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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo (IX.) wird durch eine Gesandtschaft der Kaiserin Agnes über den Streit zwischen Äbtissin (Beatrix) und den Kanonissen von Gandersheim (D. Hildesheim) informiert.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Supplik an Paschal II. (Goetting, Gandersheimer Originalsupplik, 120-122, 121). Reg.: GP V/2 127 n. *18. Lit.: Bulst-Thiele, Agnes 56; Goetting, Gandersheimer Originalsupplik 102ff., 106ff.; Goetting, Gandersheim und Rom 45f.; Goetting, Bistum Hildesheim 1: Gandersheim 94, 218; Schmidt, Hildebrand, Kaiserin Agnes und Gandersheim 300ff.; Goetting, Gefälschte Gründungsurkunden Gandersheims 348ff.; Black, Töchter Heinrichs III. 55; Boshof, Salier 168f.;4166f.; Black-Veldtrup, Kaiserin Agnes 219ff., 224ff., 231; Wiech, Amt des Abtes 361f.

Kommentar

In der angeführten Supplik (1107-1110) wird erzählt, dass die Gandersheimer Kanonissen sich über ihre Äbtissin Beatrix (1044-1061; zu ihr: Vogtherr, Die salischen Äbtissinnen von Quedlinburg 408ff.), die Tochter Heinrichs III., bei der Kaiserin Agnes beschwert hätten (querimoniam fecimus imperatrici Agne), weil jene constituit milites in abacia et dedit illis bona eccl. in beneficium. Die Kaiserin ihrerseits habe daraufhin durch Boten den Papst über diese Schwierigkeiten informiert: ipsa per nuncium suum statim demandavit conquerendo b. Leoni pape, der wiederum per regiam legationem clementer accipiens nostre congregationis queremoniam ... misit legatum... (vgl. n. †1130). Schmidt hat die Ansicht Goettings, der die Angelegenheit quellennah interpretiert hatte, mit dem Hinweis darauf, dass die Kaiserin kaum zu Lebzeiten Heinrichs III. gegen diesen agiert haben könne, zurückgewiesen und statt Leo IX. dessen Nachfolger Viktor II. als den in die Sache verwickelten Papst interpretiert (vgl. auch Ehlers, Gandersheim 302f.). Dagegen hat Black-Veldtrup darauf hingewiesen, dass die Quelle tendenziös ist und für deren Verfasser ungünstige Aspekte der Angelegenheit verschweigt, so etwa die Beteiligung Heinrichs III. Unter Hinweis auf den Umstand, dass Äbtissin Beatrix bei ihrer Behandlung des Klostergutes von Gandersheim sicherlich die politischen Interessen ihres Vaters Heinrich III. verfolgte, zeigt Black-Veldtrup, dass die von der Quelle als Gesandtschaft der Kaiserin an den Papst dargestellte Delegation vermutlich von Heinrich III. zusammen mit seiner Frau abgeschickt wurde und vor allem die Aufgabe hatte, die gesamte Angelegenheit zu verschleppen. Bestimmte Angaben über den Zeitpunkt der Gesandtschaft lassen sich jedenfalls nicht machen. Sollte die in der Literatur mitunter angestellte Überlegung, der Papst sei über der Angelegenheit verstorben, zutreffen, so wäre eventuell an einen Zusammenhang mit den Privilegien für andere sächsische Klöster im Jahr 1054 zu denken (nn. 1152-1154). Eine positive Entscheidung des Streits durch Leo IX. – wie von Black-Veldtrup unterstellt – wird allerdings in der Quelle überhaupt nicht behauptet; gesagt ist nur, Leo habe die Gesandtschaft der Kaiserin wohlwollend aufgenommen und selbst Hildebrand als Legaten nach Gandersheim (vgl. n. †1130) geschickt; eine Stellungnahme oder gar Urkunde Leos IX. zugunsten der Kanonissen wäre in der Supplik sicherlich besser verwertet worden. Ebenso abwegig ist die Emendation des Papstnamens Leo IX. in Viktor II. Die Verwicklung des letzteren in die Gandersheimer Affäre (vgl. nn. 1256, 1262) wird von der Quelle aus politischen Gründen zwar verschwiegen, doch können die Leo IX. zugeschriebenen Handlungen nur auf diesen zutreffen.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 1031, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1053-02-00_1_0_3_5_2_703_1031
(Abgerufen am 24.01.2017).