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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo IX. verweist Ísleifur Gizurarson, den erwählten Bischof der Isländer, zur Bischofsweihe an Erzbischof Adalbert von (Hamburg) Bremen.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Ari Thorgilsson hinn Fródi, Islendingabók 9 (Halldor Hermannsson, Ari Thorgilsson, The book of the Icelanders = Islandica 20/1930, 68); Jóns Saga Hólabysups ens Helga (hg. von Peter Foote [Kopenhagen 2003] 3, 58); Hungarvaka 2 (Ásdís Egilsdóttir, Biskupa Sögur II [Reykjavík 2002] 3-43, 7f.; Bernhard Kahle [Altnordische Saga-Bibliothek 11/1901, 87-126] 91); Kristni Saga 14 (Bernhard Kahle [Altnordische Saga-Bibliothek 11/1901] 1-57) 46; Ann. Islandorum regii 1056 (Langebek, SS rer. Danicarum III 1-139) 43f.; Sturlunga Saga III 2 (Kristian Kalund, Sturlunga Saga efter membranen króksfjardarbók, 2 Bde. [Kobenhavn 1906-1911]) I 244; Gesta ep. Islandicorum 2 1056 (MG SS XXIX 413); vgl. Johann Renner, Chr. von Bremen (Klink 105f., 112). Reg.: Gustav Storm, Regesta Norvegica I (Cristiana 1898) n. 25 (zu Viktor II.); Wassenhoven, Skandinavier n. A 237 (zu Viktor II.); vgl. May, Regesten der Bischöfe von Bremen n. 247; GP VI 58 zu n. †83; Regesta Norvegica n. [37]. Lit.: Höfler, Deutsche Päpste II 246; Maurer, Bekehrung II 587ff.; Dehio, Erzbistum Hamburg-Bremen I 194; Steindorff, Heinrich II 212f.; Brucker, L'Alsace II 67f.; Boga Melsteđ, Freðir, Siglingar og samgöngur milli Íslands og annara landa á dögum þjóðveldisins (Safn til sögu Íslands og íslenzkra bókmennta ad fornu og nýju 4/1907, 585-910) 779ff.; Mann, Popes VI 82f.; Johnson, Adalbert of Hamburg-Bremen 155; Kolsrud, Noregs Kyrkiesoga I 177f.; Seegrün, Skandinavien 92; Kuhn, Das älteste Christentum Islands 22; Roland Köhne, Bischof Isleifr Gizurarson, ein berühmter Schüler des Stifts Herford (67. Jahresbericht des historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg [1972] 1-38) 26ff.; Jón Jóhannesson, A History of the Old Icelandic Commonwealth (Manitoba 1974) 144ff.; Stephan Kuttner, St. Jón of Hólar: Canon Law and Hagiographiy in Medieval Iceland (Analecta Cracoviensia 7/1976, 367-375) 367ff.; Lammers, Geschichte Schleswig-Holsteins IV/1 192; Roland Köhne, Wirklichkeit und Fiktion in den mittelalterlichen Nachrichten über Isleif Gizurarson (Skandinavistik 17/1987, 24-30); Pulsiano/Wolf, Medieval Scandinavia 331f.; Martin Kaufhold, Norwegen, das Papsttum und Europa im 13. Jahrhundert. Mechanismen der Integration (HZ 265/ 1997, 309-342) 312; Birch, Pilgrimage to Rome 152; Orri Vésteinsson, The Christianization of Iceland (Oxford 2000) 20ff.; Seegrün, Erzbischof Adalbert 136.

Kommentar

Ari Thorgilsson berichtet, der Isländer Ísleifur Gizurarson sei zur Zeit, als Leo VII. Papst war, von Adalbert von Bremen zum Bischof geweiht worden, 24 Jahre Bischof gewesen und 1080 gestorben. Die Weihe hätte demnach 1056 stattgefunden, was einen zumindest indirekten Bezug zu Leo IX., nicht zu Leo VII. herstellt. Diese Daten werden durch die Gesta ep. Islandicorum bestätigt, welche zu 1056 berichten Isleivus ... electus est episcopus ... profectus ad conventum cum Leone papa, papa vero misit litteras suas Adalberto archiepiscopo Bremensi, ut is daret Isleivo episcopalem consecrationem ... et Isleivus consecratus est ... iussu papae. Die Weihe an sich wird auch von Adam von Bremen in seiner Descriptio insularum aquilonis IV 36 (Schmeidler, MG SS rer. Germ. 2/ 1917³ 273), allerdings ohne Erwähnung des Papsts, angeführt. Nach Maurers Darlegung fand sie an Pfingsten 1055 statt. Beide ausführlichen Quellentexte weisen in der Datierung auf das Jahr 1056, also in die Zeit nach dem Tod Leos IX., in den Pontifikat Viktors II. Möglicherweise haben die Anfang des 13. Jahrhunderts entstandenen Gesta ep. Islandicorum und der knapp ein Jahrhundert ältere Ari Thorgilsson an dieser Stelle einen Leo-Papst eingefügt, weil Leo IX. der berühmteste Papst um die Mitte des 11. Jahrhunderts war. Allerdings besteht auch die Möglichkeit, Ari Thorgilsson und die Gesta ep. beim Wort zu nehmen; sie überliefern eine Reise des gewählten Bischofs von Island nach Sachsen zu Heinrich III., dem er einen Eisbären geschenkt habe; der Kaiser gab ihm einen Geleitbrief für sein gesamtes Reich. Danach wird die Reise Ísleifurs zu Papst Leo erwähnt, der ihn zur Bischofsweihe an den Hamburger Erzbischof verwiesen habe. Diese fand an Pfingsten (26. Mai) 1056 statt. Bei der Annahme eines gedrängten chronologischen Verlaufs dieser Ereignisse müsste statt Leo IX. Viktor II. als handelnder Papst angenommen werden (wie Storm, Regesta Norvegica n. 25; Wassenhoven, Skaninavier n. A 237). Nimmt man jedoch an, dass der Isländer die Zeit vor seiner Weihe mit einer Reise durch Deutschland und Italien verbrachte, wie auch die Darstellung der Gesta es suggeriert, dann ist durchaus möglich, dass er nach einem Aufenthalt am Kaiserhof nach Italien ging, dort mit dem Papst zusammentraf und sich bei der Rückreise nach Hamburg Zeit ließ, die Weihe also erst nach dem Tod des Papstes stattfand. Die Tatsache, dass Leo IX. die Weihe nicht persönlich durchführte, was der Kandidat mit seiner Reise doch wohl bezweckte, dürfte mit dem von ihm ausgestellten Privileg für Adalbert von Hamburg-Bremen zusammenhängen, in welchem der Erzbischof als Legat des Nordens mit der Weihe der dortigen Bischöfe betraut wurde (n. 1026); das Datum der Ausstellung dieser Urkunde dient daher als terminus post quem. Allerdings betrachtet Köhne, Wirklichkeit den Bericht über die gesamte Reise des Elekten durch Deutschland und Italien, also auch die Beteiligung von Kaiser und Papst an der Bischofsweihe, als fiktiv und dem historischen Renommé des ersten isländischen Bischofs geschuldet.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 1027, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1053-01-06_2_0_3_5_2_699_1027
(Abgerufen am 17.08.2017).