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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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(Papst Leo IX.) schickt Hildebrand als Legaten nach Tours, wo dieser eine Synode feiert, bei welcher die Angelegenheit Berengars von Tours verhandelt und dessen Besuch beim Papst in Rom vereinbart sowie unter anderem der Streit um das Priorat St-Clément in Craon (D. Angers) erörtert wird.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Scriptum de Credone (Métais, Cartulaire de la Trinité de Vendôme I 179; vgl. Gibson, Letters relating to Berengar 22); Berengar, Rescriptum I (Huygens 51ff.); Guitmund von Aversa, De corporis et sanguinis Christi veritate II (Migne, PL 149, 1486); Narratio controversiae (Gall. Chr. I 762f.; vgl. Gibson, Letters relating to Berengar 23); Lanfrank, Liber de corpore 4 (Huygens, Serta Mediaevalia 245f.); Bernold von Konstanz, Chr. 1056 (Robinson, MG SS rer. Germ. NS 14 387); Bernold von Konstanz, De veritate corporis (Huygens 379; ND Ders., Serta Mediaevalia 248f.); Gilbert/Milo Crispinus, Vita Lanfranci 10 (Gibson 677); Chr. s. Bavonis Gandensis 1057 (De Smet, Recueil des Chr. de Flandre I 556); Helinand von Froidmont, Chr. 1050 (Migne, PL 212, 946); Ann. Vindocinenses 1055 (Halphen, Coll. textes hist. 37 62); vgl. Mansi, Conc. XIX 839ff. Reg.: Mas Latrie, Trésor de chronologie 1281; Pontal, Conciles de la France 146f. Lit.: Höfler, Deutsche Päpste II 165f., 179ff.; Sudendorf, Berengar 41ff.; Hunkler, Leo IX. 205; Will, Restauration II 49ff.; Will, Viktor II. 211ff.; Delarc, Pape alsacien 483f., 500, 505; Steindorff, Heinrich II 271f.; Schwabe, Abendmahlstreit 77ff., 81f.; Brucker, L'Alsace II 348ff.; Fournier, Premier manuel 201; Bröcking, Französische Politik Leos IX. 88f.; Martin, Saint Léon 175ff.; Hefele/Leclercq, Hist. des Conc. IV/ 2 1108ff.; MacDonald, Lanfranc 47; MacDonald, Berengar 108ff., 113; Schieffer, Legaten 50ff.; Erdmann, Gregor VII. und Berengar von Tours 48ff., 67ff.; Santifaller, Elenco 161; Borino, Quando e dove 228; Sheedy, Eucharistic Controversy 75; Mikoletzky, Vorgeschichte 259f.; Capitani, Lettera di Goffredo il Martello 15, 19f.; Morghen, Programma della riforma gregoriana 121ff.; Garreau, Saint Léon IX 133f.; Gibson, Case of Berengar 62f.; Montclos, Lanfranc et Bérenger 23, 123, 149ff., 527f.; Guillot, Comte d'Anjou I 91f., 181ff., 267; Schmidt, Hildebrands Eid 382; Capellino, Concilio di Vercelli nella controversia 29; Festa, Dibattito sull'eucaristia I 33; Horwege, Bruno von Egisheim 138f.; Henry Chadwick, Ego Berengarius (JThS 40/1989, 414-445); Cowdrey, Papacy and the Berengarian Controversy 116; Guillot, Reform of Investiture 88; Cowdrey, Gregory VII 32, 37ff.; Blumenthal, Gregor VII. 75f.; Fulton, Judgement 127; Cowdrey, Lanfranc 62f.; Minnerath, Projet réformateur 123; Foulon, Relations 28ff.; Cantarella, Il sole 330; Gresser, Sanctorum patrum auctoritate 61; Foulon, Église et réforme 94; Whalen, Dominion of God 29f.

