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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo IX. weiht die Kirche in (Nieder) Pappenheim (D. Eichstätt).

Überlieferung/Literatur

Erw.: Matthäus von Pappenheim, De origine 65 (Augsburg 1553, deutsche Version fol. 81); vgl. auch: Johann Caspar Rettenmayer, Geschichte der Pappenheimer (Pappenheim, StadtArch. 94ff.) (Redenbacher, Erwiderung 18). Reg.: Lang, Regesta circuli Rezatensis 28; Munier, Léon IX 280 (1052/53). Lit.: Wiguleus Hund zu Sultzenmos, Bayrisches Stammbuch II (Ingolstadt 1598) 160; Doederlein, Matthäus a Pappenheim 33f., 45; Johann Peter Ludewig, Vollständige Erläuterung der Güldenen Bulle (Frankfurt 1752) 809; Klüber, Historischkritische Beleuchtung 13ff.; Redenbacher, Erwiderung 17f.; Haupt Graf zu Pappenheim, Versuch einer Geschichte der frühen Pappenheimer Marschälle (Würzburg 1927) 1; Die Eichstätter Bischofschronik des Grafen Wilhelm Werner von Zimmern, hg. von Wilhelm Kraft (Würzburg 1956) 45; Brakel, Heiligenkulte 270; Schwackenhofer, Pappenheim 46.

