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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst (Leo IX.) (πρός τινα ἐπίσκοπον Ῥώμης/πρός τόν Βενέτον και Ῥώμης) erhält die vom Metropoliten Leo von Ochrid in griechischer Sprache verfasste und im byzantinisch beherrschten Süditalien verbreitete Schrift gegen die Azymen und einige andere von der griechischen Lebensweise abweichende Bräuche der lateinischen Kirche.

Überlieferung/Literatur

Erw.: n. 1112 (c. 5, 20, 35, 40, Will, Acta et Scripta 68, 76, 83f.); n. 1132 (Will, Acta et Scripta 91); Humbert von Silva Candida, Dialogus 1, 2, 3, 43, 54, 55, 58, 59, 65 (Will, Acta et Scripta 93, 94f., 115, 121ff., 125); Patriarch Dominicus von Grado, Brief an Patriarch Petros von Antiochien 3 (Migne, PG 120, 753); Patriarch Petros von Antiochien, Brief an Patriarch Dominicus von Grado 6 (Migne, PG 120, 761); Humbert von Silva Candida, Responsio sive Contradictio 2 (Will, Acta et Scripta 137); Humbert von Silva Candida, Brevis et succincta commemoratio (Petrucci, Rapporti di Leone IX 180); Vita Leonis IX (Wibert-Vita) II 19 (9) (Krause, MG SS rer. Germ. 70/2007 218); Sigebert von Gembloux, Chr. 1053 (MG SS VI 359); Sigebert von Gembloux, De viris illustribus § 148 (Witte 93, 951); Annalista Saxo 1051 (MG SS XXXVII 392); Chr. s. Bavonis Gandensis 1053 (De Smet, Recueil des Chr. de Flandre I 554); Ann. Magdeburgenses (MG SS XVI 173). Drucke: Will, Acta et Scripta 56; Delarc, Pape alsacien 443 (fragm. franz. Übersetzung); Migne, PG 120, 833-844; Jean-Baptiste Pitra, Analecta spicilegii Solesmensis VII (Paris – Rom 1891) 745-752; Büttner, Leon von Ohrid 170ff. (Edition 180; deutsche Übersetzung 181). Reg.: –; vgl. Grumel/Darrouzès, Régestes du patriarcat de Constantinople n. 862. Lit.: Höfler, Deutsche Päpste II 165, 191f.; Hunkler, Leo IX. 253ff.; Will, Restauration I 123f.; Baxmann, Politik der Päpste II 236ff.; Delarc, Pape alsacien 445f.; Steindorff, Heinrich II 254f.; Halfmann, Cardinal Humbert 6f.; Brucker, L'Alsace II 308f.; Heinemann, Geschichte der Normannen 145; Bréhier, Schisme oriental 93f., 96, 102f., 148, 151f., 181ff.; Norden, Papsttum und Byzanz 22f.; Caspar, Untersuchung zu den PUU für Apulien 262f.; Gay, L'Italie II 494ff.; Chalandon, Domination Normande en Italie I 157f.; Hefele/Leclercq, Hist. des Conc. IV/2 1091ff.; Guggenberger, Deutsche Päpste 65f.; Gaudenzi, Costituto di Costantino 71f.; Fortescue, Orthodox Eastern Church 177ff.; Michel, Autor des Briefes Leos von Achrida 50ff., 55ff. 63f.; Fliche, Réforme I 269; Mann, Popes VI 144f.; Michel, Humbert und Kerullarios I 33, 43f., 78, II 39, 282ff.; Michel, Verstreute Humbert und Kerullarios-Texte 355f.; Michel, Accusatio des Kanzlers