Regestendatenbank - 176.134 Regesten im Volltext

RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

Sie sehen den Datensatz 678 von insgesamt 1068.

Papst Leo IX. richtet während der in Anwesenheit Kaiser Heinrichs III. und genannter Prälaten gefeierten Messe eine Predigt an das Volk, lässt danach durch seinen Kanzler Friedrich Privilegien seiner Vorgänger Johannes' (XVIII.), Benedikts (VIII.) und Clemens' (II.) (n. 380) sowie der Kaiser Heinrich (II.) und Konrad (II.) für die Bamberger Kirche verlesen zusammen mit der am 7. Mai 1008 in Würzburg ausgestellten Urkunde, durch welche Bischof Heinrich von Würzburg die Stadt Bamberg, den Rednitzgau mit Ausnahme der Kirchen von Wachenroth, Lonnerstadt und Mühlhausen sowie genau beschriebene Teile des Gaues Volkfeld zur Gründung des Bamberger Bistums an Kaiser Heinrich II. abgetreten hatte; anschließend beschwert sich Bischof Hartwig von Bamberg wegen Übergriffen von Klerikern des ebenfalls anwesenden Bischofs Adalbero von Würzburg auf eine seiner Kirchen, woraufhin letzterer Wiedergutmachung verspricht; nach Beilegung des Streits bestätigt der Papst das Bamberger Bistum in mündlicher Form und wird von den Kanonikern in eine Gebetsverbrüderung und als Kanoniker in das Domkapitel aufgenommen; dem Kaiser schenkt Leo IX. eine von ihm selbst und zwei vom heiligen Papst Gregor I. konsekrierte Hostien.

Überlieferung/Literatur

Erw.: n. 1012; Frutolf, Chr. 1052 (Schmale 66); Ann. Magdeburgenses 1052 (MG SS XVI 173); Annalista Saxo 1052 (MG SS XXXVII 393); Ann. Admuntenses 1052 (MG SS IX 575); Adalbert, Vita Heinrici II 18 (Stumpf, MG SS rer. Germ. 69/1999 265); Jakob Twinger von Königshofen, Chr. (Hegel, Chr. der deutschen Städte VIII 431; IX 558); Veit Arnpeck, Chr. Baioariae II 11 und V 12 (Leidinger 112 und 209); Johannes Staindel, Chr. generale 1052 (Oefele, SS rer. Boic. I 476); Johannes Trithemius, Ann. Hirsaugienses 1052 (Mabillon I 192); Johannes Naucler, Memorabilium (II fol. 153); Martin Hoffmann, Ann. Bambergenses II 24 (Ludewig, SS rer. ep. Bambergensis I 72f.). Reg.: Jäck, Beiträge zur Urgeschichte Bambergs 28; J p. 375; Mas Latrie, Trésor de chronologie 1281; Böhmer/Will, Regesten der Mainzer Erzbischöfe I 177 n. 5; Heidingsfelder, Regesten der Bischöfe von Eichstätt 70 n. 193; Guttenberg, Regesten der Bischöfe von Bamberg n. 257, vgl. GP IV 90 n. 114; JL I p. 543. Lit.: Gall. chr. V 462; Höfler, Deutsche Päpste II 148; Delarc, Pape alsacien 382ff.; Steindorff, Heinrich II 186f.; Looshorn, Geschichte des Bistums Bamberg I 362; Brucker, L'Alsace II 254; Hauck, Kirchengeschichte III 604, 607; Weber, Privilegien des Bistums Bamberg 337; Müller, Itinerar 94f.; Martin, Saint Léon 154f.; Del Vecchio, S. Tommaso 19; Guggenberger, Deutsche Päpste 61; Zeller, Übertragung von Reliquien des hl. Zeno 114; Schulte, Deutsche Könige als Kanoniker 165; Guttenberg, Bistum Bamberg 99; Vehse, Bistumsexemtionen 106; Santifaller, Elenco 152; Stintzi, Leo IX. Lebensweg 55; Barth, Kult Leos IX. 152, 216; Reitzenstein, Papst Clemens II. 14f.; Garreau, Saint Léon IX 117; Schwaiger, Kanonisation Bischof Wolfgangs 232; Schröbler, Ikonographie des Clemensgrabes 343; Beumann, Reformpäpste als Reichsbischöfe 36f.; Zimmermann, Suidger von Bamberg 125, 134; Timmel/Zimmermann, Suidger 16; Groten, Gebetsverbrüderung 21; Heinemeyer, Erzbischof Luitpold von Mainz 70; Finck von Finckenstein, Bischof und Reich 167f.; Dahlhaus, Rota 40f.; Lindner, Clemens II. 76; Schwaiger, Bischof Wolfgang 31; Zimmermann, Papst Clemens II. 26; Baumgärtel-Fleischmann, Papstgrab 31; Lombardi, Vita e morte di Clemente II 80; Hehl, Mainzer Kirche in ottonischsalischer Zeit 279; Pflefka, Auf dem Weg zur Exemtion 154; Munier, Léon IX 138; Johrendt, Papsttum und Landeskirche 224; Schieffer, Bamberger Domkapitel 261; Gresser, Clemens II. 27, 123f.; Gresser, Papst Clemens und Bamberg 97ff.; Dahlhaus, Urkunde, Itinerar und Festkalender 13f.

