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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo IX. weiht auf Bitten der mit ihm verwandten Grafen von Schwarzenburg im Verlauf seiner Reise von Regensburg nach Nürnberg aus der Ferne die Heilig-Kreuz Kapelle in Bruckdorf (D. Regensburg).

Überlieferung/Literatur

Erw.: Inschrift in der geweihten Kirche (Karlinger/Hager/Lill, Kunstdenkmäler 26); Christoph Hofmann, Chr. breve de ducibus Bavariae 1052 (Oefele, SS rer. Boic. I 552); Laurentius Hochwart, Libri ep. Ratisponensium II 18 (Oefele, SS rer. Boic. I 180). Reg.: Munier, Léon IX 280; vgl. Catalogue de l'exposition Léon IX (1054) 10 n. 18. Lit.: Hund/Gewold, Metrop. Salisb.2I 130f.; Chacón, Vitae et res gestae pont. I 792; Rader, Bavaria sacra 222; Höfler, Deutsche Päpste II 147f.; Will, Restauration I 97f.; Walderdorff, Bulle Leos IX. 272ff.; Janner, Bischöfe von Regensburg I 504; Brucker, L'Alsace II 253; Hans Karlinger/Georg Hager/Georg Lill, Die Kunstdenkmäler von Oberpfalz und Regensburg XX: Bezirksamt Stadtamhof (Die Kunstdenkmäler Bayerns [München 1914]) 26; Stein, Deutsche Heilige 26; Medard Barth, Der Elsässer Papst Leo IX. in der Sage (Neuer Elsässer Kalender 1933, 70f.); Romuald Bauerreiss, Zur Entstehung der Einsiedler Wallfahrt (SMBO 52/1934, 118-129, 121f.); Romuald Bauerreiss, Sepulcrum Domini. Studien zur Entstehung der christlichen Wallfahrt auf deutschem Boden (München 1936) 15; Bauerreiss, Kirchengeschichte Bayerns II 212; Sittler/Stintzi, Saint Léon IX 231; Fuchs, Léon IX dans l'iconographie 128; Klebel, Alemannischer Hochadel 218; Brakel, Heiligenkulte 270; Hausberger, Bistum Regensburg I 73; Schwaiger, Bischof Wolfgang 32; Schwaiger, Kirche von Bruckdorf passim.

Kommentar

Auf dem Weg von Regensburg nach Bamberg (-Nürnberg) wurde Leo IX. nach Aussage der Quellen von den Grafen von Schwarzenburg aufgehalten mit der Bitte, die von ihnen gebaute Kapelle in Bruckdorf zu weihen: cumque ... iter versus Norimbergam arriperet ... a comitibus de Schwarzaburg, suis ... consanguineis Viehausen inferius tunc inhabitantibus rogatus, ut illis sacellum quoddam in honorem s. crucis, quod hodie Pruckdorffen ad parochiam Sinfingam spectans, appellatur, dedicaret. Da die Zeit fehlte, den Ort persönlich aufzusuchen, hat der s. pater sacellum a longe visum ... consecrat. Doch die Bittsteller hatten sich offenbar nicht nur eine Segnung der Kirche aus der Ferne, sondern eine liturgische Weihefeier versprochen, und gaben dem Papst das zu verstehen. Leo IX. erwiderte ihnen: "Ite ... et nisi omnia consecratae eccl. indicia inveneritis, veniam". Die Grafen fanden die Kirche entsprechend der Aussage des Papstes auf wunderbare Weise geweiht vor (Laurentius Hochwart). Dasselbe wiederholt leicht abgewandelt Christoph Hofmann. Noch im letzten Jahrhundert sollen drei Kreuze die Stelle, von welcher aus der Papst die Weihe vorgenommen hatte, markiert haben. Die Frage, wie die Kirche vor der Weihe sich von jener danach unterscheidet, ist für die Quellen, welche die Wanderlegende (vgl. nn. †712, †1021) wiedergeben, nicht relevant. Über die hier erwähnte Verwandtschaft des Papstes mit dem Grafengeschlecht ist ansonsten nichts bekannt, ebensowenig über einen Aufenthalt Leos IX. in Nürnberg, der allerdings vom Reiseverlauf her wahrscheinlich ist. Zu datieren wäre der – allerdings stark mit legendarischen Zügen durchzogene – Vorgang jedenfalls nach der Abreise des Papstes aus Regensburg. Da er am 8. Oktober hier noch tätig war (n. 1000), ist die Abreise frühestens am folgenden Tag anzunehmen, das Erreichen der Gegend von Sinzig-Bruckdorf jedoch schon am ersten Reisetag vorauszusetzen. Diese vom Itinerar des Papstes ausgehenden Überlegungen stimmen jedoch nicht mit der Aussage der Weiheinschrift überein: a. D. 1052 non. Maii dedicata est haec eccl. a s. Leone papa IX. in honore s. crucis. Der Papst war erst im Oktober in der Regensburger Gegend, am 7. Oktober (non. Oct.) hier tätig. Nach den Notae Pruveningenses (MG SS XVII 611) fand die Weihe in Bruckdorf V. non. Maii 1142 statt. In den Regensburger Matrikeln des Archidiakons Gedeon Forster von 1665 steht zur Bruckdorfer Kirche: Traditio est capellam in Pruckhfdorf angelos ex praedicatione Leonis IX ... consecrasse (Heim, Des Erzdechanten Gedeon Forster Matrikel des Bistums Regensburg 18). Ob die Legende auf eine von Leo IX. vorgenommene Weihe zurückgeht, lässt sich nicht entscheiden; das Heilig-Kreuz Patrozinium und das Vorhandensein von Kreuzpartikeln würden darauf hindeuten. In mittelalterlichen Quellen anscheinend nicht überliefert ist eine Weihe der Michaelskirche in Kager, ebenfalls in der Umgebung von Regensburg, durch Leo IX. (Cölestin [Vogl], Ratisbona monastica oder Mausoleum s. Emmerami [Regensburg 1752] 252; Höfler, Deutsche Päpste II 147; Walderdorff, Bulle Leos IX. 272; Brucker, L'Alsace II 253; Bauerreiss, Kirchengeschichte Bayerns II 212; Brakel, Heiligenkulte 270; Schwaiger, Bischof Wolfgang 32; Schwaiger, Kirche von Bruckdorf 150). Auch hier soll der Papst durch eine "Fernweihe" gewirkt haben, wie aus der Notiz in den Matrikeln Gedeon Forsters hervorgeht: traditio est hanc filialem in Kager Leonem IX in transitu Norimbergam exporecta manu benedixisse. Historisch und chronologisch dürfte dieser Weiheakt entsprechend jenem in Bruckdorf einzuschätzen sein. Zu Engelweihen vgl. Kühne, Ostensio Reliquiarum 314f., 848ff.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. †1003, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1052-10-09_2_0_3_5_2_675_1003
(Abgerufen am 25.05.2017).