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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo IX. bestätigt dem Kloster Farfa (D. Sabina) unter Abt Berard (aeccl. ... s. ... Mariae quae ponitur in Pharpha, et per eam Berardo abbati) sämtliche Kirchen und Güter, insbesondere das Kloster Farfa und namentlich genannte Besitzungen in der Sabina und der Toskana, den Grafschaften Narni, Perugia, Assisi, Fermo, Ascoli (Picceno), Chieti, Senigallia, Camerino und Osimo, sowie den Städten Orte, Viterbo, Rom und bei Tusculum (confirmamus et corroboramus ... in territorio Sabinensi ... alueum Pharphae totum ... in ciuitate Ortana ... in Uiterbe ... in Tuscano ... in comitatu Narniensi ... Perosino ... iuxta Tyburtinam ciuitatem ... in urbe Roma ... in comitatu Asesino ... Firmano ... Asculano ... Teatino ... Senogalliensi ... de Camerino ... comitatu Ausimano) mit sämtlichem beweglichem und unbeweglichem Zubehör, konfirmiert das Zehnt und Oblationsrecht (decimas et oblationes mortuorum ... teneat), die freie Wahl des Bischofs für Weihen von Mönchen, Kirchen und heiligem Öl entsprechend dem Privileg Papst Pauls (I.) (ordinatio monachorum ... cellarum ... a quovis ... episcopo ... ita habetur in priuilegio bonae memoriae Pauli papae ... consecrationes aeccl. a quovis quaerit abbas ... episcopo ... simul et chrisma) sowie die freie Wahl des Abtes nach der Benediktsregel, verbietet die Abhaltung von Synoden im Kloster und die Heranziehung von dessen Mönchen zu anderswo stattfindenden (synodum ... nullus hic celebret ... nec alio venire constringat presb.) und erlässt ein Alienationsverbot.

Originaldatierung:
Dat. III id. Dec. pm. Frederici diac. SRE bibl., vice d. Herimanni archicanc. et Coloniensis archiaepiscopi a. d. Leonis IX papae III, ind. V.
Incipit:
Initium sapientiae timor Domini: cuius ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: – . Kop.: 1) 11. Jh., Rom, Bibl. Vat., Cod. vat. lat. 8487 fol. 353v; 2) 12. Jh., Rom, Bibl. naz., Ms. Farfenses 1 fol. 281 (olim: Cod. 297 fol. 283); 3) 16. Jh., Rom, Bibl. Vat., Cod. vat. lat. 12535 (olim: Arch. Vat., Misc. Arm. XV t. 128) fol. 165 (fragm.); 4) 17. Jh., Rom, Bibl. Vat., Cod. vat. lat. 12004 (olim: Arch. Vat., Misc. Arm. VII t. 132) p. 211; 5) 17. Jh., Rom, Bibl. Vat., Arch. Barberini, Liber primus iurum Farfensium fol. 125 (nicht auffindbar); 6) 18. Jh., Rom, Bibl. naz., Cod. Sessor. 219 fol. 18v (olim: Codd. 2113.2114 p. 774) (fragm.). Insert: 12. Jh., Gregor von Catino, Chr. Farfense (Muratori, SS rer. Ital. II/2 583; Balzani II, FSI 34/1903 136). Erw.: Gregor von Catino, Chr. Farfense (Balzani II, FSI 34/1903 135, 240f.); Gregor von Catino, Liber Floriger (Maggi Bei 32). Drucke: Margarini, Bull. Casinense II 87; Cocquelines, Bull. Rom. I 379; Migne, PL 143, 678; Tomassetti, Bull. Rom. I 612; Giorgi/Balzani, Regesto di Farfa IV 280. Reg.: Höfler, Deutsche Päpste II 376; J 3241; IP II 65 n. 33; Santifaller, Elenco 368; Santifaller, LD 125; GP VII 56 n. 144; JL 4264. Lit.: Will, Restauration I 93; Brucker, L'Alsace II 224ff.; Martin, Saint Léon 143f.; Heinzelmann, Farfenser Streitschriften 67; Ottenthal, Brondolo 302; Schuster, Farfa 194; Bloch, Klosterpolitik 239ff., 245; Vehse, Sabina 149; Kölmel, Rom 131; Santifaller, Elenco 148f., 153; Parisella, Dimicatio contra simoniam 109f.; Hofmeister, Gefreite Abteien 142; Cencetti, L'abbazia di San Pietro 54f.; Brakel, Heiligenkulte 276f.; Toubert, Structures du Latium I 425, 639; Herrmann, Tuskulanerpapsttum 157; Hoffmann, Kirchenstaat 22; Lori Sanfilippo, Possessi romani 20; RadożyckaPavletti, S. Michele sul