Regestendatenbank - 174.569 Regesten im Volltext

RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

Sie sehen den Datensatz 662 von insgesamt 1068.

Papst Leo (IX.) lädt wiederholt den unkanonisch ins Amt gelangten Erzbischof Stigand von Canterbury vor, verurteilt und exkommuniziert ihn, verbietet Bischöfen die Annahme der Weihe von ihm und schickt mehrfach Gesandte in der Angelegenheit nach England.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Bischof Remigius von Dorchester, Professio (Richter, Canterbury Professions 27); Bischof Wulfstan von Worcester, Professio (Richter, Canterbury Professions 26); vgl. Johannes Wigorniensis, Chr. 1092 (Darlington/McGurk, Chronicle III 10f.); Radulf von Diceto, Abbrev. Chr. 1046 (Stubbs, SS rer. Brit. 68/1 201). Reg.: JL *4331. Lit.: Hook, Lives of the Archbishops of Canterbury I 504ff.; Drehmann, Simonie 24; Hunt, English Church I 406f.; Mann, Popes VI 173f., 197; Tillmann, Legaten in England 12; Brooke, English Church 122ff.; Deansely, Anglo-Saxon Church and Papacy 58ff.; Barlow, English Church 303ff., 309f.; Barlow, Feudal Kingdom 33; Goez, Papa qui et episcopus 53f.; Beumann, Reformpäpste als Reichsbischöfe 31; Brooks, Canterbury 305ff.; Tellenbach, Gregorianische Reform 103; Mason, Wulfstan 108ff.; Ortenberg, English Church 150f.; Scholz, Transmigration 194f.; Cowdrey, Lanfranc 82; Maxwell-Stuart, Archbishops of Canterbury 58ff.; vgl. Richter, Canterbury Professions LXI.

Kommentar

Die Quellen, insbesondere die beiden Professiones, befassen sich vorrangig mit der Problematik, die im Zusammenhang mit der Erhebung Stigands zum Erzbischof von Canterbury steht. Dessen Vorgänger Robert war 1052 angesichts des Sieges der antinormannischen Partei in England geflohen und hatte seinen Sitz und sein Pallium zurückgelassen (vgl. nn. 882, 989). Als Nachfolger hat König Edward Bischof Stigand von Winchester nominiert, einen einheimischen Angelsachsen, gegen den Robert in Rom intervenierte (n. 989). Nach dem Sieg Wilhelms des Eroberers und der normannischen Partei 1066 wurde Stigand als deren Gegner 1070 durch päpstliche Legaten abgesetzt und Lanfrank als sein Nachfolger etabliert. Dieser verlangte nach seiner Amtsübernahme von dem durch Stigand geweihten Bischof Remigius und dem durch den Erzbischof von York geweihten Wulfstan von Worcester einen Amtseid, demzufolge Stigand bereits Maßnahmen Papst Leos IX. und seiner Nachfolger ausgesetzt war. Diesen Quellen zufolge hatte Stigand schon als Bischof von Elmham und Winchester Simonie geübt und darüber hinaus Robert aus Canterbury vertrieben, um dessen Nachfolger als Metropolit zu werden. Qua temeritate Rome audita, a Romanis pontificibus saepe vocatus tandem damnatus et excommunicatus est ... pontifices Leo ... legatos suos suis quisque temporibus in Angliam terram transmiserunt, et ne aliquis ad eum ordinandus accederet ... prohibuerunt (Remigius). Einfacher ist derselbe Sachverhalt in Wulfstans Professio formuliert: a Romanis pontificibus Leone ... excommunicatus, damnatus est. Per idem tempus iussa ... pontificum in Anglicam terram delata sunt prohibentium, ne quis ei episcopalem reverentiam exhiberet aut ad eum ordinandus accederet. Diese Darstellung stimmt im Wesentlichen mit den chronikalischen Überlieferungen überein; allerdings haftet ihnen allen der Mangel an, dass es sich dabei um Geschichtsschreibung des Siegers handelt, die nach der normannischen Eroberung Englands entstanden ist und den normannischen Erzbischof Robert von Canterbury und den von Wilhelm dem Eroberer eingesetzten Erzbischof Lanfrank im Kontrast zu dem angelsächsischen Stigand zeichnet. Tatsächlich erhielt dieser das Pallium nur von Benedikt X. und wurde 1070 von einem Legaten Alexanders II. abgesetzt; möglicherweise handelt es sich bei den Berichten allerdings um politische Tendenzdarstellungen aus der Zeit nach der Invasion, da noch 1062 päpstliche Legaten mit Stigand zusammen eine Synode abhielten (Wilhelm von Malmesbury, Vita Wulfstani 11, Darlington 18; vgl. Barlow, Church 306f.; Brooks 307; Smith, Archbishop Stigand 203); vielleicht wurde die politische Situation und kirchliche Stellung Stigands nach 1066 zurückprojeziert. Doch bereits 1053 gingen die Bischöfe Cynsige von York, Wulfwig von Dorchester und Leofwin von Lichfield zu ihrer Bischofsweihe ins Ausland (Anglo-Saxon Chr. [hg. v. George N. Garmonsway, London 1975] 184), 1061 die Bischöfe Giso von Wells (vgl. Privileg Nikolaus' II. [1061 April 25]; JL 4457; Holtzmann, PUU in England II 131) und Walter von Hereford nach Rom (1061 April 15) (JL I p. 565); demnach war schon unter Leo IX. die Legitimität Stigands angezweifelt. Welche Maßnahmen genau Leo IX. in der Angelegenheit ergriff und wann sie chronologisch einzuordnen sind, lässt sich jedoch nicht bestimmen.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 990, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1052-09-00_2_0_3_5_2_662_990
(Abgerufen am 23.01.2017).