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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo (IX.) verbietet die Ehe der Gräfin Richild, Witwe Graf Hermanns von Mons (Hennegau), mit Graf Balduin VI. von Flandern wegen zu naher Verwandtschaft (Balduinus ... Richildem

Überlieferung/Literatur

uxorem Hermanni Montensis ... Leo ... papa ... dixit coniugium illud non esse legitimum) (vgl. nn. †476, †477, 589-592). Erw.: Hermann von Tournai, Liber de restauratione s. Martini Tornacensis (Huygens, Corp. Chrisp. Cont. med. 236 49f., 55; MG SS XIV 279, 282); Adrian de Budt, Chr. Flandriae (De Smet, Recueil des chr. de Flandre I) 276. Reg.: – . Lit.: Steindorff, Heinrich II 152ff.; Brucker, L'Alsace II 211; Vanderkindere, Richilde et Hermann de Hainault passim; Fliche, Philippe I de France 176f.; Boshof, Lothringen, Frankreich und das Reich 100ff.; Legl, Grafen von DagsburgEgisheim 144f.; Boshof, Salier 143;4141; Goez, Beatrix von Tuszien 23; Corbet, Burchard de Worms 262f.; Corbet, In multis 347, 352; Chazan, Léon IX dans l'historiographie 616; vgl. Vanderkindere, Formation territoriale II 90ff. und Franz, Valenciennes 261 und passim.

Kommentar

Hermann von Mons verstarb spätestens 1050, die Ehe zwischen seiner Witwe und dem Sohn des Grafen Balduin V. von Flandern wurde Anfang 1051 geschlossen, vgl. auch Edmund Dynter, Chr. Brabantiae III 4 (De Ram I/2 534) und Sigebert von Gembloux, Chr. Continuatio Aquicinctina 1195 (MG SS VI 433). Beide oben angeführte Quellen (Zitat aus Hermann von Tournai) erwähnen das Verbot dieser Ehe durch Papst Leo IX. neben der anderweitig überlieferten Exkommunikation des Paares durch den Papst bzw. den Bischof von Cambrai (vgl. n. †851). Die Continuatio Aquicinctina macht aus der ansonsten als Verwandte Leos IX. bezeichneten Dame (vgl. nn. 589-592) dessen Schwester. Nur Hermann von Tournai führt den Grund für das Eheverbot an: coniugium illud non esse legitimum, quoniam consanguinitatis linea propinqui erant; mit diesem Vorwurf stimmen auch die in n. †851 angeführten Quellen überein. Die angesprochene Verwandtschaft der beiden Gatten erklärt Jacob von Guisia (MG SS 190f.) durch die Abstammung beider von Hugo Capet, dessen Urenkelin Richild war. Über die als unerlaubt betrachtete und gegen die Interessen des Reiches gerichtete Ehe berichten auch die Ann. Elnonenses 1050 (Grierson 156), Ann. Elmarenses 1051 (Grierson 91f.), Sigebert von Gembloux, Chr. 1051 (MG SS VI 359) und Johannes Longus, Chr. s. Bertini (Martène/Durand, Thesaurus III 576), allerdings ohne die Maßnahmen Leos IX. in der Angelegenheit zu erwähnen (vgl. nn. †851, 852). Aussagen über die Authentizität der Überlieferung lassen sich nicht machen, zur sonstigen Handlungsweise des Papstes würde das Vorgehen durchaus passen. So ist auch Boshof, Lothringen der Ansicht, dass sich "die Einschaltung ... des Papstes Leo IX. gegen die ... indiskriminierte Eheverbindung ... angesichts gewisser Ungenauigkeiten und offenkundiger Fabeleien ... nicht mit letzter Sicherheit belegen [lasse], ... aber nicht unglaubwürdig [erscheint] " (102). Zu dem Komplex um Richild von Mons vgl. auch nn. †476, †477, 589-592.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 850, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1051-00-00_2_0_3_5_2_522_850
(Abgerufen am 30.03.2017).