Friedrich 153; Michel, Die Fälschung der römischen Bannbulle durch Kerullarios 194; Kölmel, Rom 109f.; Michel, Panoplia 178, 180; Jugie, Schisme byzantin 190ff.; Michel, Friedensbotschaft Grados an Antiocheia 163f.; Haller, Papsttum II 298f.; Michel, Schisma und Kaiserhof 370ff., 385f.; Mayne, East and West 134; Runciman, Eastern Schism 41f.; Morghen, Programma della riforma gregoriana 142ff.; Nicol, Byzantium and the Papacy 10f.; Petrucci, Redazioni latine 74; Gilchrist, Humbert of Silva Candida 23; Garreau, Saint Léon IX 135ff.; Bianchi, Patriarca Domenico Marango 55f., 58; Denzler, Morgenländisches Schisma 27f., 41; Papadakis, Revision in History 32; Setton, Crusades I 209; Böhmer, Schisma von 1054 333f.; Gilchrist, Cardinal Humbert 34f.; Erickson, Leavened and Unleavened 165 ff. und passim; Kandler, Abendmahlslehre des Kardinals Humbert 18ff.; Pertusi, Monachesimo italogreco 514f.; Petrucci, Rapporti di Leone IX 35ff., 53, 59ff., 66f., 121, 148f.; Daniel Stiernon, Léon d'Achrida (Dictionnaire de la Spiritualité 9/1976, 623-625); Petrucci, Ecclesiologia e politica 73f.; Smith, Taking Bread 39f., 47, 58f., 91, 106f., 114ff., 120, 147ff., 156ff.; Dvornik, Byzantium and Roman Primacy 131f.; Beck, Geschichte der orthodoxen Kirche 144; Krause, Constitutum Constantini 135; Bloch, Monte Cassino, Byzantium and the West 190; Horwege, Bruno von Egisheim 130; Hussey, Orthodox Church 132; Gemmiti, Ideologia nello scisma 55f.; Tinnefeld, Michael Kerullarios 102ff.; Nichols, Rome and the Eastern Churches 234ff.; Cioffari, Chiesa di Bari 353, 359f.; Vacca, Prima sedes 169; Cowdrey, Reformers' view of Constantine 75; Kaplan, Schisme de 1054 149f.; Dischner, Humbert 49f.; Dagron, Empereur et prêtre 246; Deroche, Rome et Islam 324; Kaplan, Chrétienté byzantin 170f.; Kolbaba, Byzantine Lists 93ff.; Bayer, Spaltung der Christenheit 64ff.; Avvakumov, Entstehung des Unionsgedankens 60f., 68ff.; Gemeinhardt, Filioque-Kontroverse 330f.; Chadwick, East and West: Rift in the Church 201f.; Hoffmann, Grande incompréhension 97f.; Munier, Léon IX 218ff., 225ff.; Caruso, Politica gregoriana 529f.; Kolbaba, Closing of the Churches 40f.; Avvakumov, Azymenstreit 9ff. und passim; Bayer, Das sog. Schisma 31ff.; Tinnefeld, Ereignisse von 1054 9; Scholz, Politik 441; Frech, Urkunden Leos IX. 166; Noblesse-Rocher, Source ecclésiologique 205, 209; Cheynet, Politique byzantine 262, 270f.; Louth, Greek East and Latin West 307; Frazee, 1054 Revisited 265ff.; Loud, Latin Church in Norman Italy 40; Büttner, Leon von Ohrid 40ff., 44ff., 48ff., 57f., 63, 170, 194ff.; Hägermann, Papsttum am Vorabend des Investiturstreits 17; D'Agostino, Primato 100ff., 153f., 162ff., 397; Whalen, Dominion of God 24.

