Regestendatenbank - 176.134 Regesten im Volltext

RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

Sie sehen den Datensatz 712 von insgesamt 1068.

Papst Leo IX. erhält die von Kardinal Humbert von Silva Candida aus dem Griechischen ins Latein übersetzte Schrift des (bulgarischen) Erzbischofs Leo von Ochrid (n. 1038).

Überlieferung/Literatur

Erw.: n. 1112 (c. 5, 20, 35, 40, Will, Acta et Scripta 68, 76, 83, 84); n. 1132 (Will, Acta et Scripta 91); Humbert von Silva Candida, Dialogus 1, 2, 3, 43, 54, 55, 58, 59, 65 (Will, Acta et Scripta 93ff., 115, 121ff., 125); Humbert von Silva Candida, Responsio sive Contradictio 2 (Will, Acta et Scripta 137); Vita Leonis IX (Wibert-Vita) II 19 (9) (Krause, MG SS rer. Germ. 70/2007 220). Drucke: Will, Acta et Scripta 61; Petrucci, Rapporti di Leone IX 158. Reg.: –; vgl. Grumel/Darrouzès, Régestes du patriarcat de Constantinople n. 862. Lit.: Höfler, Deutsche Päpste II 166; Hunkler, Leo IX. 255f.; Delarc, Pape alsacien 446; Steindorff, Heinrich II 255; Halfmann, Cardinal Humbert 6f.; Brucker, L'Alsace II 308f.; Heinemann, Geschichte der Normannen 145; Bréhier, Schisme oriental 94, 96, 102f., 148, 151f., 181ff.; Caspar, Untersuchung zu den PUU für Apulien 262f.; Gay, L'Italie II 494ff.; Chalandon, Domination Normande en Italie I 157f.; Hefele/Leclercq, Hist. des Conc. IV/2 1093; Guggenberger, Deutsche Päpste 66; Fortescue, Orthodox Eastern Church 179; Michel, Autor des Briefes Leos von Achrida 53ff.; Fliche, Réforme I 270; Michel, Humbert und Kerullarios I 49, 78, II 39, 283ff.; Michel, Accusatio des Kanzlers Friedrich 154; Santifaller, Elenco 169; Jugie, Schisme byzantin 193; Michel, Anfänge des Kardinals Humbert 316; Haller, Papsttum II 299; Runciman, Eastern Schism 42; Morghen, Programma della riforma gregoriana 142f.; Nicol, Byzantium and the Papacy 10f.; Kandler, Abendmahlslehre des Kardinals Humbert 18; Petrucci, Redazioni latine 74, 148; Garreau, Saint Léon IX 136; Bianchi, Patriarca Domenico Marango 55f.; Denzler, Morgenländisches Schisma 28; Papadakis, Revision in History 32; Hoesch, Kanonistische Quellen 13; Gilchrist, Humbert of Silva Candida 23; Petrucci, Rapporti di Leone IX 36f., 40f., 53, 59ff., 66f., 85, 121, 148f.; Petrucci, Ecclesiologia e politica 74; Smith, Taking Bread 39f., 47, 58f., 106f., 119ff., 124f., 147ff., 156ff.; Beck, Geschichte der orthodoxen Kirche 144; Horwege, Bruno von Egisheim 130; Hussey, Orthodox Church 132; Nichols, Rome and the Eastern Churches 234; Kaplan, Place du schisme de 1054 31; Kaplan, Schisme de 1054 150; Dischner, Humbert 50; Kaplan, Chrétienté byzantin 171; Bayer, Spaltung der Christenheit 65ff., 72; Munier, Léon IX 218ff.; Avvakumov, Entstehung des Unionsgedankens 61ff.; Gemeinhardt, Filioque-Kontroverse 331ff.; Kolbaba, Closing of the Churches 40f.; Avvakumov, Azymenstreit passim; Noblesse-Rocher, Source ecclésiologique 205, 209; Louth, Greek East and Latin West 307; Frazee, 1054 Revisited 267; Büttner, Leon von Ohrid 42f., 48f., 53, 58, 63, 177, 194; D'Agostino, Primato 139, 160ff.; Whalen, Dominion of God 24.