Kommentar

Grundlage aller Quellen ist die in die Vita Heinrichs II. inserierte Urkunde Leos IX. für Bamberg (n. 1012). Diese enthält die Aussage, dass Leo IX. am 18. Oktober (1052) dort während der Messe predigte: Babenberg ... in die natali b. Lucae verbum Dei haberemus ad populum (Datum bei Veit Arnpeck: VIII. id. Oct. und Martin Hoffmann: in die natalis s. Lucae); sie belegt auch die Anwesenheit Heinrichs III., Humberts von Silva Candida, des römischen Diakons Amantio und des Subdiakons Meginard, der Erzbischöfe Luitpold von Mainz und Balding/Balduin von Salzburg, der Bischöfe Gebhard von Regensburg, Gebhard von Eichstätt, Azelin von Hildesheim, Eticho von Faenza, Walter von Verona und Hezilo von Sirmium (Sremska Mitrovica in Serbien ?) sowie von Laien (praesente ... filio nostro Heinrico, et episcopis subscripitis, Humberto Silvae Candidae card. episcopo, Amantio Romano diac., et Maginardo subdiac., Luidboldo Magontino archiepiscopo, Beldingo Salzburgensi archiepiscopo, Gebehardo Radasbonensi ep., Gebeardo Heistetensi ep., Azelino Hildenesheimensi ep., Ethichone Faventino, Waltero Veronensi, Hezilone Sirmensi); allerdings ist die Liste der Urkunde unvollständig, da der im weiteren Inhalt als anwesend erwähnte Bischof Adalbero von Würzburg (Adalberonis Wirziburgensis episcopus) darin nicht vorkommt. Die Anwesenheit des im Text der Urkunde vom 6. November ebenfalls nicht (sondern nur als deren Datar) genannten päpstlichen Kanzlers Friedrich verbürgt der Vorspann der Urkunde in der Vita Heinrici II., wo dem Kanzler die Aufgabe zugeschrieben ist, die päpstlichen Privilegien zu verlesen: praesul ... privilegia ... loci a canc. suo Friderico ... pronuntiari mandavit. Die verlesenen Dokumente sind nur beim späten Martin Hoffmann spezifiziert: relecta sunt Joannis, Benedicti et Clementis pontificum, s. Henrici et Conradi imp. ... privilegia. Es handelt sich dabei vermutlich um die Privilegien Johannes' (XVIII.) (1007 Juni) (JL 3954; GP III 248 n. 1; Böhmer/Zimmermann, Papstregesten n. 1023) (Zimmermann, PUU II 830), Benedikts (VIII.) (1013 Jan. 21; 1020 Mai 1) (JL 3996; JL 4030; GP III 249 n. 4; GP III 251 n. 7; Böhmer/Zimmermann, Papstregesten nn. 1111, 1224) (Zimmermann, PUU II 906 und 1004) sowei Clemens' (II.) (n. 380). Eine Verlesung der kaiserlichen Dokumente ist zwar nicht unmöglich, doch spricht der Papst in der Urkunde nur von praedecessorum nostrorum privilegia, so dass die Aussage des späten Hoffmann mit Vorsicht zu verwenden ist. Das in der genannten Papsturkunde samt Unterschriftenliste inserierte Dokument Heinrichs von Würzburg, durch welches dieser neben Bamberg den Rednitzgau mit Ausnahme der Kirchen von Wachenroth, Lonnerstadt und Mühlhausen (cum pago qui Redenzgeuui dicitur ... exceptis ... Wachenrod, Lonerstat, Mulihusun) sowie den zwischen der Aurichmündung in die Regnitz, Regnitzmündung in den Main, und der Mündung des Baches Viereth in den Main liegende Teil des Gaues Volkfeld (pagi Uolgfeld ... de Babenberc