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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo IX. hält sich (im Verlauf seines Heerzuges gegen die Normannen, vgl. nn. 1033, 1049, 1062, 1065, 1078) mit mehr als 500 lothringischen Kriegern in Montecassino auf, empfiehlt sich den Mönchen und rückt mit seiner um mittelitalische Kontingente verstärkten Armee weiter nach Apulien vor.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Leo Marsicanus, Chr. Casinensis II 84 (MG SS XXXIV 331). Reg.: J p. 376; JL I p. 545. Lit.: Di Meo, Annali VII 335; Höfler, Deutsche Päpste II 169; Hunkler, Leo IX. 233f.; Will, Restauration I 109; Boureulle, Pape alsacienlorrain 22; Steindorff, Heinrich II 240f.; Wattendorff, Stephan IX. 10; Brucker, L'Alsace II 284; Heinemann, Geschichte der Normannen 138; Dina, L'ultimo periodo 67; Gay, L'Italie II 487; Martin, Saint Léon 166; Chalandon, Domination Normande en Italie I 135; Borino, Riforma della Chiesa 469; Amelli, S. Leone e il suo ultimo carme 5; Bloch, Klosterpolitik 234; Wühr, Wiedergeburt Montecassinos 421, 429; Méras, Saint Léon 91; Fuiano, Battaglia di Civitate 294; Guilelmus Apuliensis, Gesta Roberti Guiscardi (Mathieu 280); Garreau, Saint Léon IX 143; Partner, Lands of St Peter 113; Tabacco, Montecassino e l'impero 45; Grégoire, Mont-Cassin dans la réforme 23; Horwege, Bruno von Egisheim 121f.; Fedele, Ducato di Gaeta 78f. (ND 109f.); Houben, Normanni e Montecassino 351; D'Amico, Leone IX e il Meridione 52; Taviani-Carozzi, Terreur du monde 195, 198f.; Taviani-Carozzi, Bataille francoallemande 185; Bünemann, Robert Guiskard 20; Johrendt, Reisen der Reformpäpste 84; McQuillan, Political Development 41; Bayer, Spaltung der Christenheit 60; Munier, Léon IX 212; Noblesse-Rocher, Source ecclésiologique 208; Ziezulewicz, Déplacements 465; Frech, Die vielen Tode 122.

Kommentar

Leo Marsicanus berichtet in seiner Chronik, der Papst sei nach seiner Deutschlandreise zu Heinrich III. (nn. 980, 1014-1016) erneut nach Montecassino gekommen: ascendensque ad hoc monasterium valde suppliciter se fratribus commendavit. Gestrichen ist noch vor dieser Passage ein Zusatz: plus quingentos secum Lotheringos bellicosos ... viros adduxit. Auf diesen Hinweis folgt in der Quelle der Bericht über die in San Germano vollzogene Restitution des Klosters Terracina an Montecassino (nn. 963, 965, 966) und über die Ausstellung des Privilegs n. 967 für S. Sophia in Benevent. Im Anschluss daran fährt der Text mit dem Bericht über die Heerfahrt fort: post hec adiunctis sibi fere cunctis partium istarum militibus, Apuliam cum Normannis dimicaturus perrexit. In der chronologischen Einordnung der Ereignisse ist die Chronik hier (wie andernorts, vgl. n. 740) unzuverlässig; offenbar war der Autor in dieser Hinsicht verwirrt, verursacht durch die Vielzahl von Aufenthalten und Verleihungen Leos IX. zugunsten Montecassinos (nn. 551-553, 740-742, 744, 906-911, 943, 951, 963-965, 1064). So ist hier in den Bericht vom Besuch im Jahr 1053 der Hinweis auf zwei Urkundenverleihungen eingeflossen, von welchen die erste, Terracina betreffende, nachweislich bereits 1052 vollzogen wurde (nn. 963, 965, 966), während die andere, die Verleihung von Handelsfreiheiten bestätigende (n. 1064), zurecht mit diesem Besuch in Verbindung gebracht wird. Aus dem Hinweis auf diese zweite Urkunde n. 1064 ergibt sich auch das genauere Datum des Besuchs in der Zeit um den 29. Mai 1053. Der getilgte Zusatz über die lothringischen Ritter in der Begleitung des Papstes fiel womöglich dem Umstand zum Opfer, dass der Verfasser der Chronik bemerkte, dass diese Erzählung mit den Verhätnissen der – bereits 1052 vollzogenen – Restitution des Klosters in Terracina nicht vereinbar war, womöglich auch dem Bestreben, die Kräfteverteilung im päpstlichen Heer eher im Dunkeln zu halten. Aus der ursprünglichen Fassung der Quelle lässt sich erschließen, dass Leo IX. mit dem überwiegend aus Deutschen bestehenden Heer nach Süden zog und das Militär wohl am Fuß des Montecassino lagerte, während der Papst das Kloster auf dem Berg besuchte und die Gebete der Mönche erbat. Mit der nationalen Bezeichnung der Begleiter des Papstes als Lotheringos sind von Leo IX. in Deutschland geworbenen "Söldner" bezeichnet, welche vermutlich überwiegend aus der lothringischsüdwestdeutschen Heimat des Papstes stammten (vgl. nn. 1022, 1033, 1049). Ob aus dem weiteren Hinweis, dass das päpstliche Heer danach verstärkt um fere cunctis partium istarum militibus weiterzog, zu schließen ist, dass das Benediktskloster Sammelpunkt der italischen Kontingente war, muss offen bleiben; ebensogut ist die Passage so zu interpretieren, dass bis zur Schlacht (n. 1078) ein ständiger Zuzug stattfand. Ciatti, Memorie II 188f. spekuliert über die Kardinalsernennung des Perusiner Bischofs Leo Bovus, was dem kreierenden Papst Leo IX. den Zuzug vieler Soldaten aus Perugia eingebracht habe.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 1063, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1053-05-00_2_0_3_5_2_735_1063
(Abgerufen am 29.05.2017).