Kommentar

Die von Will, Acta et Scripta 56-60 in der griechischen Version edierte Kampfschrift richtet sich vor allem gegen die eucharistische Verwendung von Azymen bei den Lateinern, aber auch gegen andere Gebräuche wie "Sabbatfeiern" in der Fastenzeit, den Genuss von Ersticktem etc., und gipfelt in dem Vorwurf, dass diese abweichenden Sitten die Lateiner weder zu richtigen Juden noch zu richtigen Christen machten, und sie dadurch das Licht des Christentums verloren hätten und sich erneut dazu bekehren sollten. In seiner griechischen Version nennt der Text als Verfasser den Metropoliten Leo von (Ochrid in) Bulgarien: Λεοντοσ αρξιεπισκοπου Βουλγαριας, wovon jedoch die lateinische Übersetzung abweicht (n. 1040). In beiden Versionen richtet sich das Schreiben an die Bischöfe des Westens, einschließlich den Papst πρὸς πάντας τοὺς ἀρχιερεῖς τῶν Φράγγων, και πρὸς αὐτὸν τὸν αἰδεσιμώτατον Πάπαν (ad universos ... sacerdotes Francorum ... et ad ipsum reverendissimum papam); zusätzlich benennt die Überschrift der griechischen Version den Επισκοπον Ρωμης als Empfänger (aus der Edition bei Büttner 170, 180 ergibt sich aus unterschiedlichen Handschriften eine doppelte Adresse; neben dem Papst als erstem Empfänger wandte der Brief sich an den Patriarchen von Grado und den Erzbischof von Trani als Übermittler). Eigentlicher Adressat, bzw. Vermittler des Schreibens in den Okzident war jedoch der in der lateinischen Übersetzung (n. 1040) und der Papstvita als Empfänger genannte Erzbischof Johannes von Trani (vgl. Kommentar zu n. 1133). Denselben Adressaten führt Humbert auch im Dialog (65, Will, Acta et Scripta 125) an. Büttner, Leon von Ohrid konnte allerdings aufgrund der Inscriptionen in griechischen Abschriften des Textes zeigen, dass es sich bei Johannes von Trani um einen sekundären Verteilerweg des Schreibens handelte; den Papst als eigentlichen Adressaten πρὸς τὸν αἰδεσιμώτατον πάπαν sollte die Schrift vorrangig über Patriarch Dominicus von Grado erreichen. Der erste Brief Leos IX. an den Patriarchen von Konstantinopel (n. 1112) nennt als Adressaten des Schriftstückes die Bischöfe Apuliens (coepiscopis nostris Apulis scriptam, 40, Will, Acta et Scripta 84). Wann die Schrift entstanden und an den Papst gelangt ist, lässt sich nicht eindeutig bestimmen, doch erwähnt die Vita Leonis IX (Wibert-Vita), das Dokument sei cum fuisset Trani exhibita fratri Humberto, und berichtet dies im Zusammenhang mit Ereignissen des beginnenden Jahres 1053, an welche mit der temporalen Bestimmung ea tempestate angeknüpft wird. Es ist jedoch anderweitig kein Aufenthalt Humberts in Trani überliefert. Genaue Aussagen über den Zeitpunkt lassen sich daher nicht machen, doch ist aufgrund der verschiedenen als Antwort darauf bis Anfang 1054 verfassten Schreiben (nn. 1112, 1131, 1132, Humberts Dialog etc.) anzunehmen, dass das Pamphlet im Lauf des Jahres 1053 an der Kurie bekannt wurde. Dieselbe Datierung legt auch eine Passage aus dem ersten Brief Leos IX. an Patriarch Michael Kerullarios von Konstantinopel (n. 1112) nahe, wo der Papst davon spricht, es seien nun mille ac ferme viginti a passione Salvatoris nostri annos (c. 5, Will, Acta et Scripta 68) vergangen, bevor der Vorwurf wegen der Azymen laut geworden sei. Unter der Annahme, die Passion Christi habe im Jahre 33 stattgefunden, deutet diese Aussage bzgl. der Datierung des Azymenstreites in das Frühjahr 1053. Zwei weitere Rundschreiben des Leo von Ochrid in der Azymenfrage (Büttner, Leon von Ohrid 202 und 224, vgl. 52f., 64, 66), die nach Ansicht des Herausgebers Mitte 1053 bzw. um den Jahreswechsel 1053/4 entstanden und in Fortsetzung des über Trani an den Papst gelangten Schreibens ebenfalls an Leo IX. gerichtet gewesen seien, haben keinen weiteren quellenmäßgen Anhaltspunkt im lateinischen Schrifttum hinterlassen. Humbert erhielt das Schriftstück vermutlich als bekanntermaßen vertrauter Berater des Papstes und vermutlich einziger, der in dessen Umgebung des Griechischen mächtig war; vgl. im Zusammenhang n. 1040.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 1038, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1053-00-00_3_0_3_5_2_710_1038
(Abgerufen am 24.01.2017).