Kommentar

Das Datum der Synode ist nach der Quellenlage unklar; berichten die Annales Vindocinenses 1055 nur Victor successit et synodus facta est Turonus, das Chronicon s. Bavonis, allerdings zu 1057, lediglich Turonis concilio ... congregato ab Hildebrando ... Berengarius condemnatus est und Guitmund von Aversa ohne Angabe eines Datums per hunc ipsum, qui nunc praeest d. Gregorium papam tunc archidiac. ... in concilio Turonensi ... ipsum Berengarium ... correctum, so geht Lanfrank etwas ausführlicher auf die Berengar betreffenden Umstände der Synode ein: denique in concilio Turonensi, cui ipsius [Victoris papae] interfuere ac praefuere legati data est tibi optio defendendi partem tuam. Dieselbe Passage übernahmen auch Gilbert/Milo in ihre Vita Lanfranks, während Bernold über die Vorgänge am ausführlichsten berichtet: Victor ... papa ... misso legato in Gallias ... Hildebrando ... generalem synodum Turonis congregavit; in qua ipse Beringerius ... propriam haeresim anathematizavit (Eucharistietraktat) oder: Victor papa misso Hildebrando ... sinodum Turonis generalem collegit, in qua Beringarius ... sinodaliter et praesentialiter pro ... haeresi examinatur (Chr.); all diese Quellen legen die von Hildebrand gehaltene Synode in den Pontifikat Viktors II., und auch die Aussage des Legaten selbst in der Narratio controversiae entspricht dem. Zudem haben alle bisher genannten Textbelege eine gegen Berengar gerichtete Tendenz und behaupten, seine Lehre sei von der Versammlung geprüft und abgelehnt worden, woraufhin er abgeschworen habe. Dieser Darstellung, die überwiegend auf Lanfrank basiert, widerspricht aber der Touroner Archidiakon in seiner Entgegnung heftig. Er behauptet, er habe in Tours seinem Glauben nicht abgeschworen und Viktor II. niemals durch Gesandte über ihn verhandelt: papam Victorem concilium convocasse per legatos scripsisti: papae Victoris nec adfuerunt legati nec praefuerunt concilio Turonensi, nunquam michi defendendi partes dederunt legati papae Victoris (51) und nochmals: nunquam papa Victor per se vel per legatos mecum egit de mensa dominica, nunquam in eo michi defendendi quae afferrem optionem fecit, nunquam papae Victoris legatis ... errorem ... iuravi (52). Berengar behauptet, er sei von Viktor II. nicht getadelt worden, auch nicht von dessen Gesandten Hildebrand bei einer Synode in Tours, denn tempore papae Leonis ab eccl. Romana Hildebrannus, vices in negotiis ecclesiasticis supleturus apostolicas, Turoni adfuit (52). Berengar legt demnach Wert auf die Tatsache, dass Hildebrand als Legat Leos IX. in Tours war und nicht von Viktor II. geschickt, wie Lanfrank und die von diesem abhängigen Quellen behaupten. In dieser Frage dürfte er vermutlich die bessere Quelle sein, weil er persönlich bei der Synode anwesend war und sich an die ihn persönlich betreffende Angelegenheit nach einigen Jahrzehnten präziser erinnert haben wird als Außenstehende. Berengar geht auch als einziger näher auf die Verhandlungen der in St-Maurice tagenden Synode (qui in eccl. s. Mauricii consederant p. 53) ein, um Lanfranks Behauptung, er habe bei dieser Gelegenheit seiner Lehre abgeschworen, zu widerlegen. So teilt er mit, dass Verhandlungen sowohl im Plenum als auch in diözesanen Gruppen von Klerikern mit ihrem Bischof geführt worden seien, erwähnt die Anwesenheit der Bischöfe (Isembert) von Orléans, (Gottfried) von Auxerre und des Erzbischofs (Bartholomäus) von Tours, die zusammen mit ihrem Klerus seine Eucharistielehre geprüft hätten: me episcopus Aurelianensis atque episcopus Autisidorensis cum archiepiscopo Turonensi de eucharistia separatim cum clericis suis audirent (53) und nennt die Teilnahme des Bischofs (Eusebius Bruno) von Angers und des Abtes Albert von Marmoutier auf seiner Seite (episcopi Andegavensis atque abbatis Maioris monasterii Alberti 54). Nach den Verhandlungen, in welche der Vorsitzende Hildebrand mit Hilfe aller erreichbaren Bücher Klarheit bzgl. der Eucharistielehre bringen wollte, legte Berengar nach eigenem Bekunden einen Eid ab, der einen Kompromiss darstellte. Im Anschluss an die Synode wollte Berengar nach seinem Bericht im Rescriptum zusammen mit Hildebrand nach Rom reisen, um sich vor Leo IX. zu verantworten, doch noch vor der Abreise kam die Meldung, der Papst sei verstorben: soluto ... conventu ... ego cum Hildebranno ad Romanum pontificem ... abiremus ... cum illo iamiam accessurum Romam ad satisfaciendum de mensa dominica ... michi ... nunciatum ... est papam Leonem rebus decessisse humanis (53f.); nur diese Notiz erlaubt die chronologische Einordnung des Konzils. Über andere Verhandlungsgegenstände ist kaum näheres überliefert. Allein Berengars Hinweis Hildebrannus ... alia, pro quibus a Romana eccl. venerat, est prosecutus negotia (54) weist darauf hin, dass der Streit um die Abendmahlslehre nicht einziger Verhandlungsgegenstand war. Ein Streit um das Priorat St-Clement in Craon lässt sich dieser Synode aufgrund eines kurzen Hinweises in dem Scriptum de Credone zuordnen, der besagt monachi s. Albini ... in Turonensi ... concilio, coram d. Hildebranno, apostolicae sedis legato, quaerimoniam et clamorem fecerunt, sed iustitiam non obtinuerunt. Aus dem Dokument geht hervor, dass Mönche von St-Aubin in Angers das Priorat besessen hatten, dann aber vertrieben und durch solche aus Ste-Trinité in Vendôme ersetzt wurden. Dagegen protestierten sie bei dem Legatenkonzil erfolglos. Guillot weist dieser Synode eine zentrale Stellung im Ausgleichsprozess zwischen dem Papsttum und dem Grafen von Anjou zu, begründet u. a. in dem nach seiner Ansicht hier erstmals durchgeführten, in der Trennung zwischen Spiritualia und Temporalia begündeten neuen Investiturprinzip.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 1136, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1054-03-00_1_0_3_5_2_808_1136
(Abgerufen am 26.03.2017).