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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst (Leo IX.) lehnt die Bischofsweihe Osmunds für Schweden ab.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Adam von Bremen, Gesta III 15 (Schmeidler, MG SS rer. Germ. 2/1917³ 156); vgl. Johann Renner, Chr. von Bremen (Klink 92). Reg.: –; vgl. May, Regesten der Bischöfe von Bremen n. 249. Lit.: Maurer, Bekehrung I 502f., 588f. II 560; Dehio, Erzbistum Hamburg-Bremen I 195; Steindorff, Heinrich II 202f.; Kętrzyński, O palliuzsu biskupow 218, 240ff.; Johnson, Adalbert of Hamburg-Bremen 156; Schmid, Sveriges Kristnande 61; Joys, Biskop og Konge 35; Ludat, Patriarchatsidee Adalberts von Bremen 236f.; Kętrzyński, Polska 554ff.; Seegrün, Skandinavien 92; Seegrün, Adalbert von Hamburg-Bremen 408; Seegrün, Erzbischof Adalbert 137.

Kommentar

Adam von Bremen erzählt, zur Zeit Erzbischof Adalberts von Hamburg-Bremen und des Königs Emund (ca. 1050-1060) sei in Schweden als Nachfolger des noch 1043 amtierenden Bischofs Sigfried von Skara ein Erzbischof aufgetreten nomine Osmund, der pro ordinatione Romam accessit indeque repulsus per multa loca circuivit erroneus, et sic demum ordinari meruit a quodam Poloniae archiepiscopo. Osmund habe behauptet, se a papa consecratum in illas partes archiepiscopum zu sein. Wegen dieses später als Vertrauter des Königs amtierenden schwedischen Erzbischofs schickte Adalbert von Hamburg-Bremen in den Jahren 1051-1056 eine Gesandtschaft an den Königshof. Die einzigen Daten zur chronologischen Einordnung des Geschehens sind also die Amtszeit des schwedischen Königs und der Zeitpunkt der Hamburger Gesandtschaft. Der Erzählung Adams zufolge muss aber nicht zwingend angenommen werden, dass die Zurückweisung in Rom erst in der Amtszeit Emunds geschah, vielmehr kann der Zeitpunkt schon früher, auch vor dem Pontifikat Leos IX. liegen. Fast die gesamte Literatur geht aber davon aus, dass der abweisende Papst Leo IX. war, auch in Analogie zum Fall des Isländers Ísleifur Gizurarson (n. 1027). Falls es so war, dann dürfte das Verhalten des Papstes von seinem Anfang 1053 für Hamburg ausgestellten Privileg n. 1026 geprägt sein, das dem Hamburger Erzbischof die Weihe der skandinavischen Bischöfe reserviert; allerdings führt das zu einem gedrängten, aber dennoch möglichen chronologischen Ablauf: frühestens März 1053 war Osmund in Rom, irrte danach durch Europa, erhielt in Gnesen die Bischofsweihe und trat in Schweden als Erzbischof auf, was spätestens 1056 eine Hamburger Gesandtschaft provozierte. Abweichend nimmt Kętrzyński die Weihe Osmunds zwischen 1045 und 1049 durch einen Erzbischof von Gnesen an; er kommt zu diesen Angaben, weil 1043 noch Osmunds Vorgänger im Amt war, 1050 aber König Emund, als dessen Zeitgenosse er geschildert wird, den Thron bestiegen habe. Als weiteres Argument verweist er auf das scharfe Auftreten Erzbischof Adalberts gegen den angeblichen Erzbischof Bertald von Besançon auf der Mainzer Synode 1049 (nn. 655.10, 658), das beweise, dass der nordische Metropolit schon damals mit einem falschen Erzbischof in seiner eigenen Provinz zu kämpfen gehabt habe. Kętrzyńskis Argumentation ist allerdings spekulativ: Adalberts Vorgehen gegen den Besançoner Usurpator dürfe vorwiegend aus seiner Position bei Heinrich III. resultieren, der Terminus post quem 1043 ist höchst unsicher, da Erzbischof Sigfried in Schweden in diesem Jahr nur zuletzt erwähnt wird, und eine Bezeichnung des Bischofs als Zeitgenosse eines bestimmten Königs ist auch dann denkbar, wenn der Bischof noch in der Amtszeit dieses Herrschers sein Amt verliert; ein gleichzeitiger Amtsantritt beider Würdenträger muss nicht postuliert werden. Zudem ist die Forschung sich bei weitem nicht darüber einig, dass es in den 40er Jahren des 11. Jahrhunderts einen Gnesener Erzbischof gab, vielmehr wird weithin ein völliger Zusammenbruch der polnischen Kirchenstruktur nach den heidnischen Unruhen von 1038 angenommen (vgl. n. 215). Ein bestimmter polnischer Erzbischof, der die Weihe Osmunds vorgenommen hat, lässt sich demnach nicht benennen.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 1039, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1053-03-00_1_0_3_5_2_711_1039
(Abgerufen am 25.07.2017).