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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo (IX.) erhält einen Brief des Grafen Gottfried (Martell von Anjou) (d. ven. ... papae Leoni comes Gaufridus), in welchem dieser die Verhaftung des unwürdigen Bischofs Gervasius (von Le Mans) (de indignitate Gervasii episcopi) unter Hinweis auf seine eigenen vergeblichen Bemühungen um eine Regelung der Angelegenheit durch ein Provinzialkonzil sowie bei den Päpsten Benedikt (IX.) (n. 197) und Clemens (II.) (n. 343) rechtfertigt (ad archiepiscopum, provinciae episcopos ... retulissem ... ad antecessores [tuos] Benedictum papam atque Clementem rem proferre curavi), unter den von Leo (IX.) gegen sich ergriffenen Maßnahmen (vgl. nn. 627.15, 655, 659) eine Gesandtschaft des Papstes (n. 634) sowie die danach gegen sich ergangene Exkommunikation (nn. 718, 719) schildert und schließlich die Freilassung des Bischofs nach dessen Vorführung auf einer Provinzialsynode (Gervasium episcopum ... exhibui) unter der Bedingung, dass dieser nicht mehr gegen den Grafen agiere, sowie dessen Eidbruch zu seinen eigenen Gunsten anführt.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Gottfried Martell von Anjou, Brief an Leo IX. (Erdmann/Fickermann, Briefsammlungen [MG EpistolaeV] 140; Sudendorf, Berengar 212; Delarc, Pape alsacien 496 [franz. Übersetzung]). Reg.: Halphen, Comté d'Anjou 276 n. 110. Lit.: Sudendorf, Berengar 118ff.; Delarc, Pape alsacien 499f.; Schwabe, Abendmahlstreit 75; Brucker, L'Alsace II 162ff.; Bröcking, Französische Politik Leos IX. 79, 85ff.; Halphen, Comté d'Anjou 125; Guggenberger, Deutsche Päpste 68f.; MacDonald, Berengar 102, 108f.; Montclos, Lanfranc et Bérenger 16; Gibson, Letters relating to Berengar 12f.; Guillot, Comte d'Anjou I 76; Douglas, Wilhelm der Eroberer 392f.; Foulon, Relations 30; Foulon, Église et réforme 93.

Kommentar

Der von Berengar verfasste Brief des Grafen ist das letzte überlieferte Dokument zu dem Streit zwischen Leo IX. und Gottfried Martell von Anjou um die Freilassung des Bischofs Gervasius (vgl. nn. 750, 818, 848). Er ist nach der Haftentlassung des Gervasius verfasst, allerdings nicht genau zu datieren; gegen Sudendorf, der seine Entstehung 1053/54 ansetzt, macht Erdmann geltend, dass er vor dem Friedensschluss des Grafen mit König Heinrich I. von Frankreich am 15. August 1052 abgefasst sein muss, da Gottfried darin über den Wortbruch des Bischofs Klage führt, der Francie regem concitat in pervasionem rerum ... cuncta corrumpens. Der 1047/48 inhaftierte Bischof von Le Mans war lt. dieser Schilderung nach dem Tod des Grafen Hugo IV. von Maine (vermutlich am 26. März 1051) freigelassen worden, was den Grund des Konflikts zwischen Graf und Kurie beseitigte. Daher rechtfertigt Gottfried Martell mit dem Schreiben sein Verhalten, erwartet die Rücknahme der kanonischen Maßnahmen gegen sich und einen Ausgleich mit der Kirche von Le Mans zu seinen Gunsten, was er auch mit einer Drohung unterstreicht: Potueram interim rerum omnium, quae ad eccl. pertinent, redditus in usus proprios devocare. Über die von Schwabe 85f., Bröcking 79 und Halphen 125 kontrovers diskutierte Frage, ob und wann Leo IX. Interdikt n. 719 und Exkommunikation n. 718 gegen den Grafen aufgehoben hat, lassen sich keine zuverlässigen Aussagen machen.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 900, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1051-00-00_8_0_3_5_2_572_900
(Abgerufen am 29.04.2017).