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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst L(eo IX.) erhält einen Protestbrief des Klerus und Grafen von Nantes gegen den von ihm selbst eingesetzten Bischof (Airard) (vgl. n. 772).

Überlieferung/Literatur

Erw.: Brief des Klerus von Nantes an Leo IX. (Delarc, Pape alsacien 399 [franz. Übersetzung]); Devailly, Deux interventions pontificales 202). Reg.: Georgisch, Regesta I 378 n. 18 (1050); Bréquigny, Table chronologique II 51. Lit.: Höfler, Deutsche Päpste II 123ff.; Delarc, Pape alsacien 398ff.; Schwabe, Abendmahlstreit 35; Brucker, L'Alsace II 32; Blanchard, Airard et Quiriac 251ff.; Merlet, Chr. de Nantes XXXIIIff.; Bröcking, Französische Politik Leos IX. 54, 65ff.; Scheffer-Boichorst, Gregor VII Mönch 159ff.; Guggenberger, Deutsche Päpste 58f.; Schwarz, Investiturstreit 266; Vehse, Bistumsexemtionen 102; Haller, Papsttum II 306; Ramackers, PUU in Frankreich NF V 28; Barthélemy/Pocquet du Haute-Jussé, Réform grégorienne en Bretagne 878, 887f.; Constable, Monastic Tithes 86f.; Garreau, Saint Léon IX 125; Guillotel, Cens de Nantes 15ff.; Fürst, Cardinalis 105; Tonnere, Comté nantais 13f.; Kaiser, Bischofsherrschaft 143; Spinelli, Ildebrando archidiaconus 65; Devailly, Deux interventions pontificales 197f.; Guillotel, Bretagne et papauté 266; Ziezulewicz, Sources of Reform 434; Parisse, L'entourage 446f.

Kommentar

Der nicht datierte Brief nennt weder den betroffenen Bischof beim Namen, noch den päpstlichen Adressaten; allerdings lässt die Initiale L. des Papstnamens und der Inhalt des Schreibens nur eine Zuordnung in den Pontifikat Leos IX. zu. Zur Frage der Datierung muss lt. Guillotel, Cens 16f. beachtet werden, dass in den Jahren 1050/51 bis 1054 das Amt des Grafen von Nantes nicht besetzt war. Da im Protokoll des Schreibens aber der comes Namnetensis erwähnt ist, muss die Abfassung entweder vor diesem Datum oder aber im Jahr 1054 vor dem Tod Leos IX. angesetzt werden. Für das spätere Datum spricht die Tatsache, dass Airard 1051 noch in Nantes tätig war. Der vom Papst ernannte Bischof (vgl. n. 772) wurde nach seiner eigenen Aussage (Urkunde Airards vom 1. November 1050 für Marmoutier, Guillotel, Cens de Nantes 37) zu Beginn seiner Amtszeit in Nantes freundlich empfangen. Er habe dort das Dekret Leos IX. (n. 761.14) über die Rückgabe von Kirchenbesitz verbreitet: ut laici ... ministris eccl. redhibitiones relinquerent earum et altarium decimas ... in partes cedere sinerent ... non tacui. Dieses reformerische Wirken des Bischofs dürfte wohl zum Widerstand gegen seine Person beigetragen haben. Seine persönliche Unfähigkeit zur Ausübung des Bischofsamtes, seine Unzulänglichkeit und Unwürdigkeit stehen im Zentrum des Briefes. Bröcking 69f. vermutet die Ursache der Ablehnung des Bischofs durch seinen Klerus in der Tatsache, dass er Restitutionen nicht der eigenen Kirche, sondern Klöstern zukommen ließ. Nach Ansicht dieses Autors kommt in dem Brief keine Kritik an der päpstlichen Ernennung zum Ausdruck. In den Sätzen missus quidem a te ... nescientibus omnibus, neque illud petentibus nobis und tandem ad consulendum Namnetensi eccl. ... episcoporum nostratum, quos ea res attigit, cura ... invigilet ist jedoch gerade diese Kritik an der päpstlichen Ernennung enthalten. Das Schreiben entstand, nachdem Bischof Airard bereits aus Nantes vertrieben war ([Airardum] ad communem populi salutem ... reiectum nulla unquam ratione a nobis ultra recipiendum fore exspectes), vermutlich in der Absicht, dem Papst einen Verzicht auf seinen Kandidaten nahezulegen und dadurch eine neue Bischofswahl zu ermöglichen. Der Protest dürfte Leo IX. wohl kurz vor seinem Tod erreicht haben.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 1147, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1054-04-00_4_0_3_5_2_819_1147
(Abgerufen am 25.07.2017).