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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo IX. erbittet Hilfe gegen die Normannen von Kaiser (Heinrich III.), dem König von Frankreich sowie dem Herzog von Marseille und bietet dafür Geschenke und Sündennachlass.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Amatus von Monte Cassino, Hist. Normannorum III 23 (De Bartholomaeis, FSI 76/1935 138f.). Reg.: . Lit.: De Blasiis, Insurrezione Pugliese I 227; Wattendorff, Stephan IX. 9f.; Brucker, L'Alsace II 233f.; Heinemann, Geschichte der Normannen 129f.; Chalandon, Domination Normande en Italie I 130f.; Mann, Popes VI 112; Kölmel, Rom 101; Erdmann, Kreuzzugsgedanke 145f.; Clementi, Relations 199; Norwich, Normans in the South 85f.; Petrucci, Rapporti di Leone IX 83; Aubé, Empires Normands 54f.; Semmler, Milites d. Ildebrandi 22; Horwege, Bruno von Egisheim 111; Wolf, Making History 16; TavianiCarozzi, Bataille francoallemande 192; Bünemann, Robert Guiskard 18; Munier, Léon IX 209; Bayer, Spaltung der Christenheit 58.

Kommentar

Amatus berichtet von den Bittgesuchen im Anschluss an die Reise Leos IX. 1051 nach Süden. Er behauptet, der Papst habe Hilfe angefordert de lo emperor Federic, et del roy de France et del duc de Marcelle sowie von anderswo. Bei dem Namen des Kaisers handelt es sich um eine Verschreibung entweder des Autors, oder – eher – des mittelalterlichen Übersetzers, die wohl verursacht ist durch den im folgenden Absatz auftauchenden Namen des päpstlichen Kanzlers Friedrich. Schwieriger ist die Deutung der dritten Person, des Herzogs von Marcelle. Sollte damit Marseille gemeint sein, so wäre die Amtsbezeichnung unzutreffend, ein anderer Herzog kommt zur Identifizierung ebenfalls nicht in Frage; gemeint sein könnte jedoch auch der byzantinische "Herzog" von Apulien, der Katepan Argyros; lt. Clementi ist Marcelle eine Verschreibung für Matilde und eigentlich die Herzogin der Toskana gemeint. Andere Quellen wissen vom Hilfsgesuch des Papstes an den Kaiser in diesem Jahr nicht, sondern bringen es erst im Anschluss an den gescheiterten Feldzug gegen die Normannen von 1052 (nn. 981, 1014). Möglicherweise hat Amatus diesen Vorgang ein Jahr zu früh datiert und aufgrund seiner frankophilen Tendenz zwei französische Herrscher eingefügt. Ein Appell an den französischen König ist nach den Erfahrungen Leos IX. von 1049 (vgl. n. 604) eher unwahrscheinlich. Vermutlich liegen jedoch eher Reminiszenzen an den geplanten Normannenfeldzug Gregors VII. von 1074 vor, der sich in Hilfsgesuchen u. a. an Graf Wilhelm von Hochburgund gewendet hat. Aus Furcht haben nach Amatus' Darstellung alle Aufgeforderten das Hilfsersuchen abgewiesen.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. †941, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1051-00-00_16_0_3_5_2_613_941
(Abgerufen am 17.01.2017).