Kommentar

Erzbischof Johannes von Trani hat den Traktat persönlich an Kardinal Humbert übergeben (vgl. n. 1038), und translata eius studio atque delata d. papae Leoni nono (Wibert-Vita). Bei dieser Übersetzung erfuhr der Text jedoch einige Veränderungen, deren wesentlichste die zugefügte Intitulatio und Adresse sind. Dadurch werden zum einen die Verfasser (Michael, universalis patriarcha novae Romae et Leo archiepiscopus Achridae metropolis Bulgarorum), zum anderen der Empfänger des Traktates genauer bestimmt (Ioanni Tranensi episcopo) (vgl. die Abweichungen n. 1038). Während auf der Empfängerseite in der griechischen Version der Tranenser Erzbischof nicht genannt war, hat Humbert in seiner Übersetzung auf Seiten der Autoren den Patriarchen von Konstantinopel untergeschoben. Ob der Übersetzer sich dabei auf nicht in dem Schreiben selbst überlieferte Nachrichten stützte oder aber durch seine Übersetzung den polemischen Charakter der Schrift im Streit zwischen römischer und byzantinischer Kirche von sich aus verschärfte, ist nicht zu entscheiden. Die Frage nach dem Adressaten der griechischen Epistel war für den Übersetzer wohl schon dadurch geklärt, dass sie ihm durch Johannes von Trani ausgehändigt wurde. Denselben Adressaten führt Humbert auch im Dialog, der wichtigsten Entgegnung an (c. 65, Will, Acta et Scripta 125). Von der unterschobenen Verfasserschaft des Konstantinopolitaner Patriarchen Michael Kerullarios, von welcher im griechischen Text nichts steht, war Humbert selbst wohl überzeugt; zuvor hatte jener bereits einen Streit mit der armenischen Kirche, ebenfalls in der Frage der Azymen, und soll gegen Kirchen der Lateiner in Byzanz vorgegangen sein, diese geschlossen und katholische Gläubige erneut getauft haben (Grumel/Darrouzès, Régestes du patriarcat de Constantinople n. 863); so lautet jedenfalls der Vorwurf gegenüber dem Patriarchen im Brief Leos IX. an Kaiser Konstantin Monomachos von Konstantinopel (n. 1131) (Will, Acta et Scripta 88), dem ersten Brief Leos IX. an den Patriarchen von Konstantinopel selbst (vgl. n. 1112) (20, 29, Will, Acta et Scripta 76, 80f.) ebenso wie im zweiten Papstbrief an den Patriarchen (n. 1132, Will, Acta et Scripta 91), in Humberts Dialog (c. 66, Will, Acta et Scripta 125f.) und der Exkommunikationsbulle (Will, Acta et Scripta 154) (vgl. n. 1133). Somit ist denkbar, dass die Vorwürfe Leos von Ochrid eigentlich Patriarch Michael Kerullarios von Konstantinopel zum (geistigen) Vater haben. Die römische Kurie ging jedenfalls davon aus, dass der eigentliche Autor und der Patriarch gemeinsam die Verfasserschaft hätten. Dies beweisen neben dem zweiten Brief Leos IX. an den Patriarchen n. 1132 (Will, Acta et Scripta 91: litterarum sub nomine tuo ad Apulos datarum) und einigen Passagen (5, 20 im ersten Brief Leos IX. nach Konstantinopel, Will, Acta et Scripta 68, 76) (n. 1112) Humberts Brevis et succincta commemoratio (Will, Acta et Scripta 151; Petrucci, Rapporti di Leone IX 180) sowie der Brief des Patriarchen Dominicus von Grado an Patriarch Petros von Antiochien 3 (Will, Acta et Scripta 207; Migne, PG 120, 753; vgl. auch den Bericht des Pantaleon von Amalfi, Giesebrecht, Deutsche Kaiserzeit II 680, Michel, Amalfi und Jerusalem 53). Im Brief n. 1112 nach Konstantinopel wird beiden Prälaten der byzantinischen Kirche vorgeworfen, sie hätten in ihrem Schreiben die lateinische Kirche der Eucharistiefeier mit Azymen beschuldigt. Ausgangspunkt für die Streitigkeiten sind aber vermutlich die von Leo IX. im Bereich der griechischen Kirche in Süditalien gefeierten Synoden und Versammlungen (nn. 736, 737), mit welchen er hier eine direkte Einflussnahme mit dem Ziel der Unterstellung der Bistümer unter den römischen Stuhl vornahm. Michel, Anfänge des Kardinals Humbert führt die Griechischkenntnisse Humberts auf eine Kolonie griechischer Mönche in Toul zurück.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 1040, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1053-00-00_4_0_3_5_2_712_1040
(Abgerufen am 24.05.2017).