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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo IX. hat Friedrich von Lothringen (den späteren Papst Stephan IX.) als (Diakon, Kanzler, Bibliothekar und) Erzkapellan.

Überlieferung/Literatur

Erw.: n. 879, n. 1006, n. 1012; n. †1309; Amatus von Monte Cassino, Historia Normannorum III 21, 24 (De Bartholomaeis, FSI 76/1935 134, 139); Ann. Rom. (Duchesne, Liber Pont. II 334); Berthold von Reichenau, Chr. (Robinson, MG SS rer. Germ. NS 14/2003 183); Bernold von Konstanz, Chr. 1056 (Robinson, MG SS rer. Germ. NS 14/2003 388); Ann. Augustani 1057 (MG SS III 127); Leo Marsicanus, Chr. Casinensis II 84, 85, 93; III 6 (MG SS XXXIV 332, 333, 351, 367); Petrus Diaconus, De viris illustribus (Migne, PL 173, 1026); Anon. Zwettlensis, Hist. Rom. pont. (Migne, PL 213, 1032); Veit Arnpeck, Chr. Baioariae II 11 (Leidinger 112). Reg.: – . Lit.: Höfler, Deutsche Päpste II 122; Steindorff, Heinrich II 78, 135, 140; Wattendorff, Stephan IX. 9, 56; Robert, Pape belge: Étienne X 7ff.; Brucker, L'Alsace II 186; Mühlbacher, Kaiserurkunde und PU 503; Hauck, Kirchengeschichte III 610; Kehr, Petrus diaconus 504 (ND Ders., PUU in Italien I 443); PflugkHarttung, Bullen 109; Kehr, Scrinium 83ff. (ND Ders., Ausgewählte Schriften 143ff.); Dupréel, Godefroid le Barbu 62f.; Guggenberger, Deutsche Päpste 79; Kehr, Vier Kapitel 55 (ND Ders., Ausgewählte Schriften 1249); Santifaller, Elenco 151f.; Violante, Pataria 95; Jordan, Reformpapsttum und abendländische Staatenwelt2160; Goez, Papa qui et episcopus 36; Hüls, Kardinäle 168, 248; Vrégille, Hugues 172; Kelly, Montecassino 81; Vrégille, Hugues de Salins I 217f.; Horwege, Bruno von Egisheim 70; Erkens, Trier 127, 132f.; Dahlhaus, Rota 18f.; May, Ego 37, 46; Peters, Stephan IX 158; Bischoff, Urkundenformate 37; Munier, Léon IX 113, 155f., 171; Rapp, Léon IX, ébauche d'un portrait 53f.; Falkenstein, Weitere Fälschungen 115f.; Dahlhaus, Das bischöfliche Wirken 60; SaintSorny, Chartes de Bruno de Toul 137; Parisse, L'entourage 439f.; Hägermann, Papsttum am Vorabend des Investiturstreits 9, 16; D'Agostino, Primato 144f.; Dahlhaus, Urkunde, Itinerar und Festkalender 22f.

