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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo IX. degradiert während einer von Erzbischof Luitpold von Mainz zelebrierten Messe dessen Diakon Humbert, weil dieser trotz mehrfacher Ermahnung die Lesung abweichend vom römischen Brauch sang; zu der vom Erzbischof erbetenen Restitution wird der Papst durch dessen Weigerung, die Messe ohne seinen Diakon fortzusetzen, gezwungen.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Frutolf, Chr. 1053 (Schmale 68); Annalista Saxo 1053 (MG SS XXXVII 394); Ann. Admuntenses 1053 (MG SS IX 575); Otto von Freising, Chr.-Auctarium Admuntense 1053 (Hofmeister, MG SS rer. Germ. 45/1912 469); Ann. s. Aegidii Brunswicenses 1053 (MG SS XXX/1 10); Theodor monachus, Ann. Palidenses 1052 (MG SS XVI 69); Ann. Magdeburgenses 1053 (MG SS XVI 173); Eike von Repgow, Zeitbuch (Massmann 342); Albert von Stade, Ann. 1053 (MG SS XVI 315); Sächs. Weltchr. (MG DChr. II 173); Königsberger Weltchr. (Giesebrecht, Deutsche Kaiserzeit II 724); Chr. Luneburgicum (Eckhart, Corp. Hist. I 1345); Hermann Corner, Chr. novella 1053 (Eckhart, Corp. Hist. II 589); Andreas von Regensburg, Chr. de ducibus Bavariae (Freher 175); Nicolaus von Siegen, Chr. eccl. 1053 (Wegele, Thüringische Geschichtsquellen II 226); Johannes Trithemius, Ann. Hirsaugienses 1052 (Mabillon I 193). Reg.: J p. 376; Böhmer/Will, Regesten der Mainzer Erzbischöfe I 177 n. 8; GP IV 91 n. *116; JL I p. 543. Lit.: Gall. chr. V 462; Höfler, Deutsche Päpste II 154f.; Hunkler, Leo IX. 226ff.; Will, Restauration I 99ff.; Delarc, Pape alsacien 387ff.; Steindorff, Heinrich II 188f.; Brucker, L'Alsace II 255f.; Pflugk-Harttung, Papstwahlen II 32f.; Guggenberger, Deutsche Päpste 61f.; Tellenbach, Libertas 170; Paulin, Léon IX musicien 120; Garreau, Saint Léon IX 119ff.; Thomas, Erzbischof Siegfried von Mainz 383f.; Laqua, Traditionen 306f.; Horwege, Bruno von Egisheim 117f.; Heinemeyer, Erzbischof Luitpold von Mainz 71f.; Jürgensmeier, Bistum Mainz 74; Gerd Althoff, Gloria et nomen perpetuum. Wodurch wurde man im Mittelalter berühmt ? (Person und Gemeinschaft im Mittelalter. FS Karl Schmid [Sigmaringen 1988] 296-313) 311; Frech, Deutsche Päpste 323; Coué, Bischofsviten 382; Goetz, Der "rechte" Sitz 18; Hartmann, Centralismo papale 104f.; Coué, Hagiographie 102; Hehl, Mainzer Kirche in ottonischsalischer Zeit 279; Johrendt, Reisen der Reformpäpste 74; Munier, Léon IX 139f.; Gresser, Clemens II. 124; Johrendt/Müller, Zentrum und Peripherie 3f.

Kommentar

Frutolf als grundlegende Quelle überliefert, dass am zweiten Weihnachtsfeiertag 1053 (entsprechend dem Weihnachtsjahresanfang, also 1052), nachdem Leo IX. tags zuvor die Messe gefeiert hatte (n. 1015), das nun Luitpold von Mainz als Metropolit von Worms tat (Luitpoldum Moguntinae sedis archiepiscopum utpote in sua diocesi precipuum huic subrogavit officio). Während dieser Messe habe Diakon Humbertus ... lectionem decantavit, was den Römern im Umkreis des Papstes nicht gefallen habe. Auf die vom Papst verhängte Degradierung hin habe der Erzbischof darum gebeten, ut suum sibi redderet ministrum. Da der Papst nicht nachgab, hat Luitpold, als er zur Opferung schreiten sollte, sich nicht erhoben und erklärt, nec se nec alium quempiam completurum illud officium, nisi reciperet ... ministrum. Daraufhin apostolicus ... pontifici cessit reindutumque ministrum ... remisit. Die anderen Quellen schreiben Fruolf weitgehend wörtlich ab. Alle sehen das Verhalten des Papstes als Symbol für seine Demut (humilitas). Doch dürfte die Problematik vermutlich tiefer liegen: der Papst versuchte, die Durchführung der römischen Liturgie in Deutschland durchzusetzen. In diesem Fall weigerte sich der Diakon, der päpstlichen Aufforderung nachzukommen und zog es vor, die Lesung in der begonnenen liturgischen und ihm gewohnten Form (sicut multi solent) zu Ende zu singen. Leo IX. musste darin einen Angriff auf die päpstliche Autorität vermuten und ging entsprechend vor. Erzbischof Luitpold dagegen sah in dem strengen Vorgehen des Papstes eine Einmischung in die ihm zustehende Jurisdiktion. Die Verurteilung eines ihm unterstehenden Klerikers stand nur ihm allein zu; das päpstliche Recht, überall in der Kirche unaufgefordert einzugreifen, welches die gregorianische Reform für die Zukunft etablieren sollte, lehnte der Erzbischof noch ab. Dementsprechend resultiert das Nachgeben des Papstes weniger auf seiner Demut, als auf der Tatsache, dass er den Machtkampf gegen einen konservative Positionen vertretenden Erzbischof (pontifex ... antiquae disciplinae) einstweilen verloren hatte. Vielleicht ist die kurz darauf erfolgte Verleihung des Palliums an den Mainzer Suffragan Bamberg (n. 1023) sogar als aufgrund dieses Vorfalls erfolgte Abstrafung des Mainzer Metropoliten zu verstehen.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 1017, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1052-12-26_1_0_3_5_2_689_1017
(Abgerufen am 24.05.2017).