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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo IX. empfängt eine Gesandtschaft aus Benevent, welche ihn auffordert, in ihre Stadt zu kommen, um den Treueid entgegenzunehmen.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Stilisierte Rede Leos IX. (Vita Leonis IX I 6 [Poncelet 282]); Vita Leonis IX I 5 (Poncelet 279); Amatus von Monte Cassino, Hist. Normannorum III 17 (De Bartholomaeis, FSI 76/1935 131); Ann. Beneventani 1050 (MG SS III 179); Ann. Beneventani 1051 (Bertolini 137; Martin/Orofino, Chr. S. Sophiae 239); Bonizo von Sutri, Liber ad amicum V (Dümmler, MG Ldl I 589); Boso, Vitae Rom. pont. 155 (Duchesne, Liber Pont. II 355); Nicolaus Roselli, Vita Leonis IX papae (Muratori, SS rer. Ital. III/1 277). Reg.: Di Meo, Annali VII 304; IP IX 21 n. *15. Lit.: Nicastro, Benevento sacro 249; Höfler, Deutsche Päpste II 134; Hunkler, Leo IX. 216; Steindorff, Heinrich II 162; Brucker, L'Alsace II 227; Heinemann, Geschichte der Normannen 127; Dina, Comune Beneventano 555; Dina, L'ultimo periodo 62; Gay, L'Italie II 481f.; Chalandon, Domination Normande en Italie I 127f.; Vehse, Benevent 93f.; Kölmel, Rom 98ff.; Erdmann, Kreuzzugsgedanke 109f.; Wollemborg, Papato e stato normanno 13f.; Pontieri, Tra i Normanni 359, 364; Morghen, Programma della riforma gregoriana 60; Norwich, Normans in the South 83; Clementi, Relations 199; Partner, Lands of St Peter 112; Deér, Papsttum und Normannen 89; Petrucci, Ecclesiologia e politica 49; D'Alessandro, Storiographia 118f.; Vergineo, Storia di Benevento 190; Bloch, Monte Cassino, Byzantium and the West 189f.; Horwege, Bruno von Egisheim 106f.; D'Amico, Leone IX e il Meridione 50; Miglio, Mezzogiorno normanno visto dallo Stato pontificio 137ff.; Orabona, I Normanni 42; Palmieri, Amministrazione palatina nella Benevento 441, 445; TavianiCarozzi, Bataille francoallemande 184; TavianiCarozzi, Terreur du monde 195f.; Bünemann, Robert Guiskard 17; Loud, Robert Guiscard 115; Johrendt, Reisen der Reformpäpste 83f.; Bayer, Spaltung der Christenheit 57; Munier, Léon IX 208; TavianiCarozzi, Léon IX et les Normands 308ff., 318ff.; Loud, Latin Church in Norman Italy 68f.; Krause, Touler Vita 18; Becker, Graf Roger I. 36; D'Agostino, Primato 81.

Kommentar

Nach der erneuten Exkommunikation Benevents durch Leo IX. (vgl. nn. 364, 739) hatten dessen Einwohner ihre Fürsten im August 1050 vertrieben (Ann. Beneventani [Bertolini 162]) und boten nun dem Papst die Herrschaft an. Die Quellen sind allerdings in ihrer Aussage nicht völlig übereinstimmend; so sagt die erstgenannte Version der Ann. Beneventani nur, dass 1050 Beneventum papae Leoni conceditur, während die andere Version zu 1051 von der Gesandtschaft spricht: Beneventani miserunt legationem d. Leoni pape ut veniret. Von der Unterwerfung der Stadt unter den Papst berichtet auch Amatus, die Papstvita dagegen von der Gesandtschaft: legationes (!) venit a Benevento ... obsecrantes ... ut subvenirent et librarent eos de oppressione Francorum. Gemäß dieser Quelle wandte sich die Gesandtschaft vorrangig gegen die Normannen und überbrachte dem Papst einen Brief, in welchem deren Vergehen beschrieben wurden; dessen Inhalt habe Leo IX. lacrimatus zur Kenntnis genommen. An späterer Stelle derselben Quelle findet sich eine Rede Leos IX., in welcher er im Rahmen der Rekapitulierung der mit Benevent verbundenen Ereignisse auch diese Gesandtschaft erwähnt. Verschiedene Gedankengänge zusammenfassend formuliert schließlich Bonizo (und ähnlich Nicolaus Roselli): Beneventani compulsi Romam tendunt Beneventumque per cartulam offertionis b. Petro tradentes a d. papa implorant auxilium. Vermutlich ist auch die Passage (per offertionis cartulam Beneventum b. Petro ... tradentes ab eodem pontifice protectionis auxilium impetrarunt) in Bosos Vitae Rom. pont. (Duchesne, Liber Pont. II 355) auf die Gesandtschaft zu beziehen, doch ist ebensogut ein Zusammenhang mit dem Besuch des Papstes in Benevent 1051 (n. 913) denkbar. Exakte Angaben über den Zeitpunkt lassen sich aufgrund der Quellen nicht machen, da sich schon die beiden Versionen der Ann. von Benevent im Jahr widersprechen; allerdings hat diejenige Version, welche von 1051 spricht, eigentlich die päpstliche Gesandtschaft (n. 876) zum Gegenstand der Schilderung, welche in der Tat dem Jahr 1051 angehört. Die Papstvita suggeriert die Ankunft der Gesandtschaft in Rom während der Synode von 1049, was auszuschließen ist. Am nächsten kommt dem tatsächlichen Ablauf wohl Amatus, der die Legation im Anschluss an die Süditalienreise des Papstes vom Jahr 1050 erwähnt. Nachdem Landulf VI. von Benevent im April 1050 vertrieben wurde, bietet sich für die Gesandtschaft die Zeit danach an; allerdings war Leo IX. seit dem Frühsommer 1050 unterwegs nach Norden. Daher wird mit Petrucci, Orabona und Bayer in die Zeit nach der Rückkehr des Papstes nach Rom, den März 1051 datiert. Diese Beneventaner Gesandtschaft ist die zweite an Leo IX. (vgl. n. 525, vgl. aber Krause, der beide zusammenlegt), doch stellt diese (wohl anders als die erste) eine staatsrechtliche Bindung der Stadt mit dem Papsttum her. Ob die Mitteilung Hermanns von Reichenau, Chr. 1050 (MG SS V 129) von Legaten der exterarum principes gentium, welche dem Papst subiectionem ... promittunt, sich auf diese Vorgänge beziehen oder eher an anderweitig nicht bekannte Gesandte König Andreas' von Ungarn oder Svens von Dänemark (so Steindorff, Heinrich II 130 oder Brucker, L'Alsace II 242) zu denken ist, muss offen bleiben, doch weist die von Hermann angedeutete staatsrechtliche Dimension trotz Steindorffs Bedenken eher nach Benevent und Süditalien.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 874, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1051-02-00_3_0_3_5_2_546_874
(Abgerufen am 27.03.2017).