Kommentar

Die Schrift des Matthäus von Pappenheim als sehr seltene Quelle war schon Ludewig nicht mehr zugänglich, der die Nachricht nur durch die Vermittlung Hunds von Sultzemos kennt. Doederlein dagegen bezieht sich neben Hund auch auf die eigentliche Quelle. Entsprechend diesen Vorlagen nimmt er eine Weihe im Jahr 1050 an: a. 1050 vom Pabst Leone dem IX. die Pfarrkirche in Pappenheim geweyhet. Gegen diese Überlieferungen polemisierte Klüber mit dem wenig überzeugenden Argument, eine Weihe der Kirche in Pappenheim sei unmöglich, weil andere Quellen, insbesondere Hermann von Reichenau nichts davon berichteten; daher sei auch eine Weihe in Niederpappenheim auszuschließen. Redenbacher erklärt in seiner Erwiderung auf Klüber unter Bezug auf ein nicht ediertes Geschichtswerk Döderleins wiederum, die von den Quellen gemeinte Kirche müsse jene in Niederpappenheim sein, da dieses der ältere Ort, dessen Kirche die Mutterkirche sei. Zur Bestätigung zitiert Redenbacher außerdem eine – allerdings junge – nach seiner Darstellung im Pappenheimschen Archiv befindliche Handschrift des Kaufbeurer Klosterbeamten Johann Kaspar Rettenmayer, in welcher II 26 von einer Verwandtschaft Leos IX. mit dem Geschlecht der späteren Marschälle von Calentin zu Pappenheim die Rede ist: Marschall Heinrich I. war vermählt mit Irmgart, einer Gräfin von Egisheim ... die wo nicht eine Schwester des hl. Papstes Leo IX, doch eine sehr nahe Base war. Leo besuchte wirklich seinen Schwager oder Vetter Heinrich im Jahre 1050 persönlich in Pappenheim, und weihte dasselbst die neuerbaute Pfarrkirche ein. Diese vermutlich auf Matthäus von Pappenheim basierende Quelle nennt also auch das Jahr 1050, das allerdings wenig Wahrscheinlichkeit für sich hat. Falls in den Überlieferungen ein historischer Kern steckt, müsste der Papst die Weihe im Verlauf einer Reise nach Augsburg vollzogen haben. In Augsburg war Leo IX. im Dezember 1049 (vgl. n. 717), doch macht das Itinerar dieser Reise eine Weihe in diesem Jahr unwahrscheinlich (nn. 714, 716). Weitere Aufenthalte in der schwäbischen Bischofsstadt sind am 2. Februar der Jahre 1051 und 1053 nachgewiesen (nn. 867, 1032). Die Weihe wäre demnach vor diesen beiden Daten möglich, allerdings kaum mehr als vier Wochen früher; damit entfiele das Jahr 1050; die gesamte von Rettenmayer gegebene Darstellung passt am ehesten – auch wegen des 1051 vermutlich anderen Itinerars – in den Januar 1053. Im Januar 1053 aber kam der Papst vom Rhein und wandte sich nach Augsburg; nach Wilhelm Kraft, Das Urbar der Reichsmarschälle von Pappenheim (Schriften zur bayerischen Landesgeschichte 3, München 1929) 48ff. führte durch das Gebiet der Pappenheimer die Handelsstraße Nürnberg – Augsburg, die eine wichtige Verbindung des Rhein mit dem Donaugebiet darstellte und die Pappenheimer hatten darauf Geleitsrechte. Allerdings stellt sich die Frage nach der Glaubwürdigkeit der beiden Quellen, insbesondere Matthäus' von Pappenheims. Als Vertreter der Familie, um deren Kirche und Verwandtschaft zum Papst sich die betreffende Überlieferung dreht, kann er durchaus noch im 15. Jahrhundert auf alte Familientraditionen zurückgegriffen haben. Andererseits war ihm selbstverständlich an einer Rangerhöhung seiner Familie durch die Verwandtschaft mit einem Papst sowie der Kirche seiner Familie durch die päpstliche Weihe gelegen, was eine Verfälschung der Tradition begründen könnte; außerdem hat die Ehe einer hochadeligen Egisheimerin mit einem Ministerialen vor der Mitte des 11. Jahrhunderts wenig Plausibilität für sich. Vielleicht entstand die Information über die Ehe eines Pappenheimers mit einer Egisheimerin aufgrund der – ebenfalls nicht gesicherten – Überlieferung von der Verwandtschaft der Donauwörther (vgl. n. 716) mit dem elsässischen Haus durch die Heirat der angebl. Papstschwester Tuta und Manegolds von Donauwörth (Zelzer, Donauwörth 19). Fraglich ist zudem, ob Matthäus auf die Verwandtschaft und entsprechende Überlieferungen überhaupt eingeht, oder Rettenmayers Darstellung auf anderen Quellen basiert; dann könnte die Ehe des Maximilian von Pappenheim mit Ursula von Leiningen-Dachsburg (1606) den Hintergrund für die angebliche Papstverwandtschaft abgeben. Endgültig klären lässt die Frage nach der Kirchweihe sich nicht; vom Itinerar des Papstes her wäre sie denkbar.Für den weiteren Verlauf der Reise des Papstes berichtet Rettenmayer, Geschichte der Pappenheimer (Pappenheim, Stadtarch. 95f.) (Redenbacher, Erwiderung 18), Leo IX. sei von den Brüdern Heinrich und Friedrich von Calentin zu Pappenheim und dem mit diesen verwandten Theobald von Graisbach, von der Grenze des Bistums Augsburg an außerdem vom Augsburger Domkanoniker Sigfried von Druisheim, Guntram Calentin von Biberbach und Wertinko Calentin von Hohenreichen zu Bernold Calentin nach Druisheim und weiter nach Augsburg geleitet worden (Bei der Abreise des Papstes Leo IX. begleitete ihn Heinrich und Friedrich von Calentin und ihre Stammbrüder die Grafen Theobald von Graisbach ... zu ihrem Stammvetter Bernold zu Druisheim. Auf der Grenze des Bistums Ausgburg empfieng ihn der Domherr ... von Augsburg Sigfried, ein Sohn des edlen Bernolds von Druisheim ... Mit den bischöflichen Deputirten ritten dem Papste bis Donauwörth entgegen Guntram von Biberbach und Wertinko von Hohenreichen ... zogen mit ihm in Druisheim ein, und gaben ihm darauf das Ehrengeleit bis Augsburg). Falls die Weihe in Pappenheim tatsächlich stattgefunden hat, ist der von Rettenmayer dargestellte weitere Reiseverlauf nicht unwahrscheinlich, wenn auch die von ihm genannten Begleiter nicht unbedingt stimmen. Er behauptet etwa auch, Leo IX. sei auf der gesamten Reise durch Deutschland in kaiserlichem Auftrag vom Reichserbmarschall Heinrich von Calentin geleitet worden. Das trifft vermutlich nicht zu, zumal die Calentin diesen Titel erst später führten und ein erst im 11. Jahrhundert im Reichsdienst aufstrebendes Ministerialengeschlecht waren. Falls aber die Familie bereits in der Mitte des 11. Jahrhunderts (ohne quellenmäßigen Niederschlag) ein militärisch relevantes Reichsamt ausgeübt haben sollte, dann wäre das Itinerar des Papstes über Pappenheim nach Augsburg zu dem Zeitpunkt plausibel, als Leo IX. militärischen Zuzug und Unterstützung für seinen Normannenkrieg angeworben hat.Eine weitere Kirchenweihe im Verlauf dieser Reise ist lt. Rettenmayer, Geschichte der Pappenheimer (Pappenheim, Stadtarch. 96) (Redenbacher, Erwiderung 18) im bibliographisch nicht zu identifizierenden "Schwäbischen Lexicon I 135" erwähnt. Leo IX. soll auf Bitten des Bernold von Druisheim die Kirche von Auchsesheim (D. Augsburg) vom Wagen aus geweiht haben (Braun, Geschichte der Bischöfe I 375; Mittel, Geschichte Donauwörths 39; Zelzer, Donauwörth 20). Es handelt sich also um eine ähnliche Legende wie bei Bruckdorf (vgl. nn. 712, 1003). Rettenmayer erwähnt nur die Weihe selbst auf Bitte des Dorfherren, während Mittel (ohne Angabe von Quellen) diese Funktion dem Manegold von Donauwörth zuweist. Das Schwäbische Lexicon nimmt als Weihejahr 1051 an, wogegen Rettenmayer sich ohne Gründe ausspricht. Mittel dagegen kommt wieder auf 1051 zurück und zwar auf den 2. März, weil das der Tag der Kirchweihe war, doch entbehrt diese vermutete Verbindung der stichhaltigen Grundlage. Zelzer bietet für die chronologische Einordnung das Jahr 1052 an; Leo IX. soll auf der Reise von Regensburg nach Mainz (vgl. nn. 1002, 1005-1007, 1010) in Donauwörth und Auchsesheim vorbeigekommen sein, was sich mit dem tatsächlichen Reiseverlauf nicht vereinbaren lässt. Nur durch Zelzer ist die Erzählung von einer Fernweihe übermittelt; der Papst soll die Weihe wegen der gebotenen Eile verweigert haben, woraufhin die Pferde nicht mehr weitergingen; auf dieses Zeichen hin habe er die Weihe sodann aus der Ferne vollzogen. Auch über die Entstehung der Kirche kursieren wundersame Details; so soll diese mehrfach im benachbarten größeren Nordheim aufgebaut, nachts aber wundersam nach Auchsesheim transferiert worden sein; zum Wahrheitsgehalt vgl. n. †1003.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. †1021, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1053-01-00_2_0_3_5_2_693_1021
(Abgerufen am 30.03.2017).