ad flumen Uraha, de Uraha in Ratenza flumen ... decursum eiusdem fluminis in Moin ... ad rivulum Vihiritpahc ... proxime ... ad Uraha) für die Bistumsgründung an Heinrich II. abgetreten hatte, ist in den anderen Quellen nicht erwähnt (vgl. Guttenberg, Regesten der Bischöfe von Bamberg n. 77). Genauso verhält es sich mit dem Streit zwischen den Bischöfen von Bamberg und Würzburg, der allein von Martin Hoffmann zur Kenntnis genommen wurde. Dagegen vermelden alle genannten Quellen die (mündliche) Privilegierung durch Leo IX., deren schriftliche Ausformung n. 1012 darstellt (eandem corroborationem nunc etiam litteris signamus). Zu der schwer verständlichen Formulierung der Urkunde, aufgrund welcher von einem päpstlichen Ehrenkanonikat in Bamberg die Rede ist, vgl. n. 1013. – Eine Mirakelgeschichte überliefert Veit Arnpeck V 12; demnach brachte Leo IX. 1052 für Heinrich III. drei Hostien, die der Kaiser später als Heiltum mit sich führte, dann in Bamberg unterbrachte: [Leo IX] ... 1052 transiens secum tres hostias ad imp. Hainricum detulit, duas, quas s. Gregorius, terciam, quam divinitus iussus consecravit. Quas ... imp. Hainricus in terris suis circumferri ... fecit ... Bamberge permanserunt. Neben diesem aus der Lagerung folgenden Bezug zu Bamberg nennt Barth einen weiteren: lt. einer Andechser Chronik (München, StBibl., 4 Inc. s.a. 589d., 1595 fol. 10f., 20) wurden in Andechs drei Hostien verehrt, die: s. Otto Bischoff zu Bamberg schickt seinem Vatter Bertholdo [v. Andechs] ... deren zwo Bapst Gregorius geweyhet und consecrirt, die dritt aber, daran der heiligst nam Jhesus blutfarb noch heutigen tags erscheinet hat Bapst Leo consecriert. Aufgrund dieser Quellenaussagen ist zu vermuten, dass Leo IX. dem Kaiser eine in Bamberg konsekrierte Hostie zusammen mit zwei angeblich von Gregor I. geweihten an diesem Ort geschenkt hat. Davon abweichend stellt die Heiltumsdarstellung von 1457 den Sachverhalt so dar, dass Leo (IX.) die Konsekration in Rom durchgeführt und alle drei Hostien nach Bamberg gebracht habe: der heylig babst Leo ... hat sy all drey in aygner person von Rom pracht ... gen Babenwerg (26 in: Benedikt Kraft, Andechser Studien [Oberbayrisches Archiv für vaterländische Geschichte 73.74/1937.1940] 63, 304, 496ff. und Emmeram Heindl, Der hl. Berg Andechs in seiner Geschichte, seinen Merkwürdigkeiten [München 1895] 23ff.; Barth, Kult Leos IX. 152, 216); vgl. aber die Ansicht von Alois Schütz, Das Geschlecht der Andechs-Meranier im europäischen Hochmittelalter (Herzöge und Heilige. Das Geschlecht der Andechs-Meranier im europäischen Hochmittelalter, hg. von Josef Kirmeier/Evamaria Brockhoff [Regensburg 1993] 22-185) 165ff. und Kühne, Ostensio Reliquiarum 354ff., 842, 852f., die den Andechser Reliquienschatz für eine Fälschung des 14. Jahrhunderts halten.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 1006, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1052-10-18_2_0_3_5_2_678_1006
(Abgerufen am 23.03.2017).