskirche bringen ließ (n. 1155), zu erklären. Dieser zweite Aspekt entfällt in der von den anderen Quellen berichteten Vision. Unter der Annahme, dass die zweite Vision nur die explizite Darstellung der von "Wibert" mit den Worten utpote particem futurum magnifici honoris et gloriae, quam summi pastoris praeeunte gratia Romanae impertivit eccl. angedeuteten Richtigkeit von Leos IX. Amtsführung darstellt und darin die Passage über die Bedeutung des Petrusgrabes für die Sterbegeschichte des Papstes entfiel, ist sogar eine Identität der beiden geschilderten Visionen anzunehmen. Es würde sich dann um zwei Versionen derselben Vision handeln; da beide Visionsberichte in den jeweiligen Erzählzusammenhängen dieselbe Stelle einnehmen, liegt das nahe; jedenfalls sind beide Versionen bzw. beide Visionen chronologisch gleich einzuordnen. Über die historiographische Ausgestaltung der Visionsgeschichte und deren Übertragung auf Gregor VI. vgl. nn. †283, †295, †299, †300, †301, †302, †328.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 1148, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1054-04-16_2_0_3_5_2_820_1148
(Abgerufen am 25.07.2017).