Kommentar

Friedrich von Lothringen war spätestens im Jahr 1050 mit dem Papst in Kontakt gekommen (n. 833) und damals wohl von ihm nach Rom gebracht worden (n. 514). Als Kanzler ist Friedrich erstmals am 9. März 1051 in n. 879 genannt. Er ist hier in der Datumszeile als Fredericus canc. erwähnt und übt dieses Amt (erstmals im Pontifikat Leos IX.) vice d. Herimanni SSA archicanc. et Coloniensis archiepiscopi, also in Vertretung des Kölner Erzbischofs als Erzkanzler, aus. Alle Privilegien Leos IX. nach dem 9. März 1051 (n. 879) bis in den Herbst 1053 sind auf den Namen dieses Kanzlers bzw. durch diesen selbst datiert; als Kanzler machen Friedrich zudem nn. 1006, 1012, Ann. Augustani, Amatus von Monte Cassino, Leo Marsicanus, Ann. Rom. und Veit Arnpeck namhaft. Ausnahmen bilden nur die Briefe nach Afrika, Antiochien und Konstantinopel, welche Kardinal Humbert in der Datumszeile nennen (nn. 1042, 1111, 1121, 1122, 1130, 1131). Um die Wende 1053/1054 unternahm Kanzler Friedrich mit Kardinal Humbert die Gesandtschaft nach Konstantinopel (n. 1132), so dass ihre Namen in späteren Urkunden Leos IX. nicht mehr auftauchen. Die Briefe in den Osten dürfte Humbert deshalb datiert haben, weil sie als theologische Lehrschreiben von ihm als Theologen und Kenner der griechischen Sprache formuliert waren und nicht in den eigentlichen Amtsbereich der Kanzlei fielen. Die Behauptung der Ann. Rom. Stephanus ... fuit canc. Leoni (!) trifft daher zu. In den beiden ersten Urkunden, die auf seinen Namen datiert sind nn. 879, 880, wird Friedrich nur als Kanzler bezeichnet, während ihn die späteren Privilegien (ab Juni 22) als Diakon, Kanzler und Bibliothekar ausweisen nn. 903, 905. Dahlhaus nimmt daher an, Friedrich habe zunächst das Kanzleramt erhalten und sei dann vom Papst zum Diakon geweiht und mit dem Bibliothekarsamt ausgestattet worden; postive Nachweise dafür existieren jedoch nicht. Als Archidiakon Leos IX. wird der spätere Papst Stephan IX. von Bernold von Konstanz und Berthold von Reichenau (auch: archicapellanus [Anon. Zwettlensis], was wohl den Vorsteher der Kanzlei kennzeichnen soll) bezeichnet. Wann Friedrich von Lothringen dieses Amt übernahm, kann nicht exakt angegeben werden. In Urkunde n. †1309 Viktors II. ist er als Frederico olim canc. Romane eccl. bezeichnet.Vor Friedrich von Lothringen übte das Kanzleramt Primicerius Udo von Toul aus; von ihm sind Urkunden zwischen n. †831 und n. 871 von 1050 Oktober 22 bis 1051 Februar 10 datiert. Aus den Urkunden ist zu schließen, dass Udo nur ein Übergangskandidat war, der in der Zeit der Papstreise 1050/51 nach Frankreich und Deutschland das Kanzleramt versah. Allerdings war Udo schon früh mit Leo IX. nach Rom gekommen, nach Auskunft der Gesta ep. Tullensium 41 (MG SS VIII 645) bereits 1049. Kehr, Petrus diaconus fand auf der Rückseite von n. 798 Ovidverse von der Hand des Petrus Diaconus, die einem Oddo die Qualität des Schreibens bestreiten und bezieht dies auf Udo von Toul, der zumindest bei der Ausstellung dieser Urkunde im Sommer 1050 wohl als Nachfolger des altgedienten Kanzlers vorgesehen war. Um die Zeit, als das Amt an Friedrich überging, wurde Udo zum Bischof von Toul ausersehen, vgl. nn. 872, 873. Der Vorgänger Udos war Petrus Diaconus, der seit Anfang von Leos IX. Pontifikat im Amt war und bereits den Vorgängern seit 1042 in dieser Funktion gedient hatte. Der Kanzler Diakon Petrus war im Oktober 1050 beim Aufenthalt des Papstes in Langres gestorben (nn. 822, 824) (zu ihm vgl. Steindorff, Heinrich II 135; Brucker, L'Alsace II 181; Hauck, Kirchengeschichte III 610; Kehr, Petrus diaconus 505 [ND Ders., PUU in Italien I 444]; PflugkHarttung, Bullen 108f.; Martin, Saint Léon 130; Drehmann, Simonie 34; Fliche, Réforme I 153; Santifaller, Elenco 140ff., 150; Vrégille, Hugues de Salins I 212; Vrégille, Hugues 169; Horwege, Bruno von Egisheim 141; Dahlhaus, Rota 18f.; Munier, Léon et le droit 390; Munier, Léon IX 154; Parisse, L'entourage 440f.).

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 878, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1051-03-09_1_0_3_5_2_550_878
(Abgerufen am 25.05.2017).