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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo IX. empfängt Gesandte der Normannen, die dem päpstlichen Heer ein letztes Friedensangebot übermitteln.

Überlieferung/Literatur

Erw.: n. 1131 (Will, Acta et Scripta 87) (inseriert in: Vita Leonis IX [Wibert-Vita] II 20 [10] [Krause, MG SS rer. Germ. 70/2007 226]); Hermann von Reichenau, Chr. 1053 (MG SS V 132); Amatus von Monte Cassino, Hist. Normannorum III 39 (De Bartholomaeis, FSI 76/1935 153f.); Guilelmus Apuliensis, Gesta Roberti Guiscardi II 85ff., 180f. (Mathieu 136, 142); Bernold von Konstanz, Chr. 1053 (MG SS V 426); Aventin, Ann. ducum Boiariae V 8 (Riezler III 73). Reg.: IP VIII 9 n. *6. Lit.: Di Meo, Annali VII 337; Höfler, Deutsche Päpste II 170f.; Hunkler, Leo IX. 236f.; De Blasiis, Insurrezione Pugliese I 243; Hirsch, Amatus 287; Steindorff, Heinrich II 244f.; Brucker, L'Alsace II 287ff.; Heinemann, Geschichte der Normannen 141, 367f.; Gay, L'Italie II 488f.; Martin, Saint Léon 167; Chalandon, Domination Normande en Italie I 136f.; Mann, Popes VI 122ff.; Kehr, Belehnung der Normannenfürsten 7 (ND Ders., Ausgewählte Schriften 596); Bloch, Klosterpolitik 182; Jordan, Lehenwesen 70f.; Alfaric, Pape alsacien 65; Erdmann, Kaiserliche und päpstliche Fahnen 5; Erdmann, Kreuzzugsgedanke 113f., 173f.; Fuiano, Battaglia di Civitate 297; Guilelmus Apuliensis, Gesta Roberti Guiscardi (Mathieu 281); Garreau, Saint Léon IX 143; Clementi, Relations 203ff.; Partner, Lands of St Peter 114; D'Alessandro, Letteratura di Amato 84, 111 (ND Ders., Storiographia 56); Deér, Papsttum und Normannen 25, 100f., 103, 113; Petrucci, Ecclesiologia e politica 59; Oldoni, Intellettuali cassinensi 120f.; Semmler, Milites d. Ildebrandi 23; Houben, Organizzazione ecclesiastica 20; Horwege, Bruno von Egisheim 123; Jahn, Normannische Herrschaft 66; Wolf, Making History 51, 100f., 134f.; Taviani-Carozzi, Bataille francoallemande 190, 198; Taviani-Carozzi, Terreur du monde 199ff.; Bünemann, Robert Guiskard 21f.; Loud, Robert Guiscard 119; Bayer, Spaltung der Christenheit 119; Munier, Léon IX 213f.; Kupper, Léon IX, l'Empire et l'Église 280; Taviani-Carozzi, Léon IX et les Normands 313ff., 317f.; Loud, Latin Church in Norman Italy 136.

Kommentar

Amatus zufolge schickten die Normannen noch vor der Schlacht von Civitate Gesandte zu Friedensverhandlungen an den Papst; diese suchten den Frieden mit dem Versprechen zu bewahren, der Kirche jährlichen Tribut zu zahlen und die von ihnen eroberten Gebiete aus der Hand des Papstes als Lehen entgegenzunehmen (donner incense et tribut à la saint ecliz ... terres ... recevoir ... par le main de lo vicar de l'eglise). Als Beweis für die Rechtmäßigkeit ihres Vorgehens zeigten sie die Fahne, mit welcher sie vom Kaiser belehnt worden waren (le confanon coment il furent revestut de la terre par le main de lo imperor) (n. 364). Als Vertreter des Papstes sprach dessen normannenfeindlicher (n. 939) Kanzler Friedrich, der die Normannen mit dem Tod bedrohte, falls sie nicht die Flucht ergriffen. Damit stimmt der Tenor des Guilelmus Apuliensis überein, welcher ein nur in Nuancen abweichendes Bild bietet. Dieser Quelle zufolge waren die Eroberer zur Unterwerfung unter Leo IX. bereit (hunc dominum poscunt sibi seque fideles). Dem Papst hätten allerdings die hochmütigen und siegessicheren Deutschen in seinem Heer geraten, den Gegnern nur Frieden zu gewähren, wenn sie die Waffen niederlegten und Italien wieder verlassen würden. Die Normannen waren von der Antwort enttäuscht und begannen mit der Vorbereitung zur Schlacht. Entsprechendes schreibt auch Hermann von Reichenau, lt. dessen Ausführungen die Normannen um den Frieden baten, subiectionem ... promitterant und ihre Eroberungen eius [papae] beneficio gratiaque retinere velle se dicerent. Leo IX. hätte daraufhin die Herausgabe des Gutes verlangt und gefordert, dass die Normannen den Ort verließen, was diese ablehnten. Das entspricht der Nachricht des Briefes Leos IX. an den byzantinischen Kaiser (und daraus inseriert in der Wibert-Vita); demzufolge haben die Normannen sich bei diesen Verhandlungen (in trügerischer Absicht) unterworfen (omnem subiectionem ficte pollicentibus) und das päpstliche Heer dann angegriffen. Die Nachricht dieser Quellen steht formal in Konkurrenz zu der ansonsten in den Papstviten überlieferten letzten Gesandtschaft Leos IX. (n. 1075); inhaltlich gibt es keine allzu großen Unterschiede in den Erzählungen; welcher Traditionsstrang dabei der Wahrheit näher kommt, lässt sich nicht sagen, doch sind die normannischen Quellen ausführlicher und wirken, als wären sie dem Geschehen näher. Den Eindruck von wechselnden Gesandtschaften zwischen beiden feindlichen Heerlagern erweckt die Vita Leonis IX I 8 (Poncelet 285) im Zusammenhang mit der Erzählung vom Verrat des Malfred. Da der Angriff am Morgen des 18. Juni erfolgte (vgl. n. 1078), sind die Verhandlungen bis zum Abend des 17. Juni anzusetzen.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 1076, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1053-06-18_2_0_3_5_2_748_1076
(Abgerufen am 24.01.2017).