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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo (IX.) schickt Bischof Ermenfried von Sitten als Legaten nach Frankreich, der auf einer Synode in Lisieux Erzbischof Malger von Rouen im Einvernehmen mit Herzog Wilhelm von der Normandie absetzt.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Testament Wilhelms d. Eroberers (Migne, PL 149, 1286) (inseriert in Ordericus Vitalis, Hist. eccl. VII [Chibnall IV 84]); Acta archiep. Rothomagensium (Delisle, Recueil des Hist. XI 70); Wilhelm von Poitiers, Gesta Willelmi conquestoris 53 (Foreville 132f.); Johannes Longus, Chr. s. Bertini (Martène/Durand, Thesaurus III 579f.); vgl. Mansi, Conc. XIX 837ff. Reg.: JL 4331α. Lit.: Gall. chr. XII 28ff.; Höfler, Deutsche Päpste II 258f.; Will, Restauration II 64; Brucker, L'Alsace II 359f.; Bröcking, Französische Politik Leos IX. 38f., 90f.; Drehmann, Simonie 45; Hefele/Leclercq, Hist. des Conc. IV/2 1121f.; Schwarz, Investiturstreit 266f.; Schieffer, Legaten 53ff.; Barlow, Vita Aedwardi regis 37; Boelens, Klerikerehe 137; Guillot, Comte d'Anjou I 91, 181ff.; Foreville, Royaumes, métropolitains et conciles provinciaux 304f.; Vrégille, Hugues de Salins I 250ff.; Bates, Normandy 201; Vrégille, Hugues 198f.; Bates, William the Conqueror 53, 82; Guillot, Reform of Investiture 88; Bouet/Dosdat, Évêques normands 19; Parisse, L'entourage 446; Hoffmann, Italienische Handschriften in Deutschland 54; Rennie, At Arms Length 337f.

Kommentar

Die Acta archiep. weisen nicht dem päpstlichen Legaten, sondern dem Herzog, der ein erwiesener Feind seines erzbischöflichen Onkels Malger (als Gegner seiner Eheschließung mit Mathilde von Flandern, vgl. n. 630.15) war, die Initiative bei der Absetzung zu: auctore papa Leone Willelmus dux Normannorum ... assistente praefati papae legato, scilicet Hermenfrido Sedunensi episcopo ... in Lexoviensi eccl. ab episcopatui eum destituit; entsprechend ist auch das Testament des Herzogs abgefasst, in welchem es heißt: [Malgerium] de pontificali sede per decretum [Leonis] papae deposui. Die Darstellung Wilhelms von Jumièges (Migne, PL 149, 865), Malger sei verrückt geworden und habe freiwillig resigniert, lehnt Bröcking 91 zu Recht ab. Nennt das Testament des Herzogs keinen bestimmten Papst und redet Wilhelm von Poitiers nur davon, dass der princeps [Willelmus] ... deposuit patruum [Malgerium] in publico s. synodi, apostolico vicario cunctisque Northmanniae episcopis ... dentibus unanimi consensum, so ist in den Acta Leo (IX.) genannt; die Synode von Lisieux jedoch ist in den Ann. Uticenses (in der Edition des Ordericus Vitalis von Prevost V 157) und der Chr. s. Stephani Cadomensis (John Allan Giles, Scriptores rerum gestarum Willemi conquestoris, [London 1845] 165) 1055 angeführt, weshalb die gesamte ältere Literatur außer Schieffer (der sich eindeutig für Viktor II. entscheidet) den Gesandten zwar als evtl. von Leo IX. beauftragt, aber erst unter Viktor II. agierend auffasst. Abgesehen von dem rechtlichen Umstand, dass mit dem Tod des Papstes auch der Auftrag des Legaten erlischt, weist Schieffer auf die Tatsache hin, dass der Bischof von Sitten (zuvor Kanzler Erzbischof Hugos von Besançon, vgl. Schmidt, Alexander II. 154) erst nach dem Tod Leos IX. in sein Amt gelangt sein könne, da am 13. Juli 1054 sein Vorgänger Aimo noch amtiert habe. Demnach wäre die Legation gegen den Wortlaut der Quelle Viktor II. und nicht Leo IX. zuzuweisen. Allerdings nennt Gams als Todesdatum Bischof Aimos den 23. August 1053. Entsprechend hat Foreville in ihrer Edition Wilhelms von Poitiers 132f. die Datierung der Synode zu 1055 angezweifelt. Guillot hat auf Fehler in den beiden die Synode datierenden Quellen und die das Jahr mit Weihnachten beginnende Kalenderangaben hingewiesen, wonach die Versammlung im Jahr 1054 anzusetzen wäre. Malger ist nach der Weihnachtsdatierung dann nicht zu Weihnachten 1054, sondern 1053 letzmals als Erzbischof genannt (Foreville, Royaumes), die Synode nach Weihnachten 1053 und vor der Übermittlung der Todesnachricht Leos IX. in die Normandie zusammengetreten; dem würde auch entsprechen, dass Ordericus Vitalis, Hist. eccl. V (Chibnall III 86) Malger tempore Clementis, Damasi et Leonis paparum, aber nicht mehr zu Zeiten Viktors II. regieren lässt; die Legation Ermenfrieds wäre demzufolge zeitlich etwa parallel mit derjenigen Hildebrands nach Tours (vgl. n. 1136) anzusetzen. Diese Datierung würde auch die Tatsache erklären, dass Malgers Nachfolger Maurilius schon 1054 amtiert (vgl. Marie Fauroux, Recueil des Actes des Ducs de Normandie [Mém. de la Soc. des Antiquaires de Normandie 36/1961] nn. 132f.). Maurilius, von Geburt Nordfranzose, ausgebildet in Deutschland, war zuvor Eremit in Italien, Abt der Florentiner Badia sowie Mönch und Abt in Fécamp (vgl. Goez, Beatrix von Tuszien 18, 129 und Bouet/Dosdat, Évêques normands 20; Monique Dosdat, Les évêques de la province de Rouen et la vie intellectuelle au XIe siècle [Les évêques normands, Caen 1995, 223-251] 241ff.). Guillot weist dieser Synode eine zentrale Stellung im Ausgleichsprozess zwischen dem Papsttum und dem Herzog der Normandie zu, begündet u. a. in dem nach seiner Ansicht hier erstmals durchgeführten, in der Trennung zwischen Spiritualia und Temporalia begündeten neuen Investiturprinzip.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 1125, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1053-12-25_1_0_3_5_2_797_1125
(Abgerufen am 22.05.2017).