Monte Tancia 102; Rathsack, Fuldaer Fälschungen I 185f.; Maccarrone, Fondamenti Petrini 107; Dahlhaus, Rota 52; Seibert, Abtserhebungen 92f.; Stroll, Farfa 3; Howe, Church Reform 34; Delio Pacini, Per la Storia medievale di Fermo e del suo territorio (Fermo 2000) 306, 312, 327, 397f.; Munier, Léon IX 284f.; McQuillan, Political Development 40; Andenna, Farfa e il papato 105ff., 109; Boynton, Shaping Monastic Identity 31f.; Cantarella, Papato e riforma 40; Frech, Urkunden Leos IX. 173, 175; Dahlhaus, Urkunde, Itinerar und Festkalender 15.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Kaltenbrunner, PUU in Italien 642, Kehr, Nachträge zu den römischen Berichten 547 (ND Ders., PUU in Italien IV 205) und IP. Aufgrund der Kopie 1) ist anzunehmen, dass das Original mit monogrammtisch gestaltetem Papstnamen in der Intitulatio begann, wobei E und O auf den Längsschaft des L eingefügt waren (Litterae columnatae) (vgl. nn. †648, 789, 798, †800, 840, †847, 856, 858, †860, †863, 879, 880, 905, 919, 929, 937, 950, 952, 955, 957, 959, 965, 975, 1023). Am Schluss des Eintrags in dieser Handschrift findet sich ein Brustbild des Papstes. Die angeführte Urkunde Papst Pauls I. (757-767) ist nicht erhalten (IP II 59 n. *2). Die Urkunde stellt die päpstliche Antwort auf die Anfrage n. 888 dar, beginnt mit einer die päpstlichen Verpflichtungen gegenüber Klöstern hervorhebenden Arenga und ist vorrangig an die Klosterpatronin Maria, erst in deren Vertretung an den Abt gerichtet. Der Papst geht darin auch auf seine Armut ein (argentum enim et aurum non est nobis), was möglicherweise topisch ist, angesichts n. 519 und der Bemerkung in n. 919 aber vermutlich den Tatsachen entspricht. Der Text ist mit Gebeten durchzogen und erinnert insgesamt an liturgische Formen. Das Privileg bietet gegenüber der nur knapp zwei Jahre älteren Besitzbestätigung Leos IX. für das Reichskloster Farfa n. 527 einige Abweichungen: sind in jener die Besitzungen nach einzelnen Ländereien (Fundi) und Grafschaften bestimmt, so sind hier (meist davon abweichende) Kirchen, Burgen und Höfe in den Grafschaften und bei genannten Orten angeführt, wobei auch die angeführten Grafschaften mit denjenigen der früheren Urkunde nur z. T. übereinstimmen (zum Ortsverzeichnis vgl. Claudi Gnocchi, Contributo ad un'indagine sui culti farfensi nei secoli IXXI. [RSCI 54/2000, 31-69]). Während andere Rechte des früheren Privilegs nicht mehr ausdrücklich genannt sind, werden in diesem Dokument die angeführten kirchenrechtlichen Bestimmungen aufgezählt. Dabei geht die Anordnung, dass der Bischof für Weihen frei bestimmt werden könne, über frühere Privilegien hinaus und widerspricht dem Brief Leos IX. n. 503 (vgl. aber n. †440). Aus der früheren Urkunde wiederholt sind das Zehnt und Oblationsrecht, welche dem Kloster zwischenzeitlich vom Bischof von Sabina bestritten worden waren (nn. 888, 890.7); mit der Urkunde wird der Konflikt beider Kontrahenten zugunsten des Klosters entschieden. Im Text angeführt ist auch die Verleihung der Burg Bocchignano durch Papst Benedikt VIII. (Castellum de Bucciniano ... a papa Benedicto ... collata) (1014 Juli 18) (JL 4006; IP II 63 n. 22; Böhmer/Zimmermann, Papstregesten n. 1149) (Zimmermann, PUU II931). Im Liber Floriger hat Gregor von Catino diese Urkunde mit der früheren Leos IX. n. 527 für sein Kloster zusammen paraphrasiert und als eine einzige dargestellt. An der Echtheit besteht kein Zweifel.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 938, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1051-12-11_1_0_3_5_2_610_938
(Abgerufen am 24.03.2017).